Termin in Balve verschoben

Bundesverdienstkreuz: Coronavirus verhindert Übergabe

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Werner Ahrens (links) hat sich um die Heimat- und Kulturpflege in der Hönnestadt verdient gemacht. Noch 2019 überreichte er an Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, ein Balver Stadtmodell. Die für heute geplante Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz musste coronabedingt allerdings verschoben werden.

Balve – „Die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz ist eine große Ehre für mich“, sagt Werner Ahrens erfreut. Von Landrat Thomas Gemke sollte Ahrens das Verdienstkreuz am 1. April in der Sebastianklause verliehen werden – eigentlich.

Denn die Corona-Pandemie verhindert auch diesen Termin auf zunächst unbestimmte Zeit. 

Die Vorfreude beim langjährigen Vorsitzenden der Heimwacht Balve auf diesen Tag ist jedoch weiterhin ungebrochen, wie er im Gespräch mit der Redaktion erzählt. Ende Januar war Ahrens vom Landrat über die geplante Verleihung informiert worden. Thomas Gemke sagte Ahrens, dass er das Bundesverdienstkreuz für seine „uneigennützigen und ehrenamtlichen Tätigkeiten“ bekommen soll. 

Dankesrede ist bereits fertig

Weil aber coronabedingt längst alle Veranstaltungen bis auf Weiteres ausfallen, muss Ahrens sich weiter gedulden. „Dann nehme ich das Bundesverdienstkreuz eben mit 84 Jahren entgegen“, sagt der Senior schmunzelnd. Denn Geburtstag feiert Ahrens am 5. April. In den dann vollendeten 84 Lebensjahren hat er viel bewegt in der Hönnestadt – für die Zukunft hat Ahrens aber noch einen großen Wunsch: „Ich möchte gesund bleiben.“ 

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Fertig geschrieben hat er schon seine Dankesrede, die Ahrens eigentlich heute halten wollte, bereits. Darin enthalten ist ein besonderer Dank an seine verstorbene Mutter, die passenderweise am 1. April Geburtstag hatte. Ahrens erinnert daran, dass seine Mutter den Unterhalt für sich, den jungen Werner und dessen Schwester als Postbotin verdiente. Nach Dienstschluss putzte sie noch die Postgeschäftsstelle, um den Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. 

Coronavirus in Balve: Übergabe verschoben

Wer genau Ahrens für diese Auszeichnung vorgeschlagen hat, weiß der 83-Jährige übrigens nicht, denn die Initiatoren werden nicht immer bekannt. Aber auch so fühlt sich Ahrens geehrt, „denn die Balver geben mir durch diese Auszeichnung ihre Anerkennung und ihren Dank“. Grundsätzlich kann jeder die Auszeichnung eines anderen Bürgers anregen. Dies ist in Nordrhein-Westfalen über die Staatskanzlei in Düsseldorf möglich, wo der Vorschlag dann von der Protokollabteilung geprüft und im Falle einer Zustimmung – die Ablehnungsquote liegt bei mehr als 40 Prozent – an die Ordenskanzlei im Bundespräsidialamt weitergeleitet wird. In der Praxis machen vor allem Behörden, Institutionen, Wirtschafts- und Sportverbände Vorschläge. Anregungen aus der Bevölkerung sind dagegen selten. 

Für Balve hofft der Bundesverdienstkreuz-Träger in spe, dass „die Geschichte dieser Stadt nicht vergessen wird“. Über Jahrzehnte engagierte sich Ahrens vor allem in der Heimatarbeit – und würde dies rückblickend auch immer wieder tun. „Heimatarbeit war und ist eine interessante und wichtige Aufgabe“, fühlt sich Ahrens auch dadurch bestätigt, dass in Nordrhein-Westfalen mittlerweile ein Ministerium für Heimat geschaffen wurde. Dies sei auch eine Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit aller Heimatvereine.

Werner Ahrens war 25 Jahre Vorsitzender der Heimwacht Balve. 2019 gab er diesen Posten an Peter Glasmacher ab und wurde sogleich zum Ehrenvorsitzenden dieses Vereins ernannt. Die Heimwacht wurde 1921 gegründet und hat sich seitdem zur Aufgabe gemacht, Heimat- und Kulturpflege in der Hönestadt zu betreiben. Neben dieser Tätigkeit engagierte sich Ahrens auch politisch. Von 1975 bis 1982 war er Mitglied des Stadtrates, zudem Vorsitzender des Kulturausschusses. Er schuf das über Balve hinaus bekannte Höhlensymbol und das Mammut als Balver Werbemarke. Seit 1964 engagierte sich der Balver im erweiterten Vorstand des „Sauerländer Heimatbundes“ und war ab 1975 auch im „Heimatbund Märkischer Kreis“ und im „Förderverein Luisenhütte“ aktiv. Außerdem schrieb Werner Ahrens Bücher über Balve und die Pfarrkirche, verfasste Schriften, Broschüren, Illustrationen und Plakate über Kunst, Kultur, Geschichte und Geschichten in seiner Heimatstadt. Maßgeblich auf seine Initiative zurück, geht die geschichtliche Aufarbeitung eines dunklen Kapitels Balver Geschichte. Im 16. Jahrhundert fielen in Balve etwa 300 Menschen der Hexenverbrennung zum Opfer. Werner Ahrens hat diese Ereignisse ins öffentliche Bewusstsein gerückt und neben einer Reihe von Vorträgen und Veranstaltungen vor allem durch die Installation einer Gedenkstele am Ort der Verbrennungen Erinnerung geschaffen.

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