Betörend duftende Hingucker

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Ein seltener Anblick: Nur wenige Naturliebhaber wissen, wo sich die besonderen Kleinode befinden. ▪

BALVE ▪ Sie werden auch „Großes Schneeglöckchen“ genannt, die Märzenbecher, die in diesen Tagen an ganz bestimmten, nicht allzu vielen Standorten in Nordrhein-Westfalen ihre kurze Blüte und Pracht zeigen. Beim Blättern im Biotop-Kataster weist dieses vier Ansammlungen im Märkischen Kreis aus.

Neben dem Schlosswald in Plettenberg-Brüninghausen und dem Herveler Bruch bei Herscheid hat auch der Haarloh im Norden von Frühlinghausen, unweit des Amecke-Baches gelegen, Aufnahme in das Verzeichnis gefunden. Eine weiterer Standort der herrlich anzuschauenden Zwiebelblüher befindet sich in einem an der Hönne gelegenen Waldstück nahe Garbeck. Nur Insider kennen die versteckt liegenden Refugien.

Die Märzenbecher, auch Märzglöckchen oder Frühlings-Knotenblume genannt, gehören zur Familie der Amaryllisgewächse. Sie sind mehrjährige, krautige Pflanzen und erreichen eine Wuchshöhe von bis zu 30 Zentimetern. Dabei bilden sie drei bis fünf etwa 10 mm breite und 200 mm lange dunkelgrüne Laubblätter. Vom Aussehen her haben sie sehr viel Ähnlichkeit mit Schneeglöckchen, sind aber von der Blütenform her ein wenig ausladender und haben hellere Blätter. Geschmückt jedoch mit wesentlich auffälligeren, duftenden, weiß gefärbten glockenförmigen Blüten. Diese hängen friedlich nickend am Blütenstandsschaft. Ihre zarten sechs Perigonblätter sind fast gleichlang und weisen an den stumpf-zipfelig auslaufenden und verdickten Blütenblattspitzen eine gelbgrüne, fleckenartige Färbung auf. Durch Bienen und Tagfalter bestäubt, sinken die Samenanlagen nach der Blüte langsam zu Boden. Verbreitet wird die Pflanze durch Tiere, die deren Frucht fressen und den schwarzen kugeligen Samen wieder ausscheiden.

Vorzugsweise sind die Märzenbecher in Auen- oder Laubmischwäldern angesiedelt. Sie beanspruchen nämlich feuchte, nährstoffreiche, mäßig saure Ton- und Lehmböden. Insbesondere in der Kolonie bei Frühlinghausen wachsen die Hingucker, so weit das Auge schaut.

Dazu verbreiten sie einen betörenden Duft, der einen Spaziergang unvergesslich macht. Spaziergänger sollten aber nichts abpflücken, die Wege nicht verlassen und sich an die Regeln in solchen Schutzgebieten halten. Märzenbecher sind nicht nur besonders geschützt, sondern durch verschiedene Alkaloide auch stark giftig. - Ulrich Töpel

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