Bislang kaum Buchungen

Touristische Übernachtungen wieder möglich: Hoteliers dennoch skeptisch

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Im Hotel Zur Post in Eisborn hat der Biergarten wieder geöffnet. Touristische Übernachtungsgäste haben bislang aber nur sehr wenige gebucht. Inhaber Klaus Dornsiepen sagt deshalb bereits: „Wir brauchen Geduld.“

Balve/Neuenrade – „Wenn in diesen Zeiten jeden Tag nach Zahlenlage neu entschieden wird, ist es schwierig, wirtschaftlich zu planen“, sagt Kai Friedriszik.

Friedriszik betreibt das Hotel Wilhelmshöhe in Neuenrade. Seit Montag sind nach dem Corona-Lockdown auch in seinem Haus touristische Übernachtungen wieder möglich. Auch wenn es für verlässliche Zahlen in diesen und den nächsten Wochen noch zu früh ist, rechnet er mit weiteren Einbußen. Diese Befürchtung teilen weitere Hoteliers in Balve und Neuenrade. 

Die im April wegen der bundesweiten Schließungen erzwungene Nullrunde mit großen Umsatzeinbußen sei nicht mehr aufzuholen, sagen die erfahrenen Gastronomen, die seit vielen Jahren in diesem Metier tätig sind. „Wir brauchen Geduld“, stellte Klaus Dornsiepen, Hotel Zur Post in Eisborn, die wichtigste Tugend vor, die jetzt gefragt sei. „Ganz viel Geduld.“ 

Gäste aus dem Ruhrgebiet

Immerhin laufen bei ihm die Übernachtungen wieder langsam an für die nächsten Wochen; die meisten Gäste kommen aus dem Ruhrgebiet. Touristen sind sie nicht, sondern Gewerbetreibende, die eine Unterkunft während ihrer Arbeitseinsätze in Balve und Umgebung suchen. „Von privater Seite wird noch abgewartet“, sagt Dornsiepen. 

Im Haus Recke in Binolen sieht es ähnlich aus. „Sehr verhalten“, beschreibt Inhaber Ulrich Vanselow die Buchungseingänge. Hubertus Schulte vom Schultenhof in Leveringhausen sagt dazu: „Die Leute sind vorsichtig geworden und vor allem ängstlicher.“ Storniert wurden zu Beginn der Corona-Krise alle Urlaube von Familien, aber auch von Großeltern mit ihren Enkeln. „Die Angst vor einer Ansteckung ist groß“, berichtet er. Und: „Viele Schulklassen haben bereits ihre Klassenfahrten zu uns abgesagt.“ Er hofft, wie seine Kollegen, auf das Beste für diese Saison. 

Coronavirus in Neuenrade: Betrieb wieder aufgenommen

Aus dem Hotel Kaisergarten in Neuenrade teilen die Verantwortlichen auf Anfrage mit: „So langsam wird es wieder.“ Nachdem der Restaurantbetrieb wieder aufgenommen wird, kommen jetzt auch die Übernachtungen hinzu. Firmen und Geschäftsleute buchten wieder, sogar einige Privatleute. 

Ob sich das aber am Ende für die Branche rechnet – Kai Friedriszik ist skeptisch: „Das wird eine ganz schwierige Saison.“ Schließlich sei von Unternehmen deutschland- und auch weltweit mit Beginn der Corona-Pandemie viel in Technik für das Homeoffice investiert. „Manche Tagung könnte deshalb bald überflüssig sein“, befürchtet Friedriszik. 

Die Geselligkeit fehlt

Hinzu komme, dass einige Firmen bereits schließen mussten und der Reiseverkehr nach wie vor weitgehend eingestellt sei. „Ich rechne mit schlechten Umsätzen“, blickt er in eine düstere Zukunft für seine Wilhelmshöhe. Eventuell würden 30 Prozent der Buchungen von Geschäftskunden im Vergleich zum vergangenen Jahr erreicht. Bei den Buchungen von Familien und Freundeskreisen könnten es sogar nur zehn Prozent werden. „Denn die Leute wollen hier nicht nur übernachten, sie wollen auch einen schönen Abend mit Geselligkeit verbringen“, schildert er, dass gesellige Atmosphäre bei der derzeitigen Regelung mit Mindesttischabstand und strengen Hygienevorschriften nur schwer aufkommen könne. 

Kai Friedriszik sucht in diesen Zeiten deshalb nach Wegen, sein Haus durch diese Krise zu steuern, denn: „Ich möchte auch zukünftig für meine Gäste da sein.“

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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