Anfragen ändern sich

Corona ist auch im Pfarrarchiv in Balve Thema

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Pfarrarchivpfleger Rudolf Rath präsentiert seinen aktuellsten „Neuzugang“: Die Figur des heiligen Jakobus aus dem 17. Jahrhundert. Das Kunstwerk aus Holz soll restauriert werden.

Balve – „Die Leute kommen ins Grübeln“, sagt Rudolf Rath. Der langjährige Pfarrarchivpfleger von St. Blasius hat ein Umdenken seit Beginn des Corona-Zeitalters festgestellt.

Das Archiv ist für Besucher verschlossen, doch der Kontakt bleibt mit E-Mails und Anrufen aufrechterhalten. 

Kamen an normalen Öffnungstagen im Schnitt fünf Besucher mit Anfragen, erreichen den Pfarrarchivar nun per Telefon und digitaler Post durchschnittlich acht Rechercheaufträge. Vor Corona wurde laut Rath verstärkt nach Informationen zur eigenen Familiengeschichte angefragt, nun ginge es um die Reaktion der Kirche auf Epidemien. 

Kartonweise Material

„Hier muss ich allerdings leider passen, denn diese Fragen gehen über das historische Wissen hinaus, das in Balve festgehalten wurde“, sagt der Pfarrarchivar. Rudolf Rath will aber dennoch niemanden ratlos zurücklassen, sondern gibt Tipps für andere Recherchewege. „Es zeichnet sich ab, dass den Menschen in schwierigen Zeiten die Suche nach Beruhigung wichtig ist“, sagt er. 

Rath ist jetzt viel allein inmitten alter Urkunden, Schriftwechsel, Literatur aus der Region und Mess- und Kirchbüchern. Kartonweise wurden erst am Samstag die Exponate der St.-Antonius-Gemeinde aus Eisborn angeliefert, die noch in drei Containerschränken und einem Materialschrank einsortiert werden müssen. „Damit kommen wir dem noch unter Pfarrer Dr. Reinhard Richter vorgestellten und vom jetzigen Pfarrer Andreas Schulte festgeschriebenen Ziel näher, alle Archivgüter der Gemeinden aus unserem Pastoralverbund an einer Stelle zu haben.“ Aus Eisborn kommen Messbücher der Jahre 1929, 1862 und auch 1853 zutage. „Diese Bücher sind alt, aber auch schon damals in großer Auflage für die Kirchen hergestellt worden.“ Der materielle Wert sei deshalb überschaubar, „nicht aber der ideelle“. 

"Neuzugang" aus dem 17. Jahrhundert

Das gilt auch für den aktuellsten „Neuzugang“: Eine Statue des heiligen Jakobus, einem der zwölf Apostel von Jesus Christus. Die Figur wurde im 17. Jahrhundert aus Lindenholz hergestellt. Dass diese stark restaurierungsbedürftig ist, bedarf keiner Worte – Hände und Füße fehlen ganz oder sind stark beschädigt. Auch sonst sind viele Beschädigungen sichtbar. Lange Jahre stand sie in der St.-Blasius-Kirche, danach wurde sie auf dem Kirchenboden neben der Orgel gelagert. Nun wartet diese Statue im Pfarrarchiv auf ihre weitere Bestimmung. 

Aus Eisborn hat Rudolf Rath neue Kirchbücher bekommen. Sie müssen noch archiviert werden.

Rudolf Rath: „Der Beschluss des Kirchenvorstands zur Restaurierung liegt vor.“ Beteiligen wird sich an dieser Maßnahme, für die ein vierstelliger Eurobetrag veranschlagt ist, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. 

1120 Dateiordner

An seinem Schreibtisch hat der Pfarrarchivpfleger einen Überblick über die unzähligen Zeitzeugen, die ihn umgeben. „Diese sind in 1120 Dateiordnern abgelegt, in denen sich 25401 Dateien befinden“, es geht nicht mehr ohne Computer. Akribisch ist dort das Gemeindeleben aufgeführt, das sich mit Mausklick eröffnet. 

Und dann ist da noch ein ganz besonderer Bereich im Pfarrarchiv, in dem er einen großen Fundus an Kreuzen, Medaillen, Plaketten, Rosenkränzen und auch Ikonenbildern lagert. „Beim Ausräumen von Wohnungen oder Häusern werden diese Sachen gefunden, für die die Eltern und Großeltern einst noch Verwendung hatten. Heute sind diese Fundstücke überflüssig, aber zu schade zum Wegwerfen. Dann bin ich da, denn ich nehme diese gerne entgegen.“ 

Antiquitätensammler haben keine Chance

Rudolf Rath gibt diese aber auch ebenso gerne weiter: „Ein Junge suchte sich ein Kreuz für seine Schwester zur Kommunion aus.“ Dagegen werden Anfragen von Antiquitätensammlern sofort abgelehnt. „Diese sakralen Gegenstände sollen weiterhin ihrer Bestimmung übergeben werden.“

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