Kahlschlag wegen des Borkenkäfers

Darum ist die Wiederaufforstung des Waldes eine große Kunst

Zwei Forstunternehmen arbeiten derzeit im Balver Revier – hier in der Nähe von Volkringhausen – und wollen insgesamt 20 000 Festmeter Fichtenholz einschlagen. Das vom Borkenkäfer befallene Holz wird nach China verschifft.
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Zwei Forstunternehmen arbeiten derzeit im Balver Revier – hier in der Nähe von Volkringhausen – und wollen insgesamt 20 000 Festmeter Fichtenholz einschlagen. Das vom Borkenkäfer befallene Holz wird nach China verschifft.

„Alles, was Fichte ist, muss weg“, fasst Revierförster Richard Nikodem in wenigen Worten das ganze Drama zusammen, das sich in den Wäldern abspielt. Zehntausende Festmeter Nadelholz schlagen die Forstunternehmer, um es unter anderem nach Asien zu verschiffen. Die große Kunst bestehe anschließend darin, die Wälder klimafest wieder aufzuforsten, sagt Nikodem.

Balve - Der Blick von der Bundesstraße 515 in den Wald oberhalb von Volkringhausen ist erschreckend: große kahle Flächen sind dort, wo noch vor etwa sechs Wochen dicht an dicht die Fichten standen. Die Fahrt in diesen Wald mit Revierförster Richard Nikodem ist noch erschreckender: Die gefällten Bäume liegen gestapelt in langen Reihen. „Man wird einsilbig“, sagt dazu der Förster.

Nikodem kennt seinen Wald und weiß, dass die weiteren Arbeiten mit dem Harvester und der Holzrückmaschine noch mehr Spuren hinterlassen werden. „Diese Fichten waren bis vor vier Wochen noch grün“, erklärt er bei einem Stopp. „Jetzt hat der Borkenkäfer bereits für das Absterben gesorgt.“

Hinter der Rinde einer Fichte pulsiert das Leben, wie sich zeigt. Käfer in verschiedenen Lebensstadien ab der Eiablage erobern sich ihren Lebensraum. Und das bedeutet, dass dem Baum seine Lebensenergie entzogen wird. „Der und die drumherum müssen auch noch gefällt werden“, hat Nikodem festgestellt. Und dafür sind zwei Unternehmer zuständig, die im gesamten Revier Balve von Höveringhausen bis Volkringhausen und Eisborn etwa 20 000 Festmeter an so genanntem Käferholz gekauft haben.

Holz geht nach Asien und in die Alpen

Die Stämme werden in den Steinbruch nach Beckum gefahren und dort weiter verladen zum Abtransport in Containern nach Antwerpen. „China ist das Ziel von einem Teil des hier abgefahrenen Holzes“, verrät der Förster. Der andere Teil geht an ein Sägewerk in Österreich. „Für den Transport steht uns bei L’hoist in Oberrödinghausen ein Gleis frei.“ Bereits nach Kyrill im Jahr 2007 eine Option, hat der Kalk-Produzent aus dem Hönnetal dem Revier dieses Angebot gemacht.

Revierförster Richard Nikodem.

Damals aber taten sich andere Absatzwege auf. Jetzt aber werde der Transport über die Schiene anstatt über die Straße umgesetzt. „Das ist eine deutliche Vereinfachung der Wege“, findet Richard Nikodem. Denn es ist eine Menge Holz abzufahren aus dem Wald. Alleine in Volkringhausen sind es bereits 3000 Festmeter. Insgesamt 8000 Festmeter werden hier gefällt. „Alles, was Fichte ist, muss weg“, fasst Nikodem das ganze Drama in wenigen Worten zusammen.

Und dann kommt die große Kunst, auf den brach liegenden Flächen die richtigen Baumarten miteinander zu klimastabilen Mischwäldern zu vergesellschaften. „Das können Traubeneiche, Lärche, Kiefer, Douglasie, Weißtanne, Esskastanie, lindenblättrige Birke, Roteiche und auch die Baumhasel sein.“ All diese Baumarten könnten geeignet für trockene Standorte sein, müssen aber auch zueinander passen. Fichte jedenfalls wird nicht mehr angepflanzt: „Die sät sich selber aus.“ Es gebe immer noch genügend Fichtensamen im Waldboden, so dass auf jeden Fall in den nächsten Jahren nach wie vor Fichten wachsen werden.

Markt ist zusammengebrochen

Die jetzigen Fichtenbestände aber werden bald Geschichte sein. Geld mit dem gefällten Holz macht der Waldbesitzer aber nicht. Nikodem: „Vor drei Jahren wurden noch 70 Euro am Festmeter verdient. Heute sind es noch zwei bis vier Euro“, weiß Nikodem, wie sich der Markt durch das Überangebot an Nadelholz verändert hat.

Oberhalb der Glashütte ist der Harvester wieder im Einsatz. Absägen, entasten und auf Länge schneiden – das macht die Maschine in einem Arbeitsgang. Die hiesige Fläche, die vom Förster auf 30 Hektar geschätzt wird, gehöre dem Wolfhard Freiherr von Boeselager in Herdringen. Und dieser beabsichtige, diesen Wald zu verkaufen. Auf den neuen Eigentümer kommen aber Aufgaben zu, die mit der Aufforstung viel Zeit in Anspruch nehmen werden. „Den gesamten Wald, auch im Stadtgebiet Balve, wird es so, wie wir ihn noch im vergangenen Jahr kennen gelernt haben, nicht mehr geben“, wies Revierförster Nikodem auf große Veränderungen im Landschaftsbild hin.

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