Dagmar Freitag beantwortet in Balve auch kritische Fragen

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Dagmar Freitag war auf Einladung des UWG-Chefs Lorenz Schnadt zu einem Gesprächsabend nach Balve gekommen.

Balve -  „Irgendwann komme ich hier unter Artenschutz“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag. Die 15 Anwesenden lachen.

Die Politikerin unterstreicht: „Auf meine Wahlergebnisse in Balve muss ich einfach selbstironisch blicken. Aber ich bin trotzdem ein fröhlicher Mensch.“ Sie ergänzt: „Aber ich komme auch außerhalb des Wahlkampfs. So feierte mein Bruder einen runden Geburtstag, als ich den Abend beim Jubiläum der SG-Abteilung Balve verbrachte.“

Auf Einladung der UWG war Freitag ins Haus Padberg gekommen. Einigen kritischen Fragen musste sich die Sozialdemokratin am Donnerstagabend stellen. Beispielsweise sollte sie nach einer Bitte aus dem Plenum Sigmar Gabriel und Martin Schulz miteinander vergleichen. Die Iserlohnerin lobte den Außenminister schließlich für sein ausgeprägtes, analytisches Denken. Und dem Kanzlerkandidaten bescheinigte sie eine große Persönlichkeit, die ungezwungen auf alle Menschen zugehe.

Die Teilnehmer erfuhren, dass die Abgeordnete dem Bundestags-Sportausschuss vorsitzt und stellvertretende außenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion ist. So engagiere sie sich beispielsweise für Länder im südlichen Teil Afrikas.

Die gelernte Lehrerin leitet aber auch die deutsch-amerikanische Parlamentarier-Gruppe des Bundestages. Schließlich sagte die passionierte Freizeit-Sportlerin: „Ich bin auch noch Vize-Präsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, aber das ist ein Ehrenamt und schlicht mein Hobby.“

Gefragt wurde Freitag nach ihrer Einschätzung des US-Präsidenten Trump und den Folgen seines Wahlsieges. „Wir haben auch ein knappes Jahr nach seiner Wahl keinen amerikanischen Botschafter in Berlin“, antwortete die Gefragte und schüttelte mit krauser Stirn den Kopf. „So was haben wir noch nicht erlebt“, verbalisierte sie ihre Mimik und Gestik. „Im Prinzip wissen Sie nicht, ob noch gilt, was Sie in Washington gehört haben, wenn Sie sich umdrehen. „Wir hoffen, dass uns in den nächsten drei Jahren der Weltfrieden nicht um die Ohren fliegt.“

Vom Trump wechselte das Thema zu denen, die ihn in Deutschland bewundern. „Man kann mit Recht einiges an der EU kritisieren“, bekräftigte Freitag, „zum Beispiel das Prinzip der Einstimmigkeit.“ Sie hob jedoch genauso hervor: „Aber die AfD in die Schranken zu weisen, das hat für mich schon etwas mit Selbstachtung zu tun.“

Zum Thema Jugend und Erstwähler positionierte sich die Sozialdemokratin mit den Worten: „Es gibt kaum etwas Besseres, was wir jungen Menschen anbieten können, als Bildung – und das fängt nicht erst in der Schule, sondern schon im Kindergarten an.“ Mit Nachdruck erklärte sie: „Nach Abschluss der Bildungsphase kommt jedoch auch der Punkt, an dem jeder Mensch anfängt, für sich selbst verantwortlich zu sein.“

Das gelte dann auch im Alter und beim Thema Rente. „Doch 42 Prozent aller Neueinstellungen in Deutschland sind befristete Verträge. Da können junge Menschen gar nicht für ihr Alter vorsorgen“, weiß Freitag. Und sie forderte: „Rente muss aber bedeuten, dass ein Mensch, der sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, nicht zum Sozialamt muss.“

Freitag ging bald 30 Jahre zurück: „Zudem halte ich es heute noch für absolut falsch, dass Helmut Kohl die ostdeutschen Pensionäre eins zu eins in die Rentenkasse überführt hat bei der Wiedervereinigung.“ Das hätte ebenso gesamtgesellschaftlich gelöst werden müssen, wie die Mütterrente.“

Die Abgeordnete schaltete in den Wahlkampf-Modus: „Das sieht die CDU übrigens anders. Und auch über diesen Punkt entscheiden Sie“, richtete sie sich an die Wähler, „entscheiden Sie am 24. September mit.“ Und so war die Diskussion angekommen bei möglichen Koalitionen nach der Wahl – und der Einschätzung der Möglichkeiten durch den Gast aus Iserlohn.

„Angela Merkel wird nach der Wahl alles andere ausloten, bevor sie wieder eine große Koalition in Betracht zieht,“ stellt die Abgeordnete fest. Schmunzelnd schob sie hinterher: „Aber ob die Kanzlerin Spaß haben wird an einem Regierungstisch, an welchem sie mit Horst Seehofer, Claudia Roth und Christian Lindner sitzt? Das bezweifele ich auch.“

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