Chaos in den Schränken mit den Geheimtüren

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Vater (Christian Paul; rechts) und Sohn von Linientreu (Frank Butterweck) befürchten, dass ihre Verhältnisse auffliegen könnten. ▪

BALVE ▪ Wie verhängnisvoll zwei Schränke mit Geheimtüren für das Liebesleben der Familie von Linientreu sind, präsentiert der Festspielverein derzeit in der turbulenten Komödie „Alles verkehrt“. Am Samstag feierte das moderne Stück in der Balver Höhle seine Premiere.

Dabei ging es auf der Bühne im linken Höhlenarm alles andere als wohlgesittet zu. Gekonnt zeigte das Ensemble unter Regie von Sonja Schmidt, dass es in adeligen Kreisen kaum anders zugeht als beim „gewöhnlichen Volk“. Da betrügt Berthold von Linientreu (Frank Butterweck) seine Gattin Walburga (Jeanette Borthwick-Schwalke) mit dem verführerischen Dienstmädchen (Laura von der Heyde). Ahnungsvoll verlässt Walburga ihn und zieht in eine der Firmenwohnungen. Der dortige Nachbar Erich Richter (Stephan Haarmann) stellt der Geliebten (Chris Perschke) des von Linientreu Seniors (Christian Paul) nach. Die aber vergnügt sich eher zufällig mit Thomas, dem Schwiegerenkel in Spe (Felix Butterweck), im Schlafzimmer der Wohnung. Als dann auch noch Erichs Frau Birgit (Simone Becker) den Geheimeingang durch dem Schrank entdeckt und mit einem ausländischen Dienstmädchen verwechselt wird, ist das Chaos fast komplett. Den Reigen rundet schließlich Tochter Manuela von Linientreu (Nina Schwalke) ab, die ihren Verlobten Thomas des Betrugs bezichtigt und ihr danach gelüstet, ihn umzubringen.

Das Publikum zeigte sich in der gemütlich dekorierten und wohltemperierten Höhle begeistert von der Aufführung und verfolgte die temporeiche Geschichte mit zahlreichen Lachern.

Die Akteure meisterten die Anforderungen, die die Höhlenbühne auch akustisch stellt, mit Bravour. Zwar gab es den einen oder anderen Texthänger, die jedoch überspielten die Schauspieler so gekonnt, dass gerade dies bei den Zuschauern viel Lob fand. Für Lachtränen sorgte beispielsweise Jeanette Borthwick-Schwalke als Walburga von Linientreu, als sie das vermeintliche Dienstmädchen Birgit für eine Ausländerin hält und dementsprechend anspricht. Lachsalven löste auch Stephan Haarmann aus. Der Bühnenchef der Festspiele Balver Höhle stand erstmals auf der Bühne und gab den lüsternen Erich mit Hingabe. Überzeugend in seiner Rolle war auch Christian Paul als rüstiger Opa Hermann von Linientreu, der Frank Butterweck als seinen Sohn in Sachen Liebesleben in nichts nachstand.

Eine besondere Herausforderung für die Regisseurin und das Ensemble war der überraschende Besuch von Ralf Kaspari, der das Stück „Alles verkehrt“ geschrieben hat. Er war eigens von der Mosel angereist, um sein Stück aus der Perspektive des Zuschauers zu sehen. Sicher war es anschließend mit das schönste Lohn für die Akteure, dass der Autor äußerst zufrieden mit der Umsetzung seines Werkes war.

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