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Corona-Partys auf Schulhof im MK

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Von: Julius Kolossa

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Auch Bezirksbeamter Thomas Wietbüscher (rechts) und Friedhelm Reinwald, Leiter der Polizeiwache Menden, hörten den Ausführungen von Realschulrektorin Nina Fröhling zu und gaben ihre Einschätzung ab.
Auch Bezirksbeamter Thomas Wietbüscher (rechts) und Friedhelm Reinwald, Leiter der Polizeiwache Menden, hörten den Ausführungen von Realschulrektorin Nina Fröhling zu und gaben ihre Einschätzung ab. © Kolossa, Julius

Wenn mit Messern an den Holztischen auf dem Schulhof der Realschule gekratzt wird, Zigarettenkippen in die dortigen Beete geschnippt und Bewegungsmelder zerstört werden, wenn die Jugendlichen dann auch noch hoch aggressiv reagieren, wenn sie auf ihr Verhalten angesprochen werden, ist die Geduld der Verantwortlichen irgendwann erschöpft.

So wie bei Nina Fröhling, Leiterin der Realschule Balve. Denn seit Beginn der Pandemie spielt sich dieses Szenario immer wieder und verstärkt an Wochenenden auf ihrem Schulhof ab.

„All das ist nicht mehr zu tolerieren – an einem Sonntag habe ich zwei Stunden gebraucht, um selbst den Müll wegzuräumen. Da waren Tampons dabei, aber auch Kronkorken, Papier und Glasscherben“, berichtete Fröhling am Mittwochabend den Mitgliedern des Ausschusses Ehrenamt, Schule, Digitalisierung, Sport. Zu den Zuhörern gehörte neben den Politikern und der Verwaltungsspitze auch Polizei-Bezirksbeamter Thomas Wietbüscher und Friedhelm Reinwald, Leiter der Polizeiwache Menden.

Schulhof für 200.000 Euro aufgehübscht

„Die Stadt als Schulträger steckt viel Geld ins Schulgebäude“, sagte Fröhling. Vor etwa einem Jahr wurde der neu gestaltete Schulhof seiner Bestimmung übergeben. 200 000 Euro kosteten die Arbeiten; der Bereich nahe der Verwaltung wurde nach den Vorstellungen der Schüler gestaltet, die sich an dem Projekt unter anderem mit Einnahmen aus dem Schulkiosk beteiligten. „Was auf unserem Schulhof stattfindet, ist nicht in Ordnung“, so die Schulleiterin. „Corona-Partys fanden hier statt.“

Besser sei es geworden, seitdem seit einigen Wochen der Schulhof mit Kameras überwacht wird und eine Schranke die Zufahrt versperrt. Das aber reiche auf Dauer nicht aus. Fröhling plädierte deshalb dafür, einen hohen Zaun rund um den Schulhof ziehen zu lassen. „Ja, es entsteht Gefängnisatmosphäre – aber wenn damit Zerstörungen verhindert werden, soll dies so sein.“

Es gibt nicht nur Zuspruch

Für ihre Forderung bekam die Schulleiterin nicht nur Zuspruch. Ein Zaun als Schutz sei der allerletzte Schritt, meinte Lorenz Schnadt, Fraktionsvorsitzender der UWG und pensionierter Polizist: „Der Preis der Freiheit unserer Gesellschaft ist es, die Freiheit zu ertragen.“ Für ihn gehörte das Geschilderte in den Bereich der „sozialen Ungehörigkeiten“. Schwere Straftaten seien bisher noch nicht aufgetreten. „Eine Bestandsaufnahme ist der erste Schritt.“

Inhaltlich lag Schnadt damit auf einer Linie mit seinen noch aktiven Kollegen Reinwald und Wietbüscher. Auch diese berichteten von Erfahrungen mit kiffenden Jugendlichen an der Realschule, Autorasern am Krumpaul-Sportplatz und ganz viel Übermut an anderen Hotspots, wie dem Schulhof der Balver Grundschule. Hier hatten Jugendliche im Februar und März mit Büchern aus dem Bücherschrank im Stadtpark ein Feuer gemacht. Die Täter wurden ermittelt, Anzeigen geschrieben. Thomas Wietbüscher: „Seitdem wir als Polizei erhöhte Präsenz zeigen, verlagert sich das Problem.“

Jugendliche suchen sich andere Treffpunkte

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen wichen nun an die Balver Höhle, den Netto-Markt und den Balver Bahnhof aus – auch, weil diese Bereiche schlecht zu überwachen sein. „Inzwischen werden die Windräder in Langenholthausen und auch der Wachtloh Treffpunkte. Die Jugendlichen sind sofort weg, wenn wir kommen“, sagte Wietbüscher. Sein Vorschlag: Alternativen für die Freizeitgestaltung anbieten. Wenn dann noch im Zuge der sinkenden Corona-Zahlen weitere Lockerungen eintreten, würden auch wieder mehr Angebote möglich.

Friedhelm Reinwald wies noch darauf hin: „Nach wie vor gilt: Nur Rumsitzen ist nicht verboten. Solange keine Straftaten ausgeführt werden, gibt es für uns keinen Anlass, einzuschreiten.“ Es solle sich jedoch kein Außenstehender eine blutige Nase holen, sondern die Polizei rufen, wenn Verdächtiges zu beobachten ist.

Stadt hat Wachdienst beauftragt

Die Situation ist für alle unbefriedigend, das war herauszuhören. Die Stadt hat, wie der Allgemeine Bürgermeistervertreter Michael Bathe mitteilte, einen Wachdienst mit Kontrollfahrten an städtischen Gebäuden beauftragt und setzt darüber hinaus auf Videoüberwachung. Auch die Zusammenarbeit von Ordnungsamt und Polizei sei intensiviert worden. Viel verspricht sich Bathe von Nils Haarmann, einem Balver, der im September als Sozialarbeiter die aufsuchende Jugendarbeit als Streetworker übernehmen wird. Hotspots seien in der Stadt Balve zu finden. Die anderen Ortsteile, berichtete Thomas Wietbüscher auf Nachfrage von Alexander Schulte (CDU), seien nicht betroffen.

Reagiert werden soll jetzt mit einem Runden Tisch, an dem Jugendliche zusammen mit Vertretern der Politik, vom Ordnungsamt und der Polizei sitzen sollen, um auch die Probleme des Nachwuchses zu hören. Danach sollen mögliche Lösungen angegangen werden.

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