Stalker aus Balve vor Gericht

Stalker aus dem MK nach 160 gescheiterten Versuchen ohne Einsicht: „Es waren nur E-Mails”

Eine Frau steht an einer Glasscheibe, hinter der ein Stalker steht (gestellte Szene).
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Eine Frau steht an einer Glasscheibe, hinter der ein Stalker steht (gestellte Szene).

Fast 160 E-Mails mit eindeutigen Interessebekundungen hatte ein 45 Jahre alter Mann aus Balve von Ende 2019 bis Anfang dieses Jahres seiner ehemaligen Kollegin aus Werdohl geschickt. Und das, obwohl die Frau bereits nach der ersten Mail deutlich klar gemacht hatte, dass sie keinen Kontakt zum Balver wolle.

Balve/Werdohl - Das hartnäckige und uneinsichtige Verhalten des Mannes brachte ihn schließlich vor den Strafrichter am Amtsgericht Menden. Der Vorwurf: Nachstellung, auch als Stalking bekannt. „Dass ich eine Strafanzeige kassiert habe, macht mich fassungslos“, stellte der Angeklagte von Anfang an klar, dass er nicht verstehe, warum er vor Gericht sitze.

Ja, er habe die Mails geschrieben. Aber: „Ich habe mich ihr nie körperlich genähert. Ich bin noch nie einer Frau zu nah gekommen, wenn sie es nicht wollte. Es waren nur E-Mails. Zu viele, das gebe ich zu.“ Dann holte der Mann weit aus, um zu erklären, wie es zu der Flut von Nachrichten gekommen war. Er habe Interesse an seiner ehemaligen Kollegin gehabt, weshalb er ihr eine Mail geschrieben habe, um sie einzuladen.

Nachdem darauf eine Abfuhr erfolgt war, habe er eigentlich gar keine Nachricht mehr schreiben wollen. „Aber Sie haben es getan“, warf der Richter ein. Das aber nur, so der 45-Jährige, weil er von seinen Kollegen immer wieder animiert worden sei. Sie hätten ihm zugenickt, oder andere Gesten gemacht, hinter denen die Geschädigte gesteckt habe, zeigte sich der Balver überzeugt.

Er gehe davon aus, dass sämtliche Nachrichten von ihm an seine Kollegen weitergeleitet worden waren, diese also immer gewusst hätten, was er der Frau geschrieben habe. Dementsprechend hätten sie dann auf der Arbeit reagiert.

Das konnten weder Richter, noch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft nachvollziehen. Dass ihm jemand zunicke sei doch ein ganz normales Verhalten unter Kollegen, so der Vorsitzende. „Das hat doch nichts mit ihr zu tun.“

Während ein Großteil der Mails immer wieder Einladungen zum Inhalt hatte, gab es auch weitaus pikanterer und aufdringlichere Botschaften. Auszugsweise verlas der Richter ein paar der E-Mails. Es fiel auf, dass der Angeklagte in den Texten mehrfach von sich in der 3. Person sprach und wirres Zeug wiedergab.

Es ging unter anderem um Nacktfotos der 31-Jährigen. In einer Mail machte er klar, dass, wenn sie nicht aufhöre, seine Mails zu ignorieren, es immer schlimmer werden würde. Tatsächlich hatte die Geschädigte nach der ersten Mail auf keine weitere mehr geantwortet.

Auf die Frage der Vertreterin der Staatsanwaltschaft, warum sie denn nicht einfach ihre E-Mail-Adresse geändert oder den Angeklagten blockiert habe, gab die merklich eingeschüchterte Frau im Zeugenstand an, nicht die Kontrolle über die Situation habe verlieren zu wollen.

Auch, wenn sie nicht mehr reagiert habe, habe sie die Nachrichten alle gelesen, um sich auf eventuelle Vorhaben des 45-Jährigen vorbereiten zu können. „Es ist ein psychologischer Zwiespalt“, erklärte die Werdohlerin, die angab, schon lange gar keinen Kontakt mehr zu den Kollegen des Mannes gehabt zu haben. Sie habe sich sehr verändert, sei nicht mehr sie selbst. Dann brach die 31-Jährige in Tränen aus. Bei den Mails war es nämlich nicht geblieben. Zweimal hatte der Angeklagte versucht, sie anzurufen. Dann habe er ihr Blumen nach Hause geschickt. Daran ein Kärtchen: „Ich habe Hunger.“

Schließlich habe sie Strafanzeige erstattet. Etwas, das der Balver nach wie vor nicht verstand: „Ich habe ihr doch nichts getan.“ Der Richter erklärte dem Mann daraufhin, dass für den Straftatbestand des Nachstellens das Schreiben von E-Mails ausreiche. Zu einem Urteil kam es an dem Tag noch nicht.

Aufgrund des Verhaltens des Balvers soll in einem psychologischen Gutachten geklärt werden, ob er aufgrund eines inneren Drucks zwanghaft gehandelt hatte. Es gehe darum herauszufinden, ob der Mann möglicherweise in eine Psychose geraten war, so der Richter. „Ich war psychisch nie erkrankt. Ich war immer unauffällig. Ich habe keine Wahrnehmungsstörungen“, erklärte der Balver von sich überzeugt.

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