Balver Polizist 44 Jahre und vier Monate auf Streife

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Franz-Josef Griese war als Bezirksbeamter in Balve natürlich auch für den Nachwuchs zuständig. So wie hier bei einem der Vorlesetage in der Balver Grundschule.

Balve – „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Franz-Josef Griese. Ende März gibt er seine Polizeiuniform mit Dienstmarke und Waffe ab, geht nach 44 Jahren und vier Monate auf Streife in Pension.

„Im vergangenen Jahr war ich schon auf Abschiedstournee“, erzählte der 62-Jährige Mellener. 2019 war für ihn das Jahr mit dem letzten Schützenfest, dem letzten Besuch im Kindergarten und in der Schule als Polizist. Als solcher war er in Balve seit 2001 nicht nur für Recht und Ordnung zuständig, sondern immer auch ein Ansprechpartner für die kleinen und großen Sorgen.

Griese hatte immer Zeit für „sein“ Balve. „Es war eine abwechslungsreiche Dienstzeit“, blickte er zurück. „Dabei war immer das Schönste, dass man nie wusste, was einen den Tag über erwartet.“ Unfälle, Einbrüche, Verkehrsüberwachung, Streifendienst – es gab keine Langeweile. „Tragisch sind immer die Todesfälle gewesen“, denkt er dabei an Unfallopfer zurück. 

Aber auch der Erntedankfestzug in Langenholthausen vor fünf Jahren ist ihm noch in Erinnerung: „Ich sicherte den Festzug mit meinem Auto ab, machte dem heranrasenden Motorradfahrer noch Haltezeichen. Doch der fuhr einfach weiter.“ Mitten in die Gruppe der Kindergartenkinder raste der Biker, der dabei die Gewalt über sein Zweirad verlor. Griese war schnell zur Stelle – und ließ die Handschellen einrasten. „Gott sei Dank wurde kein Kind oder anderer Festzugteilnehmer verletzt.“

Schwierige Fälle verarbeitete der Polizist, indem er darüber redete. Im Kollegenteam oder zuhause fielen Stück für Stück Stress und Anspannung ab. „Man muss sehr stark differenzieren“, sagt Griese, den in Balve alle als „Bubi“ kennen, rückblickend.

Und dann gibt es noch die vielen Kleinigkeiten, die lustigen Ereignisse. „Nein, eine Ente habe ich nie in meiner Mütze gerettet“, sagt er schmunzelnd. Es waren die alltäglichen Dinge, bei denen Humor eine Rolle spielte.

Davon, als Freund und Helfer tätig zu werden, hatte Franz-Josef Griese schon als Kindergartenkind geträumt. „Ich wollte damals entweder Polizist oder Förster werden.“ Nach der Hauptschule wechselte er auf die Handelsschule in Menden, wo er seinen Traum wahr machte: „Ich erkundigte mich 1973 bei der Polizeiwache in Menden, bekam direkt Unterlagen mit nach Hause.“ Er bewarb sich, machte in Münster den Einstellungstest und begann am 1. Dezember 1975 seine Ausbildung an der Polizeischule in Linnich bei Aachen.

Von 1979 bis 1980 war er in Brühl bei einer Einsatzhundertschaft als Wasserwerfer-Fahrer stationiert. „Es war eine Zeit mit vielen Demonstrationen“, denkt er an diese Zeit zurück. „Allerdings kam, wenn ich den Wasserwerfer fuhr, dieser nie zum Einsatz.“ Danach begann sein „richtiger“ Polizeidienst in Wuppertal-Elberfeld. Im Streifenwagen lernte er den Alltag auf der Straße kennen. Franz-Josef Griese sagt aber: „Ich wollte immer gerne in den Märkischen Kreis.“

In Mellen lebt seine Familie, hier sind seine Freunde, sein Sportverein und seine Schützenbruderschaft. 1981 dann kam er nach Iserlohn, 1984 nach Menden. Und 2001 trat Griese die Nachfolge von Alfred Kotzur als Bezirksbeamter in Balve an.

Jetzt ist es für ihn selbst an der Zeit, seinen Arbeitsplatz in der Balver Dienststelle an einen Nachfolger zu übergeben. Die Stelle ist ausgeschrieben, der oder die Neue wird noch bekannt gegeben. Der baldige Pensionär wünscht sich: „Hoffentlich bleibe ich lange gesund, denn ich lasse mich gerne von meinen vier Enkelkindern in Anspruch nehmen.“ Ein großes Hobby ist das Reisen, darüber hinaus die von seiner Familie in Mellen angebotene Ferienwohnung.

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