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Tote nach illegalem Rennen: Porscher-Fahrer verurteilt

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Von: Thomas Krumm

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Die Landstraße zwischen Beckum und Hövel glich nach dem Unfall im August 2018 einem Trümmerfeld. In dem blauen VW Golf starb eine Frau, die vier weiteren Insassen wurden schwer verletzt.
Ein großes Trümmerfeld war die Landstraße zwischen Balve-Beckum und Sundern-Hövel nach dem tödlichen Unfall im August 2018. Der Prozess gegen einen der beiden Angeklagten wird neu aufgerollt. © Klümper, Markus

Einen Monat nach der Entscheidung des 4. Strafsenats des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe (BGH) über die Revisionsanträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigern des Raserprozesses liegt die schriftliche Urteilsbegründung vor. Im Ergebnis bestätigten die Richter das Urteil gegen den angeklagten Audi-Fahrer aus Hemer, der am 1. August 2018 von Sundern-Hövel nach Balve-Beckum unterwegs war und auf der Gegenfahrbahn frontal mit einem VW Golf zusammenstieß.

Beckum/Karlsruhe - Eine Frau wurde dabei sofort getötet, die vier anderen Insassen erlitten schwerste Verletzungen und mussten mit Hubschraubern in umliegende Krankenhäuser geflogen werden. Eine Schwurgerichtskammer des Landgerichts Arnsberg verurteilte den Audi-Fahrer am 20. Januar 2020 wegen „vorsätzlichen schweren verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge in Tateinheit mit vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs“ zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Dieses Urteil ist nach der Entscheidung des BGH nun rechtskräftig. Die Richter hoben allerdings das Urteil gegen den mitangeklagten Porschefahrer aus Soest teilweise auf und verwiesen das Strafverfahren zurück ans Landgericht. Er war lediglich wegen der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen zu einer Haftstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Diesen Schuldspruch erweiterten die Karlsruher Richter nun: Sie urteilten, dass sich auch der an dem Rennen beteiligte Porsche-fahrer darüber hinaus der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung in vier Fällen schuldig gemacht habe. Obwohl er selber nicht mit dem entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte, habe er durch die Teilnahme an dem verbotenen Rennen „den Tod der Mitfahrerin in dem entgegenkommenden Pkw und die Verletzungen der weiteren Insassen fahrlässig verursacht“.

Der strafrechtliche Vorwurf der Fahrlässigkeit setzt voraus, dass ein Angeklagter „eine objektive Pflichtverletzung begeht, die er nach seinen subjektiven Kenntnissen und Fähigkeiten vermeiden konnte“, führen die Richter weiter aus. „Bereits die Rennteilnahme des Angeklagten (…) war damit objektiv pflichtwidrig.

Durch diese Pflichtverletzung sind auch der Tod bzw. die Verletzungen der Insassen des entgegenkommenden Fahrzeugs verursacht worden, denn bereits die Durchführung des Rennens war für den Todeseintritt kausal.“ Damit entschieden die Richter, dass nicht nur der mit dem VW kollidierte Audi-Fahrer aus Hemer, sondern auch der Porsche-Fahrer aus Soest für den Tod beziehungsweise die schweren Verletzungen der Unfallopfer verantwortlich ist. Der Unfall und seine Folgen seien auch für den Porschefahrer „vorhersehbar und vermeidbar“ gewesen.

Die Tatsachenfeststellungen des Landgerichtsprozesses können aus Sicht des BGH bestehen bleiben. Die Richter änderten aber den Schuldspruch ab und erweiterten ihn um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung und der vierfachen fahrlässigen Körperverletzung.

Da schon die Anklageschrift gegen den Porschefahrer diese Vorwürfe enthielt, konnten die Karlsruher Richter den Schuldspruch entsprechend abändern, ohne die prozessualen Rechte des Angeklagten unzulässig zu beschneiden. Denn er hatte im Strafprozess Gelegenheit, sich auch gegen diesen Vorwurf zu verteidigen. Wegen der Erweiterung des Schuldspruchs hob der 4. Strafsenat aber das vom Landgericht Arnsberg verhängte Strafmaß auf. Darüber muss nun eine andere Schwurgerichtskammer des Landgerichts Arnsberg oder eines benachbarten Landgerichts erneut verhandeln.

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