1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Balve

„Das ist unverantwortlich“: Ausschuss stimmt für umstrittenes Baugebiet Hönnewiesen

Erstellt:

Von: Julius Kolossa

Kommentare

Intensiv diskutiert wurde im Ausschuss über das geplante Baugebiet Hönnewiesen: Mathias Jedowski von der CDU erläuterte, warum seine Fraktion für das Projekt ist.
Intensiv diskutiert wurde im Ausschuss über das geplante Baugebiet Hönnewiesen: Mathias Jedowski von der CDU erläuterte, warum seine Fraktion für das Projekt ist. © Kolossa, Julius

Gegen den massiven Widerstand einiger Bürger hat der Ausschuss Umwelt, Stadtentwicklung, Bau am Dienstagabend mit großer Mehrheit die Empfehlung an den Rat ausgesprochen, das umstrittene Baugebiet Hönnewiesen zu realisieren.

Die Bedenken der Bürger drehen sich um den Hochwasserschutz, nachdem Teile der Hönnewiesen beim Unwetter im Juli überflutet worden waren.

In geheimer Abstimmung, die die UWG beantragt hatte, stimmten neun Ausschussmitglieder für das Wohngebiet, zwei dagegen, vier enthielten sich. Vor allem die CDU, die mit neun Politikern an der Sitzung teilnahm, hatte das Projekt immer wieder forciert. Weil die CDU auch im Rat über die absolute Mehrheit verfügt, dürfte die endgültige Verabschiedung des Projekts nun nur noch Formsache sein.

Anlieger äußern ihre Bedenken

„Bis vor dem 14. Juli war ich begeistert von den Hönnewiesen als Bauland. Dann aber kam das Hochwasser. Und nachdem ich gesehen habe, wie hoch das Wasser hier stand, kann ich niemandem empfehlen, hier zu bauen“, sagte UWG-Ausschussmitglied Heinrich Stüeken vor der Abstimmung. Schnell ansteigendes Grundwasser sowie die über die Ufer tretende Hönne sorgten dafür, dass auch langjährige Anlieger die Auswirkungen spürten. So wie Cäcilia Siedhoff. Sie wohnt seit vielen Jahren in der Nähe der Hönnewiesen – bis zum Sommer 2021 ohne Hochwasserprobleme. In der Nacht auf den 15. Juli kam das Wasser trotz eingebautem Hochwasserschutz in ihren Keller, sodass eine Sanierung unumgänglich war. „Nach dem Hochwasser haben sich 344 engagierte Balver mit ihren Unterschriften gegen eine Bebauung ausgesprochen. Ich finde, dies ist eine bemerkenswerte Meinungsbildung, der man sich nicht verschließen sollte“, sagte sie im Ausschuss.

Siedhoff befürchtet, dass das Neubaugebiet die Hochwasserproblematik verschärfen wird. „Es entstehen neben den Häusern noch Straßen und Parkplätze. Das bedeutet: Es wird viel Fläche versiegelt. Wo soll dann das Wasser hin?“, fragte sie. Auch Anlieger Bruno Köck, gelernter Bauingenieur, versuchte der Politik ins Gewissen zu reden: „Das Bachbett der Hönne an dieser Stelle ist viel zu klein. Es muss ein sehr großes Retentionsgebiet geschaffen werden, um dem Fluss bei weiteren Überschwemmungen mehr Raum zu geben.“ Köck rechnet bei weiteren Unwetterereignissen mit einer Überflutung der Hönnewiesen zu zwei Dritteln. Elisabeth von Croy sieht die Politik in der Verantwortung. „Wenn gebaut wird, stehen Sie als Politiker dafür mit ihren Namen in der Pflicht“, wandte sie sich direkt an den Ausschuss.

Stadt hat Stellungnahmen geprüft

Das Baugebiet stand am Dienstag erneut auf der Ausschuss-Tagesordnung, weil nach der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit 29 Stellungnahmen bei der Stadt eingegangen waren. Diese hatte laut Beschlussvorlage alle 29 geprüft und dabei sämtliche Hochwasserbedenken entkräftet.

„Wir verlassen uns auf diese Sachdarstellung der Verwaltung“, sagte Thomas Vogtmann von der SPD. Mathias Jedowski, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte: „Es ist ein emotionales Thema, bei dem es gilt, die Interessen abzuwägen. Für uns bedeutet dies, dem Wunsch nach Bauland nachzukommen, bezahlbares Wohnen zu ermöglichen und den Weg für ein Investorenmodell an dieser Stelle freizumachen.“ Solch ein Unwetter wie im Juli komme nur alle 100 Jahre vor. Immerhin hätten Ruhrverband und Untere Wasserbehörde in ihren Stellungnahmen keine Einwände erhoben. Die Bebauung sei weit genug von der Hönne entfernt.

Ein Teil der Fläche ist Überschwemmungsgebiet

Vor drei Jahren hatte Investor Thomas Budde das etwa 2,1 Hektar große Hönnewiesen-Gelände gekauft. Ein Teil darf als ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet nicht bebaut werden. Allerdings ist die verbleibende Fläche noch groß genug, um 36 Wohneinheiten, darunter 18 Wohneinheiten in Einfamilien- und Doppelhäusern und 18 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern, entstehen zu lassen.

Cäcilia Siedhoff schimpfte nach der Abstimmung im Gespräch mit der Redaktion: „Meiner Meinung nach ist das unverantwortlich! Ob die Ausschussmitglieder, die für das Baugebiet gestimmt haben, ihren Kindern mit gutem Gewissen den Kauf eines Grundstücks dort raten würden, wage ich zu bezweifeln. Zudem weiß man nicht, wie das mit der Gebäudeversicherung sein wird.“ Dieses Risiko sei unbezahlbar.

Bebauungsplan wird ausgelegt

Natürlich sei niemand verpflichtet, eines der Hönnewiesen-Grundstücke zu kaufen, aber: „Wir werden sehen, wie es weitergeht.“

Der Bebauungsplan für die Hönnewiesen wird nach der frühzeitigen Beteiligung jetzt öffentlich für einen Monat ausgelegt. Danach werden die Anregungen gesammelt und dem Ausschuss vorgelegt. Nimmt der Rat diese Entwurfsplanung an, wird der Plan durch die Veröffentlichung rechtskräftig. Anschließend folgt der Erschließungsvertrag mit dem Investor, der dann tätig werden kann.

Auch interessant

Kommentare