Verunsicherung vor Wiederöffnung

Corona-Lockerungen: Sonderrechte für Geschäftsreisende

Ab Sonntag öffnen sich die Hotelzimmer in Balve auch wieder für Privatreisende. Allerdings unter anderen Voraussetzungen als für Geschäftsreisende.
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Ab Sonntag öffnen sich die Hotelzimmer in Balve auch wieder für Privatreisende. Allerdings unter anderen Voraussetzungen als für Geschäftsreisende.

Getestete, Genesene, Geimpfte und ungetestete Hotelgäste könnten ab Sonntag beim Frühstück in einem Raum sitzen. Diese absurde Situation wird durch die Lockerungen der Corona-Beschränkungen ab 23. Mai auch in Balve möglich.

Hoteliers und Gastronomen, die ab Sonntag wieder ihre Außenbereiche öffnen und Touristen beherbergen dürfen, sind entsprechend verunsichert, wie sie die aktuelle Corona-Schutzverordnung des Landes auszulegen haben.

Denn Geschäftsreisende, die schon einige Wochen wieder beherbergt und verpflegt werden dürfen, mussten und müssen auch weiterhin kein negatives Testergebnis oder einen Impfnachweis vorlegen, Privatreisende dagegen erhalten ohne negativen Coronatest oder Impfbescheinigung keinen Zutritt zu den Beherbergungsbetrieben.

Testerfordernis besteht nicht

„Es ist richtig, dass die Coronaschutzverordnung Ausnahmen für die Beherbergung von Berufstätigen vorsieht“, sagt auf Anfrage der Redaktion Achim Hermes, Pressesprecher im Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS). „Eine Testerfordernis bestand und besteht insoweit nicht.“

Noch kurioser wird es bei den anderen Mahlzeiten. Diese dürfen bei einer stabilen Inzidenz zwischen 50 und 100 von den getesteten Privatreisenden nämlich nur im Außenbereich oder dem Hotelzimmer eingenommen werden, während die ungetesteten Geschäftsreisenden alle Mahlzeiten im Hotel-Restaurant einnehmen dürfen.

„Ja, diese Regeln sind kaum nachvollziehbar und eigentlich auch nicht zu verstehen“, sagt Heinz Friedriszik, erfahrener Gastronom aus Balve und stellvertretender Kreisvorsitzender des Deutschen Hotels- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Ab Pfingstsonntag darf geöffnet werden

Weil die Sieben-Tage-Inzidenz im Märkischen Kreis am Freitag den fünften Werktag in Folge unter der 100er-Grenze lag, dürfen am übernächsten Tag, also am Pfingstsonntag, Gaststätten zumindest ihren Außenbereich wieder öffnen und Hotels Privatreisende beherbergen. Erlaubt ist all dies allerdings nur unter Einhaltung der „Drei-G-Regel“, denn Zutritt haben nur Personen die geimpft, genesen oder vollständig geimpft sind. Auf Unverständnis stößt bei Heinz Friedriszik, dass all dies für Geschäftsreisende nicht gilt.

Coronatests

Mitarbeiter, die Gäste bedienen, müssen einen negativen Coronatest vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Dies kann ein Bürgertest, aber auch ein zertifizierter Arbeitgebertest sein. Heinz Friedriszik bietet diese in seinen Betrieben für seine Mitarbeiter allerdings nicht an. Denn diese darf der Arbeitgeber nur vornehmen, wenn er oder ein Mitarbeiter die dafür erforderliche Schulung absolviert hat. Dann wäre der Betrieb ein „Arbeitgeber-Testzentrum“, darf die Mitarbeiter testen. Für Friedriszik ist das keine Option. „Aber wer hat denn die Zeit dazu?“, fragt er nur.

Der Ministeriumssprecher versucht die Ungleichbehandlung zu erklären: „Mit der letzten Änderung der Coronaschutzverordnung wurden jetzt auch wieder private Übernachtungen gestattet. Diese dürften bei den derzeit anstehenden Feiertagen dann einen Großteil der Übernachtungen ausmachen und sind anders gestaltet als reine geschäftliche Übernachtungen. Richtig ist auch, dass eine Beherbergung zu privaten Zwecken mit einem bestätigten negativen Schnell- oder Selbsttest einhergeht. Beim Frühstück sind die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, d. Red.) zu beachten.“

Digitale Datenerfassung reicht nicht aus

Erfasst werden können die Daten der Gäste in Beherbergungs- und Gastronomiebetrieben über die App Luca – und dem Kreisgesundheitsamt im Fall einer Coronainfektion digital zur Verfügung gestellt werden. Mathis Schneider, Pressesprecher, des Märkischen Kreises, sagte auf Anfrage der Redaktion allerdings: „Die Nutzung der Luca-App ist sowohl für Gastronomen als auch Besucher freiwillig. Personen, die in die digitale Datenerfassung nicht einwilligen, ist in jedem Fall eine nur papiergebundene Datenerfassung anzubieten.“ Gastronomen und Hoteliers müssen mit großer Wahrscheinlichkeit also weiterhin handschriftliche Kontaktlisten führen.

„Es müssen personenbezogene Daten erfasst werden. Wenn die App das leistet und die Daten dem Gesundheitsamt zur Verfügung stellen kann, ist es gut“, sagte Ministeriumssprecher Hermes. Wenn diese Daten aber nicht über die App digital an die Kommunen gehen könnten, müssten die Listen weiterhin händisch geführt werden. „Ob eine Änderung der Coronaschutzverordnung notwendig ist und ob eine entsprechende Änderung erfolgen wird, wird derzeit geprüft“, so Hermes.

Friedriszik sieht Handlungsbedarf

Heinz Friedriszik sieht in jedem Fall noch Handlungsbedarf: „Ich hoffe dringend, dass nachgebessert wird. Auch Getestete, Geimpfte und Genesene sollen wieder im Restaurant essen dürfen.“ Auch werde es Zeit für normalen Regelbetrieb mit diesen Gästen, die keiner Risikogruppe mehr angehörten. Dies plant das Land bisher erst bei einem stabilen Inzidenzwert von unter 50.

Friedriszik sieht der weiteren Entwicklung der Corona-Zahlen und deren Auswirkungen auf die Gastronomie gespannt entgegen. So ist es im Außenbereich ab Sonntag zunächst auch nur erlaubt, dass maximal fünf Personen aus zwei Haushalte an einem Tisch sitzen dürfen. Kinder unter 14 Jahren, Geimpfte und Genesene werden allerdings nicht mitgezählt.

Vorfreude trotz aller Einschränkungen

Die Tische müssen in einem Mindestabstand von zwei Metern gestellt werden und auch die weiteren Hygienevorschriften wie Handdesinfektion und Maskenpflicht auf dem Weg hin und weg vom Tisch sind ebenfalls einzuhalten.

Trotz all der Einschränkungen und Vorschriften sagt Heinz Friedriszik nach Monaten des kompletten Lockdowns aber: „Ich bin froh, dass ich im Haus Syré in Garbeck den Biergarten ab Sonntag wieder öffnen.“

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