„Bedroht“: Streit um Kindergartenplätze

Der DRK-Kindergarten in Langenholthausen hat, ebenso wie die Einrichtung in Eisborn, noch Plätze frei. Das Motto „Kurze Beine – kurze Wege“ lässt sich offenbar nicht für alle Balver Kinder umsetzen.

BALVE ▪ „Kurze Beine – kurze Wege. An diesem Motto orientiert sich die Kindergartenbedarfsplanung“, stellt Matthias Sauerland vom Märkischen Kreis fest. Doch eben diese Planung hat nun dazu geführt, dass einige Kinder eher einen längeren Weg zur Betreuungseinrichtung in Kauf nehmen müssen – oder zumindest vorläufig auf den Kindergartenbesuch verzichten.

„Viele Eltern sind richtig sauer und verstehen nicht, dass wir ihre Kinder nicht aufnehmen können. Wir sind schon wüst beschimpft und sogar bedroht worden“, beschreibt die Leiterin einer Kindertagesstätte in Balve. Nach den Anmeldeverfahren im Januar hat sich folgende Situation ergeben: In Balve und Garbeck ist kein einziger Kindergartenplatz mehr frei – nach den Angaben der Leiterinnen besteht aber noch erheblicher Bedarf. Freie Kapazitäten gibt es dagegen noch in Eisborn und Langenholthausen.

Mit Beginn des neuen Kindergartenjahres wird im St. Blasius-Kindergarten eine Gruppe geschlossen. „Wir hatten deshalb nur neun Plätze zu besetzen und mussten zahlreiche Kinder abweisen“, stellt Kindergartenleiterin Maria Antonie Schüppstuhl fest. „Ich musste viele Absagen erteilen“, berichtet auch Anja Sanden, die Leiterin des evangelischen Kindergartens Arche Noah. Die Leiterinnen aller anderen Einrichtung in Balve berichten ähnliches – oder teilen zumindest mit, dass alle Plätze belegt sind.

Das ist auch in Garbeck der Fall, wie Sibylle Dunker für den St. Antonius-Kindergarten feststellt. Elisabeth Dippong, die Leiterin des Familienzentrums Heilige Drei Könige, beschreibt die Situation dramatischer: „Wir mussten sehr vielen Kindern absagen, da wir fünf Plätze nicht neu besetzen durften.“ Die 16 freien Plätze hätten bei weitem nicht ausgereicht. „Wir führen eine Warteliste, weil einige Eltern ihre Kinder zuhause behalten wollen, bis hier etwas frei ist.“ Durch diese Entwicklung werde die Arbeit im Familienzentrum erschwert, stellt Dippong fest – und verweist unter anderem auf die Zuweisung von Zuschüssen und Personal, welche sich ausschließlich an der Zahl der Kinder orientiere, die die Einrichtung besuchen: „Als wir Familienzentrum wurden, durften wir 75 Kinder aufnehmen. Jetzt sind es nur noch 60. Das ist grenzwertig.“

Eltern aus Balve und Garbeck, die zum 1. August einen Kindergartenplatz benötigen und noch nicht versorgt sind, müssen entweder nach Langenholthausen oder Eisborn ausweichen. In der städtischen Einrichtung Sausebraus in Eisborn gibt es noch acht freie Plätze für Drei- bis Sechsjährige. Im DRK-Kindergarten in Langenholthausen können noch vier U3-Kinder angemeldet werden. „Außerdem haben wir noch einige freie Plätze für Kinder, die schon drei Jahre alt sind“, berichtet die Leiterin Carmen Püttmann.

Im St. Antonius-Kindergarten in Beckum sind alle Plätze belegt.

Jugendhilfeplaner Matthias Sauerland hält die Gruppenschließung in Balve und die Kürzung der Plätze in Garbeck für notwendig: „Die Planung orientiert sich unter anderem an der Geburtenentwicklung.“ Zudem verweist er auf das Solidarprinzip, denn es gehe auch darum, Einrichtungen vor dem endgültigen Aus zu bewahren. Das sei im Sinne der Kinder und der Eltern. Auch aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet sei diese Vorgehensweise nicht falsch: „Der teuerste Faktor ist das Personal. Und das wird eingespart, wenn weniger Kinder betreut werden.“

Hinzu kommt nach Sauerlands Worten, dass in Einrichtungen, die nicht voll belegt sind, eventuell noch weitere U3-Plätze geschaffen werden könnten. „Und die brauchen wir dringend, wenn 2013 der Rechtsanspruch kommt“, sagt der Jugendhilfeplaner.

Abschließend stellt Sauerland fest, dass die Eltern keinen rechtlichen Anspruch auf einen Platz in ihrer jeweiligen Wunscheinrichtung am Wohnort hätten. Allerdings gebe es auch Eltern ohne Auto, räumt er ein und betont: „In diesen seltenen Fällen bemühen wir uns natürlich um eine ortsnahe Versorgung.“

Von Carla Witt

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