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Baugebiet Hönnewiesen: Anwohnerin droht mit Klage

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Von: Julius Kolossa

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Wo derzeit noch die Schafe weiden, soll das Baugebiet Hönnewiesen entstehen. Der Fluss verläuft nur wenige Meter entfernt am Ende der Wiese.
Wo derzeit noch die Schafe weiden, soll das Baugebiet Hönnewiesen entstehen. Der Fluss verläuft nur wenige Meter entfernt am Ende der Wiese. © Kolossa, Julius

Insgesamt 36 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und zwei Mehrfamilienhäusern sollen im Baugebiet Hönnewiesen in Balve entstehen.

„Es gibt immer wieder Anfragen“, sagt Investor Thomas Budde im Gespräch mit der Redaktion. Allerdings gibt es nach dem Jahrhundertunwetter Mitte Juli auch Kritik an dem Vorhaben, denn Teile des Gebiets wurden überschwemmt.

Vor fast zwei Jahren kaufte Budde das 2,1 Hektar große Gelände von Ulf Allhoff-Cramer, um es im Auftrag der Stadt Balve zu erschließen. „Ich hoffe, den Entwurfsbeschluss für den Bebauungsplan noch in diesem Jahr zu erhalten. Dann könnte im Sommer 2022 die Politik den erforderlichen Satzungsbeschluss herzustellen. Nach den Sommerferien sollen dann die Grundstücke parzelliert und mit dem Kanalbau begonnen werden“, umreißt Budde den Zeitplan.

Fläche liegt im Hochwasser-Risikogebiet

Thomas Budde weiß um die Herausforderungen des Baugebiets Hönnewiesen: die Fläche liegt im Hochwasser-Risikogebiet. Als am 14. Juli die Hönne über die Ufer trat, wurde ein Teil dieser Fläche überflutet. „Die in der Hochwasserkarte vorgegebene Linie für das Jahrhunderthochwasser wird bei den Planungen eingehalten“, sagt Budde. Und bis zu dieser Hochwasserlinie darf, so die Vorschriften, nicht bebaut werden. Doch dahinter steht Bauland auf insgesamt einem Hektar zur Verfügung. „Bisher habe ich keine Rückmeldung der Stadt, dass die Bebauung gefährdet ist“, so Budde.

„Niemals im Leben würde ich ein Grundstück in diesem Baugebiet kaufen“, sagt Cäcilia Siedhoff. Die Balverin wohnt an der Straße Hönnetalstraße rund 150 Meter von der Hönne entfernt – und berichtet dennoch über Probleme. Als Anwohnerin des Hochwasser-Risikogebietes habe sie vor einigen Jahren auf Empfehlung des Märkischen Kreises eine Betonwanne vor dem Anbau ihres Hauses einbauen lassen. „Denn das Grundwasser setzte den Keller unter Wasser“, so Siedhoff.

Anwohnerin kritisiert Planung

Der gesamte Estrich habe erneuert werden müssen. „Außerdem liefen acht Wochen lang die Bautrocknungsgeräte, um die Feuchtigkeit aus den Räumen zu entfernen“, erzählt Siedhoff. Sie erinnert sich an die untergegangenen Hönnewiesen nach dem Juli-Hochwasser, die sie in Bildern und Videos festgehalten hat. Und an ihre Nachbarn hinter dem Netto-Markt bis zum Autohaus Levermann, die ebenfalls unterschiedlich stark von dem Hochwasser und den Folgen betroffen waren.

Anwohnerin Cäcilia Siedhoff informiert sich bei Bürgermeister Hubertus Mühling über die geplante Bebauung im Bereich der Hönnewiesen.
Anwohnerin Cäcilia Siedhoff informiert sich bei Bürgermeister Hubertus Mühling über die geplante Bebauung im Bereich der Hönnewiesen. © Kolossa, Julius

Siedhoff habe ihre Befürchtungen auch bereits Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) vorgetragen. Mühling habe in diesem Gespräch über den Bau von Wasserschutzwannen und höherliegenden Eingängen als Auflage für die Neubauten berichtet. Für Cäcilia Siedhoff ein unbefriedigender Einsatz: „Durch die gebauten Straßen, Wege und Terrassen wird immer mehr Fläche versiegelt, sodass sich das Wasser neue Wege suchen muss.“ Sie ist sich sicher: „Aufgrund der größeren Verdichtung der Fläche durch den Bau von 36 Wohneinheiten werden demnächst weitere Schäden durch Hoch- und Grundwasser auftreten.“

Kontakt zum Landrat und der Bezirksregierung

Die Anwohnerin hat sich in Stellungnahmen gegen dieses Baugebiet an Landrat Marco Voge (CDU) und die Bezirksregierung Arnsberg gewandt. Beide hätten ihr in Antwortschreiben mitgeteilt, dass die Stadt in dieser Sache alles richtig gemacht hätte. Als letzten Weg sieht sie ein Klageverfahren gegen die Stadt. „Neben dem Hochwasserschutz gilt es auch den Erholungscharakter dieses Bereichs zu bewahren, ist es doch die einzige Wiese in der Innenstadt von Balve.“

Auch die Stadt Balve ist sich der Hochwasserproblematik bewusst. So berichtete Hubertus Mühling erst vor wenigen Tagen im Rahmen der Veranstaltung „CDU vor Ort“ bei einem Spaziergang entlang der Hönne, von den Planungen, zusätzliche Überflutungsflächen, sogenannte Retentionsbereiche, entlang des Flusses zu schaffen. So soll der Hönne bei weiteren Hochwässern mehr Raum gegeben werden, um künftig ähnlich verheerende Schäden wie Mitte Juli in der Kernstadt und einigen Ortsteilen möglichst zu vermeiden. Mit den dafür erforderlichen Arbeiten soll im kommenden Jahr zunächst im Bereich Krumpaul, später dann auch vor der Gransauer Mühle, in der Helle und in Volkringhausen begonnen werden.

Juli-Hochwasser: 60 Haushalte betroffen

Nach dem Juli-Hochwasser waren in 60 Haushalten in der Innenstadt sowie in Langenholthausen und Volkringhausen massive Schäden zu verzeichnen gewesen. In einigen Häusern finden nach wie vor Sanierungsarbeiten statt. Und weil das Fundament der Hönne-Brücke nach Frühlinghausen unterspült und damit die Standfestigkeit nicht mehr gegeben war, musste diese von einer Fachfirma saniert und für diesen mehrwöchigen Zeitraum voll gesperrt werden.

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