Balver Viertklässler entdecken die Welt der Erwachsenen

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Lara Budde und Marie Wortmann schauten gestern Tierärztin Dr. Alexandra Gaberle (rechts) und ihrer Auszubildenden Anja Brinkschulte über die Schulter. Gemeinsam wurde eine Bartagame verarztet. ▪

BALVE ▪ Eine Bartagame aus der Nähe gesehen und sogar gestreichelt hatten Lara Budde und Marie Wortmann auch noch nicht. Gestern durften sie das Reptil mit Dr. Alexandra Gaberle verarzten. Gespannt schauten die Mädchen der Tiermedizinerin über die Schulter. Die beiden Viertklässlerinnen waren als Stöberkinder für zwei Stunden zu Gast in der Tierarztpraxis. Von Annabell Niemand

Zuvor hatten Lara und Marie bereits das Röntgenbild einer trächtigen Wildkatze unter die Lupe genommen, einen Nestling, einen kleinen Vogel, gefüttert und einem Hund tief ins Maul geschaut. Beide Kinder hatten sich den Stöberplatz fest gewünscht. Wie Annette Meller von der Stadtverwaltung berichtete, waren sie damit nicht alleine: „16 Kinder wollten zur Tierärztin.“ Allen konnte der Wunsch deshalb nicht erfüllt werden. Aber für sie fanden sich andere Stöberstellen. Insgesamt hatten 53 Betriebe Stellen für die 94 Stöberkinder der Grundschulen Balve, Beckum und Langenholthausen angeboten. Bei der Begrüßung im katholischen Pfarrheim forderte Karina Baranski, Jugendpflegerin beim Märkischen Kreis, die Mädchen und Jungen auf: „Nase reinstecken, Löcher in den Bauch fragen, nachgucken, hinhören, anfassen und ausprobieren!“

In der Pizzeria Trattoria belegten Estella Tessmer und Daria Drobinog die neun großen Pizzableche für das Mittagessen der Stöberkinder. Julia Rüth, Chantal Ulbrich und Lena Gernert färbten in Petras Haarstudio Strähnchen, drehten Lockenwickler auf und föhnten Puppenköpfe. Begeistert war Salonchefin Petra Marek: „Die Kunden reagieren total gut darauf, auch wenn es trubeliger ist als sonst.“ Das ist auch die Erfahrung, die Kaufpark-Filialleiter Guido Gerken gemacht hat. Seine Stöberkinder halfen beim Ware auspacken, reduzierten Joghurts und scannten die Einkäufe der Kunden an der Kasse. Stolz war da Lukas Alexander Runte: „Viele Leute haben mir gesagt, dass ich ein fleißiger Helfer bin.“ In der Ergotherapiepraxis Hesse lernten Ines Schulte-Bauerdick und Leonie Weißmüller am eigenen Leib, welche Übungen Stefanie Köppe bei Kindern mit Wahrnehmungsstörungen machen kann. Auf Rollbrettern hangelten sich die Mädchen durch einen Bewegungsparcours. Derweil zeigte Sarah Pütz in ihrer Logopädiepraxis Babelfisch Übungen für die Mundmotorik.

Bei der Aktion ging es nicht darum, erste Berufsluft zu schnuppern. „Wir beteiligen die Kinder am Erwachsenenleben“, sagte Karina Baranski. „Zumindest an diesem Tag ist die unsichtbare Wand zwischen Erwachsenen und Kindern aufgehoben. Wir begeben uns auf Augenhöhe.“

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