Gepflegtes Nord-Süd-Gefälle

Mit Trikes reisen manche Irish-Folk-Fans zum Festival nach Balve. Gern gesehener Gast bei den Campern ist Dackel-Besitzer Bernd aus Balve. Für ihren Mops Columbo haben die Kronacher Marion und Thomas einen spezielle Hundebox auf dem Gefährt installiert.

BALVE ▪ „Einmal Camper – immer Camper“ lautet die Philosophie jener Urlauber, für die Luxus in der Einfachheit und im Pragmatismus liegt. Sich unbeschwert fühlen, frei von Zwängen sein, inmitten einer großen Familie mit Gleichgesinnten den Spaß an der Sache genießen, ist eine Lebensweise, die ihnen gerne nachgesagt wird. Sechs von ihnen genossen am Wochenende dieses Leben in vollen Zügen. Von Susanne Riedl

Ute, Stefan, Marion, Thomas, Heike und Hubert sind Camper mit Leib und Seele. Das Sextett machte sich zum wiederholten Male „auf und ab ins Grüne“ – ihr Ziel: das Irish-Folk-Festival in der Balver Höhle.

Mit modernen „Präsentations-Parks“ hat die große Wiese hinter den Parkplätzen am Felsendom wahrlich nichts gemeinsam. Naturverbundener kann Zelten – authentischer können Camper kaum sein. Mit einem lockeren Spruch auf den Lippen und ihrer offenen Art heißen die Camper und Festivalbesucher Gäste herzlich willkommen.

Zwischen ihren drei Wohnwagen haben sie eine „Himmel“ aus Zeltstoff gespannt, darunter mehrere Campingtische zu einem großen zusammengestellt – die Gemeinschaft lebt. In gemütlicher Runde sitzen sie beisammen, genießen ein kühles Bier und erzählen sich alte Geschichten. Die Mundharmonika wird gezückt und gemeinsam Lieder geträllert. Ausflüge in die nähere Umgebung runden ihren Kurzurlaub ab.

Die sechs kennen sich seit Jahren. Sie verbindet nicht nur die Camper-Philosophie, sondern auch die Liebe zur irischen Musik. Die Rhythmen der grünen Insel waren es streng genommen auch, die die Paare aus Nord-, Süd- und West-Deutschland zusammenführten.

Ute Schröer erinnert sich, bereits in jungen Jahren schon einen Faible für irische Musik gehabt zu haben. Und der Zufall wollte es, dass ihre Freundin sogar Folk-Sängerin wurde. In der Balver Höhle stand sie zwar noch nicht auf der Bühne, dennoch liegt es auf der Hand, dass Ute die Auftritte ihrer Freundin stets verfolgte – und das immer noch tut.

Ihr Partner Stefan Kiesler wurde dagegen „im schönsten Irish-Pub in Deutschland“, wie er sagt, im St. Claire in Bielefeld vom Irish-Folk-Musik-Virus infiziert. „Zuerst gingen wir nur einmal in der Woche hin. Dann wurden es zwei Abende, dann drei“, blickt er zurück.

Musikalisch Gleichgesinnte fand er nicht nur in seinem langjährigen Freund Hubert aus Schloss Holte-Stukenbrock, sondern auch in Süddeutschland. Mit Thomas, einem Irish-Music-Fan aus dem oberfränkischen Kronach, kreuzten sich zunächst beruflich ihre Wege – heute verbindet die drei Männer und ihre Frauen eine feste Freundschaft.

Seit sieben Jahren gehören die Sechs zum Stammpublikum des Irish-Folk-Festivals in Balve. „Wir pflegen hier unser Nord-Süd-Gefälle“, scherzt die Gruppe, für die das Irish-Folk-Festival zur Tradition geworden ist.

Wer sich mit der Musik-Szene beschäftige, wisse um die Qualität der jährlichen Veranstaltung im Sauerland. „Außerdem gibt es in Deutschland nicht so viele Irish-Folk-Festivals“, begründen die Camper- und Musikfreunde ihre regelmäßigen Besuche.

Und Ute kennt den Felsendom schon seit ihrer Kindheit. „Meine Tante wohnt in Deilinghofen. Als Achtjährige war ich schon in der Höhle, um die Märchenspiele zu sehen“, erinnert sie sich.

Im vergangenen Jahr traten Ute und Stefan, die in Edewecht leben, sogar in den Festspielverein Balver Höhle ein. Um den Vereinsmitgliedern als Geste ihrer Bemühungen Tribut zu zollen, fertigte das Paar Trinkbecher an, in die sie Irlands charakteristisches Wahrzeichen – die Harfe – einbrannten, und mit Leder und Perlen verzierten. Wer genau hinschaut, entdeckt beim Festival die Geschenke der Edewechter immer wieder in den Händen des Thekenpersonals, wenn sie einen erfrischenden Schluck trinken.

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