Züchter befürchtet Probleme

Corona-Tests in Fleischbranche: Ergebnisse für Betrieb aus MK liegen vor

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Balve – „Alle 40 Mitarbeiter sind gesund“, sagt Mathias Jedowski erleichtert. Nach dem Corona-Ausbruch in der Firma Westfleisch in Coesfeld mit mehr als 250 Infizierten, laufen in der Fleischbranche landesweit Virus-Tests.

Deshalb wurden am Freitag und Montag auch die im Schlachtbetrieb der Landmetzgerei Jedowski in Unna beschäftigten Mitarbeiter auf Covid-19 getestet. 

Das für seinen Betrieb beruhigende Ergebnis bestätigte Mathias Jedowski, Assistent der Geschäftsführung, am Dienstag im Gespräch mit der Redaktion. Der Familienbetrieb besteht seit 1852, mittlerweile in der vierten Generation. „Wir sehen uns bestätigt, dass wir nach wie vor nur eigene Mitarbeiter beschäftigen, und keine Subunternehmer oder Leiharbeiter einsetzen“, sagte Jedowski. Bei Westfleisch gehörten viele Gastarbeiter, die auf engem Raum in Sammelunterkünften leben, zu den Infizierten. 

Bei Westfleisch - und auch beim Branchenführer Tönnies - werden die Beschäftigten auf Corona getestet. Am Mittwoch lagen erste Ergebnisse vor

Coronavirus in Balve: Auch Hygienevorschriften begutachtet

Neben den Tests auf Corona wurden in dem Betrieb von Jedowski auch die Hygienevorschriften begutachtet und als positiv bewertet. „Unsere Pausenräume sind wegen der Einhaltung des Mindestabstands aufgeteilt worden“, teilte Mathias Jedowski mit. „Außerdem haben wir jetzt Schichtarbeit eingeführt, damit bei eventuellen Ansteckungen im privaten Bereich nicht der ganze Betrieb stillgelegt werden muss.“ Hierbei setzt Mathias Jedowski auf das „Fingerspitzengefühl der Gesundheitsämter.“ 

Die Landmetzgerei Jedowski in vierter Generation: (von links) Mathias Jedowski mit seinen Cousins Franz, Tobias und Stephan.

Er sieht die Landmetzgerei mit den bisher eingeführten und bereits greifenden strengen Hygienevorschriften gut aufgestellt für die Zukunft: „An diese Maßnahmen werden wir uns auch weiterhin halten.“ Es ist sehr viel zu tun im Schlachthof, denn der Verbraucher kaufe beim regionalen Versorger. Das hat das Familienunternehmen bereits festgestellt. Und das sorge bisher für Umsatzplus. 

Bis zu 2000 Schweine pro Woche

In Unna wird an drei Tagen in der Woche für andere Metzgereien, für den eigenen Betrieb und verschiedene Qualitätsfleischprogramme geschlachtet. Die Wochenmenge schwankt im Jahresverlauf; so sind es etwa 1500 bis 2000 Schweine und 100 bis 140 Rinder in einer Woche. 

Die Probleme in den Westfleisch-Schlachtbetrieben haben für Alfred Reinken bislang noch keine Konsequenzen. Reinken hatte bereits 1990 den familieneigenen Bauernhof in Volkringhausen auf Ferkelzucht umgestellt – seitdem liefert er die Jungtiere nach jeweils 120 Tagen an Schweinemäster weiter.

Züchter will in jedem Fall weitermachen

Ob und wie die Schließung des Betriebs in Coesfeld noch Kreise bis in die heimische Region ziehen könnte, dazu wollte der Ferkelzüchter am Dienstag im Gespräch mit der Redaktion keine Prognose abgeben. „Ich mache aber in jedem Fall weiter“, verspricht er. Sein Hof sei nicht betroffen von Ansteckungen: „Unsere Hygienestandards für die Mitarbeiter und auch unsere Familien sind sehr streng.“ 

Regelmäßige Desinfektion der Hände gehöre dazu, außerdem Mund-Nase-Schutz und eigene Duschen vor dem Betreten der Ställe. Das, was sich in Coesfeld zugetragen hat, bereitet Alfred Reinken allerdings durchaus Sorgen: „Erst in dieser Woche wird sich herausstellen, ob noch weitere Schlachthöfe geschlossen werden müssen. Sollte es so kommen, werden wir für die Überbrückung der Quarantänezeit der erkrankten Mitarbeiter eine Maschinenhalle leerräumen und Schweine dort unterbringen.“ 

Steigen die Preise an der Fleischtheke?

Bis dahin würde Fleisch und Wurst aus den Kühllagern der Hersteller verkauft, was sich in der Menge und dann auch beim Preis an der Fleischtheke bemerkbar machen werde: „Diese Infektion betrifft alle – vom Züchter bis zum Verbraucher.“ 

Reinken setzt darauf, dass nach Ablauf der verhängten Quarantäne für den bisher betroffenen Schlachtbetrieb und eventuell weitere folgende Betriebe die Lieferkette wieder anlaufen werde. „Wir versuchen, unsere Schweine zu verkaufen. Wenn dieses vorerst nicht möglich sein wird, bereiten wir uns darauf vor, Schweine auszulagern.“

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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