230 Meter hohe Anlagen

Balver Wald: Investor möchte drei Windräder errichten

Der Gladbecker Investor SL Naturenergie lässt auch auf dem Kohlberg sechs Windräder errichten. Hier herrscht derzeit allerdings ein Baustopp.
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Der Gladbecker Investor SL Naturenergie lässt auch auf dem Kohlberg sechs Windräder errichten. Hier herrscht derzeit allerdings ein Baustopp.

Bald könnten weitere Windräder für Strom in Balve sorgen. Denn das Gladbecker Unternehmen SL Naturenergie plant im westlichen Bereich des Balver Waldes, der in weiten Teilen ein Naturschutzgebiet ist, in Richtung Leveringhausen drei bis zu 230 Meter hohe Anlagen.

Um das Vorhaben realisieren zu können, müssten Rodungen vorgenommen werden. Möglich machen könnte das Vorhaben des Investors die neueste Fassung des Regionalplan-Entwurfs für den Märkischen Kreis. Denn in diesem Entwurf sind im östlichen, südlichen und westlichen Stadtgebiet von Balve insgesamt acht Windenergie-Bereiche vorgesehen.

Mit der neuen Regionalplan-Fassung wird sich der Balver Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 8. Juni, ab 18 Uhr in der Schützenhalle in Volkringhausen beschäftigen.

Stadt ist gegen das Projekt

Die Stadt Balve ist gegen die Errichtung der drei Windräder. Weil im Stadtgebiet bereits fünf Windenergieanlagen existieren, fürchten die Verantwortlichen durch den Bau weiterer Windräder massive Auswirkungen auf die Siedlungsbereiche.

Das Unternehmen SL Naturenergie ist in der Region bereits bekannt. So lassen die Gladbecker auch auf dem Kohlberg in Neuenrade sechs knapp 230 Meter hohe Windräder errichten. Gegen dieses Projekt gab und gibt es jedoch immer noch teilweise massiven Widerstand aus der Bevölkerung. Die Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“ will den Bau und die Inbetriebnahme der Windräder verhindern – und hatte bislang Erfolg. Im vergangenen Sommer verhängte das Oberverwaltungsgericht in Münster einen neuerlichen Baustopp. Seitdem müssen die Arbeiten ruhen.

Der SV beantwortet die wichtigsten Fragen zum Windräder-Projekt im Bereich des Balver Waldes:

Was plant SL Naturenergie in Balve?

„Wir planen drei Windenergieanlagen vom Typ E-138 mit jeweils 4,2 Megawatt Nennleistung zu bauen und zu betreiben“, sagt Geschäftsführer Milan Nitzschke. Bei den Anlagen handelt es sich um getriebelose Anlagen der Firma Enercon. Damit entstehen kein getriebetypischer Verschleiß und keine entsprechenden Geräusche.

Welche Leistung bringt ein einzelnes Windrad?

„Die Anlagen zählen zu den effizientesten Windenergieanlagen, die derzeit gebaut werden können. Sie können pro Stück genug Energie erzeugen, um 3500 Haushalte mit Strom zu versorgen“, so Nitzschke. Selbst wenn man über den Strom hinaus die Heizenergie, den Verkehr, Reisen und die gesamten CO2-Emissionen der deutschen Industrie pro Kopf dazurechne, also die gesamte statistische Pro-Kopf-Emission in Deutschland, reiche eine Anlage aus, um 1000 Menschen quasi komplett CO2-frei zu stellen.

Wie hoch ist die Investitionssumme?

SL Naturenergie wird in Balve insgesamt rund 20 Millionen Euro investieren.

Wie kommt das Unternehmen auf den geplanten Standort Richtung Leveringhausen?

Im aktuellen Regionalplan-Entwurf der Bezirksregierung Arnsberg wird das Gebiet, in dem die drei Windenergieanlagen gebaut werden sollen, als Windvorrangzone ausgewiesen. „Hieran haben wir uns orientiert. Im aktuellen Flächennutzungsplan der Stadt Balve ist die Fläche noch nicht vorgesehen. Aber nach unserer Einschätzung hat die Stadt insgesamt nicht genug substanziellen Raum für die Windenergienutzung und den Einsatz erneuerbaren Energien ausgewiesen“, so Nitzschke.

Was bedeutet das?

Zuletzt hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, den Klimaschutz in den Verfassungsrang zu setzen. „Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit stärker für den Klimaschutz tätig zu werden. Und zwar auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene“, sagt Nitzschke. Ziel sei es aber, die Planungen mit der Stadt Balve in kooperativer Zusammenarbeit umzusetzen, um mit den Standorten auch kommunale Wertschöpfung zu schaffen.

Wie ist SL mit dem Eigentümer der Fläche übereingekommen?

Es bestehen laut Nitzschke Pachtverträge für die Nutzung der Standorte über die gesamte Laufzeit der Anlagen.

Wann könnten die Arbeiten beginnen?

Der Investor möchte schnellstmöglich loslegen. „Wann das sein wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt der Planungen noch nicht zu sagen. Wir müssen zunächst die Baugenehmigung erhalten und an den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur zur Ermittlung der Förderhöhe von Strom aus erneuerbaren Energien teilnehmen beziehungsweise den Zuschlag erhalten“, sagt Nitzschke.

Wie lange würde der Bau eines solchen 230-Meter-Windrades dauern?

Sollte SL die Genehmigung und den Zuschlag erhalten, plant das Unternehmen mit einem Zeitrahmen von etwa neun Monaten. „Wann wir die Genehmigung erhalten, ist aktuell noch nicht absehbar“, so Nitzschke

Wie wird die An- und Abfahrtszone nach Abschluss der Arbeiten renaturiert?

Für die Anlieferung der Komponenten und Baumaßnahmen sollen möglichst geringe temporäre Maßnahmen an den Wegen vorgenommen werden. „Lediglich die Flächen von Fundament und Kranstellfläche bleiben für die Betriebsdauer versiegelt. Danach wird vollständig zurückgebaut“, verspricht Nitzschke. All dies werde unter anderem durch Aufforstungen und Waldumwandlungen zu Laubwald dauerhaft kompensiert beziehungsweise überkompensiert. Grundsätzlich müssen alle Eingriffe in den Naturhaushalt gutachterlich geprüft und bewertet werden. Dies geschieht im Wesentlichen im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung, die der Märkische Kreis fordert, bevor eine Baugenehmigung erteilt werden könnte. „Schon in der Planung und während der Bauausführung werden die Eingriffe aber so gering wie möglich gehalten“, sagt Nitzschke.

Wo würde die durch die Windräder erzeugte Energie eingespeist?

Dies steht laut SL zum jetzigen Zeitpunkt der Planungen noch nicht fest.

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