Auf unbestimmte Zeit

Bau der B229n verzögert sich weiter

In den Gebäuden auf dem Stockmeier-Gelände, über das künftig die Trasse der B229n verlaufen soll, wurden verschiedene Fledermausarten nachgewiesen.
+
In den Gebäuden auf dem Stockmeier-Gelände, über das künftig die Trasse der B229n verlaufen soll, wurden verschiedene Fledermausarten nachgewiesen.

Der Bau der Umgehungsstraße B229n von Sanssouci nach Wocklum verzögert sich weiter – und zwar gleich auf unbestimmte Zeit. Das erklärte der Landesbetrieb Straßen.NRW jetzt auf Anfrage der Redaktion.

Der Grund sind Fledermäuse, die an mehreren Stellen auf dem Betriebsgelände der Firma Stockmeier entdeckt wurden. Bekanntlich soll über einen Teil des momentanen Betriebsgeländes künftig die B 229n verlaufen. Dafür müssten aber zunächst die Firmengebäude abgerissen werden, in denen die geschützten Fledermäuse nisten.

Spatenstich sollte längst erfolgt sein

Ursprünglich sollte der erste Spatenstich für das Millionenprojekt bereits Ende 2020 erfolgen. Nach mittlerweile fast einem Jahr Verzögerung kann Straßen.NRW einen neuen Termin noch nicht nennen.

„Unsere Aufgabe ist es jetzt, in Absprache mit der Naturschutzbehörde nach der Artenschutzrichtlinie Ersatzquartiere für die Tiere zu suchen und auch zu finden“, sagte Straßen.NRW-Sprecherin Julia Ollertz. Der Abbruch der Bestandsgebäude könne erst im Anschluss erfolgen. „All dies wirft den Zeitplan für den Bau der B229n auf unbestimmte Zeit zurück“, so Ollertz.

Andreas Kolarik beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fledermäusen

Fledermausvorkommen führten immer wieder zu Verzögerungen bei Bauprojekten, sagte Andreas Kolarik, Vorsitzender des Naturhistorischen Vereins Hönnetal. Der Verein, der sich dem Natur- und Tierschutz in der Region verschrieben hat, beschäftigt sich seit seiner Gründung 2018 auch mit diesen fliegenden Säugetieren. Einer der Vereinsexperten auf diesem Gebiet ist Kolarik, dessen Hobby seit mittlerweile rund 20 Jahren die Fledermäuse sind. Unter anderem führte er 2019 eine Fledermaus-Nacht rund um die Luisenhütte in Wocklum mit einem Jahrgang der Balver Realschule durch.

Andreas Kolarik ist Fledermaus-Experte.

„Die Tiere weichen gerne in Gebäude aus, wenn ihnen die natürlichen Quartiere wie Baumhöhlen und Felsnischen nicht zur Verfügung stehen“, erläuterte Kolarik. Deshalb seien die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse auch in der Helle, also dem Standort des Stockmeier-Geländes auf der künftigen B229n-Trasse nachgewiesen worden: „Wasserfledermaus, Zwergfledermaus und Großes Mausohr haben hier ihren Lebensraum.“

Es könnte noch viel Zeit vergehen

Bis für diese Tiere neue Quartiere gefunden sind, das könne dauern, erläuterte der Experte: „Bis zu einem Jahr lassen sich Fledermäuse Zeit, bis sie Ersatzquartiere akzeptieren.“ So lange müssen die Abrissarbeiten im Extremfall also warten. Faszinierend seien Fledermäuse wegen ihrer Orientierung mit Ultraschallrufen, mit denen sie ihre Beute aufspüren. Die nachtaktiven Tiere ernähren sich größtenteils von Mücken. Um zu überleben, muss eine Fledermaus täglich bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts fressen. Selbst die kleine Zwergfledermaus kommt so auf bis zu 1000 Mücken – pro Nacht. „Und weil es immer weniger Insekten gibt, gibt es auch immer weniger Fledermäuse“, erklärte Kolarik, warum die Tiere unter Schutz stehen.

Damit die Umsiedlung der Fledermäuse vom Stockmeier-Gelände gelingt, bietet der Naturhistorische Verein seine Unterstützung an. „Wir würden uns gerne einbringen, aber noch hat Straßen.NRW nicht bei uns nachgefragt“, so Kolarik. Immerhin könne das Wissen der ortskundigen Vereinsmitglieder helfen, neue Fledermausstandorte zu erschließen. Kolarik: „Unser Ziel ist es nicht, die B229n zu verhindern. Unser Ziel ist es, eine gute Lösung für die Fledermäuse zu finden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare