„Bürger für Beckum“ beklagen Absicherung am Steinbruch

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Das war mal eine städtische Straße. Johannes Schulte (von links), Georg Schulte, Andreas Weißmüller und Thomas Wietbüscher sind sauer. ▪

BECKUM ▪ Die Interessengemeinschaft „Bürger für Beckum“ ist nicht nur enttäuscht, sie ist sauer darüber, wie mit ihren Ängsten und öffentlichem Eigentum umgegangen wird. Am Donnerstag mussten die Mitglieder feststellen, dass der städtische Verbindungsweg zwischen Beckum und Wocklum in eine Schotterpiste verwandelt wurde und der Weg parallel zum Steinbruch unzulänglich abgesperrt wurde. Spontan luden sie gestern zu einem Pressegespräch vor Ort.

Im Mai 2010 war die Beckumer Bevölkerung in einer Bürgerversammlung darüber informiert worden, dass die Brühne-Gruppe den Steinbruchbetrieb in Richtung Langenloh erweitern will. Dazu will das Unternehmen den Weg von der Stadt kaufen, um die beiden Steinbrüche Hertin I und Hertin II mitein-ander zu verbinden (wir berichteten).

Das Kaufvorhaben hatte die Gemeinschaft, der vor allem Anlieger der Nikolausstraße, des Roussayer Wegs, des Langenlohs, Kerkeikens und Südfelds angehören, „aufgeschreckt und extrem beunruhigt“, erinnert sich Georg Wortmann von der IG. Zusammen wurde ein Forderungskatalog erarbeitet, der Stadt und Rat überreicht wurde. „Er soll angewendet werden, wenn es sich nicht vermeiden lässt, den Weg zu verkaufen.“ Wesentliche Forderungen sind: Mindestens 300 Meter vor der Bebauung muss der Steinbruch enden, die Brechanlage soll nicht weiter an den Ortsteil heran rücken, die Abbruchkante muss ordentliche abgesichert und ein alternativer Verbindungsweg ausgewiesen werden.

Mit Argusaugen beobachtet die Interessengemeinschaft das Geschehen am Kalkwerk Sanssouci. „Am Donnerstag mussten wir feststellen, dass der Weg kaputt ist. Schwere Baufahrzeuge transportierten Erdmasse ab“, berichtet Georg Wortmann. „Mit nicht zugelassene Muldenkipper“, ergänzt sein Mitstreiter Andreas Weißmüller. Dabei sei die Asphaltdecke zu großen Teilen zerstört, später notdürftig mit Schotter befahrbar gemacht worden.

„Man kann sich doch nicht ungefragt an fremdem Eigentum vergreifen“, schimpft der Beckumer Ratsherr Heiner Lürbke (CDU). „Dann muss man wenigstens den Eigentümer, in diesem Fall die Stadt, fragen.“ Noch dazu, wo der Weg „Verhandlungsgegenstand“ sei. Sein Parteikollege, der Ortsvorsteher Johannes Schulte, ergänzt: „Das spricht auch nicht unbedingt für die Verlässlichkeit der Brühne-Gruppe, des Verhandlungspartners.“

Zudem: Der Weg, der jetzt von der Verbindungsstraße in einen Teil des Steinwerks abzweigt, wurde nur mit Flatterband abgesichert. „Das ist völlig unzulänglich“, sagt Wortmann. Der dreijährige Joel Weißmüller muss auf seinem Kinderfahrrad nicht einmal den Kopf einziehen, um ungehindert auf das Gelände radeln zu können.

Sorge bereiten der IG auch Ereignisse in Warstein. Bei einer Fehlsprengung im dortigen Brühne-Steinbruch im Januar waren bis zu 30 Zentimeter große Steine bis in ein Wohngebiet geflogen. Die Sprengung erfolgte noch dazu auf einem städtischen Grundstück. „Das sagt viel über die Verlässlichkeit des Verhandlungspartners. Und es macht Angst“, wiederholt Wortmann. In Beckum, so schätzen die Mitglieder, ist die Bebauung nur 300 Meter Luftlinie entfernt –  auch die Grundschule liegt nicht viel weiter weg. „Noch bekommt man von der Sprengung nicht viel mit. Aber es staubt jetzt schon tierisch, dann knirscht es richtig zwischen den Zähnen“, sagt Jennifer Weißmüller mit sorgenvollem Blick in die Zukunft.

Bei der Brühne-Gruppe war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. ▪ acn

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