Zeit für neue Projekte

Keine Proben und Auftritte: Musiker Daniel Pütz hat dennoch viel Arbeit

Daniel Pütz (vorne) ist in gleich neun Chören als Dirigent aktiv.

Balve – Keine Proben, keine Auftritte – für Musiker ist seit Beginn der Corona-Pandemie eine schwierige Zeit angebrochen. Julius Kolossa fragte nach bei Daniel Pütz, der seit 28 Jahren als Musiker tätig ist.

Als solcher steht er als Sänger oder am Keyboard auf der Bühne, oder aber ist als Dirigent tätig – eigentlich. 

Wann haben Sie sich auf diese neue Entwicklung durch Corona einstellen können? 

Diese Pandemie warf in Chorkreisen schon früh ihre Schatten voraus. Die Städte haben unterschiedlich früh auf die Problematik reagiert. Dadurch, dass ich in neun Chören in verschiedenen Kreisen als Dirigent aktiv bin, hatte ich durch den Austausch mit den jeweiligen Vorständen oft einen Informationsvorsprung und konnte dazu beitragen, die Informationen schnell auch dorthin weiterzugeben, wo man sich mit dem Thema noch nicht so früh auseinandergesetzt hat. So war es gemeinsam mit den Vorsitzenden der Chöre möglich, angesetzte Konzerte schon frühzeitig umzuplanen und so finanziellen Problemen aus dem Weg zu gehen. Chorproben finden seit zwei Wochen nicht mehr statt. 

Welche Herausforderungen kommen dabei auf Sie als Chorleiter zu? 

Als Chorleiter hat man mit vielen Menschen zu tun und ist somit einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Außerdem ist man leider prädestiniert als Virus-Überträger. Ich arbeite in der Woche mit mehr als 300 Sängern. In den Proben, speziell bei den Einsingübungen geht es auch schon mal feucht zu und es sitzen meist alle sehr gedrängt. Man fährt von Stadt zu Stadt in verschiedenen Landkreisen zu den Proben und häufig sind in den Chören viele Angehörige der sogenannten Risikogruppe vertreten. Bei Sängerfesten und Konzerten kommen weitere etliche Kontakte hinzu. 

Coronavirus in Balve: Vorstände entscheiden beherzt

Zunächst wurde in den Chören noch dazu aufgerufen, bei Krankheit zuhause zu bleiben und in Bezug auf das Ansteckungsrisiko besonders gefährliche Übungen zu unterlassen. Irgendwann reichte das nicht mehr, oder? 

Genau. Die Vorstände der Chöre haben dann sehr beherzt entschieden und den Probenbetrieb proaktiv eingestellt, lange bevor sie es mussten. 

Dann müssen sich die Chöre und Sie das Singen derzeit also verbieten lassen? 

Natürlich lassen wir uns das Singen nicht verbieten. Ich biete meinen Chormitgliedern Videoübungen an. Dabei stelle ich neue Stücke vor, die zu Hause einstudiert werden können. 

Wie nutzen Sie sonst diese viele freie Zeit? 

Persönlich nutze ich die Zeit zur Vorbereitung neuer Stücke, aber auch um neue Projekte zu planen und auszuarbeiten, wozu ansonsten keine Zeit ist. Außerdem kann ich so meine drei Kinder betreuen, die durch die Schließung der Schulen zuhause sind. 

Welche neuen Projekte entstehen gerade an Ihrem Schreibtisch? 

Aktuell arbeite ich an einem Soundtrack für einen Kurzfilm, finalisiere eine CD-Produktion und arbeite an einer Fortsetzung des Balve-Comics „Abenteuer in Ballova“. 

"Entspannungsminister" mit leerem Terminkalender

Sie sind auch einer der „Entspannungsminister“, also Mitglied einer Band, die seit 20 Jahren besteht und mit der Sie auch regelmäßig beim May-Perlorama-Festival auf dem Kulturhof Schulte in Küntrop und beim Gertrüdchen in Neuenrade auftraten. Wie halten Sie den Kontakt mit Ihren Musikerkollegen aufrecht? 

Das Gertrüdchen war die erste Veranstaltung in der Gegend, die abgesagt wurde. Wir wollten dort unser 20-Jähriges feiern. Neuenrades Bürgermeister Antonius Wiesemann hat sehr verantwortungsvoll reagiert – und das zu einem Zeitpunkt, als die Entscheidung noch auf sehr viel Unverständnis stieß. Am Tag des Gertrüdchens haben wir Entspannungsminister auf Facebook eine Liveschalte für unsere Fans organisiert. Die konnten zuschauen, wie wir daheim auf dem Sofa liegen und dummes Zeug reden (lacht). Auch das May-Perlorama findet in diesem Jahr wegen Corona nicht statt. Der ministrale Kalender ist 2020 sehr wenig gefüllt. 

Halbzwillingsbruder Danny d’Amour

Auch sonst sind Sie sehr kreativ – immerhin haben Sie Ihren Halbzwillingsbruder Danny d’Amour erfunden… 

Lustig, dass immer alle denken, ich hätte den „erfunden“. Eigentlich war das ja nur eine Schnapsidee. Ich saß mit meinem Bruder zusammen und wir haben mit der Gitarre Schlager improvisiert. So kam der erste „Danny-Song“ zustande. Da ich als Chorleiter mit Schlagern eher weniger zu schaffen habe, der Song aber lustig war, hat er ihn performt. Jetzt denken immer alle, ich wäre das selbst. Dabei sieht er ganz anders aus. Selber merkt man das aber vielleicht auch nicht so. Und er trägt ja immer eine Sonnenbrille. Es bot sich jedenfalls an, ihn dann den „Mammut-Love-Dance“ singen zu lassen. Er ist für das Video extra nach Balve gekommen. Mein Bruder hat so eine lockere Art – und was ihm an Gesangstalent fehlt, macht er durch seinen Tanzstil wieder wett. Perfekt für ein Musikvideo. 

Herr Pütz, zum Abschluss: welches Lied können Sie unseren Lesern als Aufmunterung in dieser Zeit empfehlen? 

Ganz klar: „Singin’ in the Rain“.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im Ticker für den Märkischen Kreis.

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