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Bei einer Wanderung: Professor macht bedeutenden Zufallsfund im MK

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Von: Julius Kolossa

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Prof. Dr. Tobias Leuker erläutert die Inschriften auf den historischen Grabplatten.
Prof. Dr. Tobias Leuker erläutert die Inschriften auf den historischen Grabplatten. © Kolossa, Julius

Vier historische Grabplatten befinden sich seit 1983 in der Turmkapelle der St.-Blasius-Pfarrkirche.

„Dass solche Platten in Klosterkirchen oder großen Stadtkirchen zu sehen sind, kommt häufig vor“, erzählt Prof. Dr. Tobias Leuker vom Institut für Romanische Literaturwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. „Dass sie in Pfarrkirchen auf dem Land sind, das ist sehr selten. Solche Grabplatten wie diese in Balve sind historisch wertvoll.“

Zusammen mit Balves Pfarrarchivpfleger Rudolf Rath hat er seit September 2020 über diese Grabplatten recherchiert, und die Erkenntnisse in einer 40-seitigen Broschüre mit dem Titel „Historische Grabplatten in der Pfarrkirche St. Blasius zu Balve“ zusammengetragen. Die Broschüre wurde am Donnerstag vorgestellt.

Platten erinnern an Priester der Kirchengemeinde

Drei Grabplatten erinnern an Priester der Kirchengemeinde St. Blasius in Balve: Johannes Matthäus Höynck war Pfarrer von 1662 bis 1683, ab 1671 auch Dekan des ehemaligen Dekanats Attendorn. Johannes Karl Höynck war Pfarrer von 1683 bis 1691 und jüngerer Bruder seines Vorgängers. Und Eberhard Gödde war in Balve von 1692 bis 1733 tätig. Gödde ließ 1696 den Barockaltar für die romanische Kirche errichten. Die vierte Grabplatte kann keinem der beiden letzten Priester (Walter Frantzen von 1733 bis 1755, Johannes Schulte von 1756 bis 1801), die im Chorraum des alten Teils der Pfarrkirche beigesetzt wurden, zugeordnet werden.

Prof. Dr. Tobias Leuker (links) und Rudolf Rath präsentierten am Donnerstag die Broschüre, die über die historischen Grabplatten in der Pfarrkirche St. Blasius informiert.
Prof. Dr. Tobias Leuker (links) und Rudolf Rath präsentierten am Donnerstag die Broschüre, die über die historischen Grabplatten in der Pfarrkirche St. Blasius informiert. © Kolossa, Julius

„Solch ein Fachmann ist ein Geschenk des Himmels“, erzählte Rudolf Rath, dass Prof. Leuker im vergangenen Jahr in der Balver Kirche zufällig auf diese historischen Zeugnisse gestoßen war. Leuker war bei einer Wanderung durch die Hönnestadt gekommen und entdeckte bei einem Kirchenrundgang die vier Grabplatten. Ab dann kamen die Besonderheiten dieser steinernen Urkunden ans Licht. Rath: „30 Pfarrer sind seit dem Jahr 1214 in Balve dokumentiert.“ Beisetzungen in der Kirche waren üblich, dann aber unter der Herrschaft Napoleons in Deutschland (1789 bis 1815) ab 1801 überall verboten worden.

Grabplatten waren Teil des Fußbodens

Die Grabplatten befanden sich im Fußboden des alten Teils der Balver Kirche, bevor sie während der Renovierungsarbeiten vor 38 Jahren ihren heutigen Platz fanden. Die lateinischen Inschriften sind zum Teil lesbar, mussten vom Experten aber auch durch Ertasten identifiziert werden. Sie geben Auskunft über das Leben der Geistlichen – darüber wird in der Broschüre informiert. Ludger Terbrüggen vom Kirchenvorstand sagte zu diesem Werk: „Es ist hochinformativ und ein interessanter Beitrag zur Balver Kirchengeschichte.“ Die Broschüre ist im Pastoralen Zentralbüro, im Pfarrarchiv und an den Schriftenständen der Kirchen im Pastoralverbund Balve-Hönnetal für zwei Euro pro Stück erhältlich. Hauptsponsor war Prof. Dr. Leuker selbst.

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