Brutaler Raubüberfall auf Ehepaar im MK: So lange muss der Täter in Haft

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In Handschellen wurde der Angeklagte am Donnerstagmorgen in den Gerichtssaal gebracht.

Arnsberg/Balve – Für neun Jahre in Haft muss ein 40-jähriger Pole, der im Februar 2016 ein Ehepaar aus Balve in dessen Haus brutal überfallen und ausgeraubt hat.

Für diese und eine ähnlich brutale Tat nur wenige Tage später in Essen verurteilte ihn die Große Strafkammer im Landgericht Arnsberg wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes in Tateinheit mit gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Auch eine mindestens dreijährige Drogentherapie muss der 40-Jährige absolvieren. 

Auf die Verhängung einer Sicherheitsverwahrung verzichtete das Gericht hingegen, weil eine Wiederholung dieser brutal ausgeführten Taten nicht ohne Weiteres zu erwarten sei, stellte der Vorsitzende Richter Daniel Langesberg fest. Denn nach den Aussagen des zuvor gehörten Sachverständigen liegen keine persönlichkeitsbedingten Störungen vor. Vielmehr seien diese Taten verübt worden, um den Drogenkonsum zu finanzieren. 

Mit Strafmaß unter der Forderung des Staatsanwaltes

Mit dem Strafmaß von neun Jahren blieb das Gericht unter den vom Staatsanwalt geforderten zehn Jahren, aber über den acht Jahren, die der Strafverteidiger des Angeklagten in seinem Plädoyer für angemessen erachtet hatte. Sein Komplize übrigens war bereits im Januar 2018 vom Landgericht zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt worden. 

Der jetzt Verurteilte hatte schon früh erste Straftaten verübt. Ab seinem 15. Lebensjahr kam der Pole mit Drogen und Alkohol in Kontakt, mit 18 Jahren verbüßte er in seiner Heimat zum ersten Mal eine mehrjährige Haftstraße. Mittlerweile umfasst sein Strafregister mehr als 20 Einträge. Mit Diebstählen und Raub verschaffte sich der Mann immer wieder Geld, um an Drogen zu kommen. 

Ehepaar gefesselt und geknebelt

In Balve drang er mit seinem ebenfalls polnischen Komplizen in das Haus des Ehepaares ein, fesselte und knebelte beide mit Kabelbindern und Klebeband, um das Gebäude durchsuchen zu können. Anschließend flüchtete das Täterduo mit 3300 Euro Bargeld sowie zwei alten Mobiltelefonen und einem Fernglas als Beute. 

Die Eheleute erlitten bei dem Überfall erhebliche Verletzungen, darunter Augenreizungen, Nasenbeinbruch und eine gebrochene Rippe. Beide, so der Richter, würden noch heute psychisch unter diesem Überfall leiden. 

Wohnungsinhaber schwer verletzt

In Essen wollte das Duo vor seiner Flucht nach Polen noch einmal die Vorräte an Drogen und Bargeld auffüllen. Bei diesem Raubüberfall wurde der Wohnungsinhaber so schwer verletzt, dass er unter anderem wegen Gehirnblutungen und Rippenbrüchen lange Zeit behandelt werden musste. 

Verhaftet wurde der 40-Jährige bereits 2016 in Polen bei einer Routinekontrolle der Polizei. Weil er aber auch dort noch eine Haftstrafe abzusitzen hatte, überstellten ihn die polnischen Behörden erst anschließend nach Deutschland. 

Angeklagter zeigt Reue

„Es tut mir leid“, ließ der Angeklagte über seine Dolmetscherin mitteilen, als ihm das letzte Wort vor der Urteilsfindung zugestanden wurde. „Ich habe ein schlechtes Gewissen, es geht mir sehr schlecht damit. Ich würde gerne eine Therapie machen, damit ich normal leben kann.“ 

Zuletzt hatte er eine Ausbildung zum Koch nach einem einem Jahr abgebrochen, danach verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Renovierungsarbeiten und mit Diebstählen und Raubüberfällen. „Sein Leben ist geprägt von der Drogenabhängigkeit“, stellte der psychiatrische Gutachter fest. „Eine Therapie verringert seine Deliktneigung.“ 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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