Spektakulärer Transport durch Balve

Nach Menschenansammlung bei Windräder-Transport: Bürgermeister warnt vor Leichtsinn in Corona-Zeiten

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Die Zuschauer erwarteten die Ankunft des Windradtransportes in Langenholthausen.

Balve - Einige der Menschen, die in Langenholthausen den Transport der Windkraftanlagen-Teile bestaunen, scheinen die Corona-Regeln vergessen zu haben.

Es gibt tatsächlich eine Menge zu bestaunen: Bis zu 41 Meter lange Rotorblätter für die auf dem Kohlberg in Neuenrade entstehenden Windräder werden werktags durch Langenholthausen gefahren. Die Ansammlung von schaulustigen Menschen an den Straßenrändern hat Bürgermeister Mühling jetzt dazu gebracht, die Bürger öffentlich zu ermahnen. 

Drei Stunden sind die in Wulfringhausen aufgeladenen Windrad-Teile jeweils bis zu ihrem Ziel auf dem Kohlberg unterwegs. Montag bis Freitag ist deshalb die Sunderner Straße ab 22.30 Uhr für diesen Transport mit Übergewicht und Überlänge gesperrt. Schritttempo wird gefahren mit der aufgeladenen Masse an Material, das alle Dimensionen sprengt.

Auch am Montag war der Windrad-Teile-Transport unterwegs, er wurde von vielen Familien aus Balve und der Umgebung schon erwartet. Parkplätze vor der Sokola.de, auf dem Kirchplatz und in den Nebenstraßen waren ab 22 Uhr belegt, die besten Plätze zum Gucken, Staunen und Fotografieren in der Kurve bei Grote und auch beim Haus Habbel frühzeitig ausgemacht. 

Menschenmenge bestaunt Transport

Ganz langsam bahnte sich das Rotorblatt seinen Weg durch das Dorf, wobei die Fahrt per Fernbedienung gesteuert wird. 18 Achsen hat der so genannte Selbstfahrer, auf dem jedes Windkraftteil transportiert wird. Jede Achse kann einzeln gedreht werden – Präzisionsarbeit für den Bediener, der den Rotor vor und nach den Kurven auf- und absenken lässt. 

Die Menschenmenge hielt den Atem am, als sich der Rotorblatt-Transporter auf die Gerade nach Habbel machte und das gewaltige Maschinenteil Stück für Stück sichtbar wurde. Unzählige Handyfotos und -videos wurden von den Straßenrändern aus gemacht. Nach 15 Minuten war alles vorbei, die abgesperrten Straßen wurden wieder freigegeben und die Fahrt durch Küntrop fortgesetzt. 

Gegen 1 Uhr wurde das Ziel erreicht; der Aufbau der sechs dreiflügeligen Windräder mit jeweils 200 Meter Höhe wird tagsüber vorgenommen. 

Bürgermeister: „Die Coronagefahr wird unterschätzt“

Am Montag begab sich auch Bürgermeister Hubertus Mühling mitten unters staunende Volk. Seine Erfahrungen auch daraus fasste die Balver Verwaltung in einer öffentlichen Ermahnung zusammen. „Die Coronagefahr wird unterschätzt“, sagte Bürgermeister Hubertus Mühling im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Darauf reagiert wurde mit einer Mitteilung aus dem Rathaus, in dem auf die Einhaltung der Hygienevorschriften wie 1,5- Meter Mindestabstand und das Tragen von Mund-Nase-Bedeckung hingewiesen wird. Es bestünden „zunehmende Probleme bei Zusammenkünften im öffentlichen Raum“, teilte die Stadt mit. „Nach den Lockerungen der Landesregierung in der Corona-Pandemie entsteht bei der Ordnungsbehörde der Stadt Balve der Eindruck, dass sich die Bürgerinnen und Bürger derzeit in einer Pseudosicherheit wägen.“ 

Anlass dafür ist laut Bürgermeister Mühling das schöne Wetter am vergangenen Wochenende. Dies habe für sehr viele Einsätze der Polizei in ganz Südwestfalen gesorgt, „weil sich Anlieger und Nachbarn beschwert haben.“ Zu viele Menschen auf sehr wenig Raum – wegen Corona sei dies leichtsinnig. „Wir wollen die Balver darauf hinweisen, dass sie an die Hygienevorschriften denken und auch auf die Hygiene achten“. Dass dies nicht immer beachtet werde, das habe er am Montag festgestellt: Mühling schaute sich in Langenholthausen den Transport des Rotorblatts für eine der Windkraftanlagen in Neuenrade an. „Ich habe so weit wie möglich Abstand gehalten“, betonte er, dass er an seinem Standort am Mittelweg stets die Übersicht behalten habe. 

Kritik an der Menschenansammlung

Zum ersten Mal habe er diesen Schwertransport verfolgt: „Das wollte ich mir nicht entgehen lassen.“ Viele Eindrücke nahm er mit nach Hause – aber auch, dass die Zuschauer an den Straßenrändern nicht alle auf Abstand bedacht waren. „Wir sollten und dürfen nicht leichtsinnig werden“, sagte er dazu.

Kritisiert wird dieses Verhalten explizit in der von Michael Bathe unterzeichneten Pressemitteilung: „Ein Beispiel hierfür sind Menschenansammlungen in Langenholthausen, die als Zuschauer ... ohne Einhaltung des Mindestabstands am Straßenrand stehen.“ 

Hingewiesen wird auf die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung. Danach ist weiterhin „jede einsichtsfähige Person“ verpflichtet, sich im öffentlichen Raum so zu verhalten, dass sie sich und andere keinen vermeidbaren Infektionsgefahren aussetzt.

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