Marco Voge (CDU) über seine ersten zehn Monate im Landtag

+
Seit Mai vergangenen Jahres ist der Balver Marco Voge Mitglied des NRW-Landtags.

Balve - Wann die Telefon-Verbindung „dünn“ wird, weiß Marco Voge schon im Voraus: Der CDU-Landtagsabgeordnete kennt die Ausdehnung der drei Funklöcher auf dem Weg von Mellen nach Düsseldorf inzwischen genau.

Am 14. Mai des vergangenen Jahres ist er mit einem Direktmandat in den NRW-Landtag eingezogen. Wie er sich dort eingelebt hat und der Arbeitsalltag eines Abgeordneten aussieht, berichtet Voge im Gespräch mit SV-Redakteurin Carla Witt. 

Herr Voge, Sie sind jetzt seit rund zehn Monaten Landtagsabgeordneter. Ist mittlerweile Routine eingekehrt? 

Marco Voge: Auf keinen Fall! Jeder Tag ist unterschiedlich. Es gibt bis auf die wöchentlichen Fraktionssitzungen, die Ausschusssitzungen und die Plenarwochen keine wiederkehrenden Strukturen. Als Abgeordneter hat man eine Sieben-Tage-Woche, ist immer für die Menschen ansprechbar. Wie viele Stunden ich arbeite, kann ich nicht sagen. Es ist mir auch egal, ich schaue nicht auf die Uhr. 

In welchen Ausschüssen und Gremien wirken Sie mit? 

Voge: Ich bin Mitglied im Haushalts- und Finanzausschuss und im Sportausschuss. Außerdem wirke ich in zwei Parlamentariergruppen mit: NRW-USA und NRW-China. Diese Tätigkeit bietet interessante Einblicke. Kürzlich durfte ich das Generalkonsulat der USA besuchen. Die Kontakte, die ich bei diesen Gelegenheiten knüpfe, können unserer heimischen Wirtschaft nützlich sein. 

Haben Sie noch weitere Aufgaben übernommen? 

Voge: Ich bin Beauftragter meiner Fraktion für die drei evangelischen Landeskirchen und Vorstandsmitglied des fraktionsinternen Parlamentskreises Mittelstand. 

Können Sie einen typischen Arbeitstag beschreiben?

Voge: Nein, denn kein Tag ist wie der andere. Es gibt Wochen, da bin ich nur an einem Tag in Düsseldorf und ansonsten hier im Wahlkreis unterwegs. In anderen Wochen verbringe ich vier Tage in der Landeshauptstadt. Und manchmal bin ich auch am Wochenende dort. 

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus, wenn Sie in Düsseldorf sind?

Voge: Auch das ist immer unterschiedlich. Arbeitskreissitzungen fangen immer um 10 Uhr an, an diesen Tagen fahre ich um 8.30 Uhr los. Von Mellen bis Düsseldorf sind es 120 Kilometer. Ich habe die Strecke schon in einer Stunde und 15 Minuten geschafft, aber auch schon länger als zwei Stunden gebraucht. Donnerstags beginnt die erste Vorbesprechung immer um 8.30 Uhr. Dann fahre ich um 5.30 Uhr in Mellen los. Manchmal bin ich um 18 Uhr, wieder zuhause, an anderen Tagen erst um 23 Uhr. Allerdings nutze ich die Fahrzeit regelmäßig, um Telefonate zu führen. Viele Dinge kann man auf diesem Weg klären, das spart Zeit. Nur die Funklöcher ärgern mich manchmal ein wenig. Von Mellen aus gesehen ist das erste schon im Hönnetal, zwischen Binolen und dem Abzweig nach Deilinghofen.

Sie fahren nach der Arbeit immer zurück nach Mellen?

Voge: Nein. Einmal monatlich sind Sitzungstage von Mittwoch bis Freitag. Dann fahre ich dienstagabends und komme erst freitags zurück. 

Und wo übernachten Sie?

Voge: Es gibt ein Kontingent von 30 Hotelübernachtungen pro Jahr, die jedem Abgeordneten zur Verfügung stehen. Die nutze ich aber nicht, da sie ohnehin nicht ausreichen würden. Ich übernachte in einem kleinen, zweckmäßig eingerichteten Zimmer.

Wie ist Ihr Verhältnis zu anderen Abgeordneten?

Voge: Innerhalb der Fraktion habe ich zu vielen ein herzliches Verhältnis. Ich bin als Neuling sehr gut aufgenommen worden. Allerdings hatte ich den Vorteil, dass mich als ehemaligen Büroleiter des Abgeordneten Thorsten Schick schon viele kannten. Was die Mitglieder anderer Fraktionen angeht, ist es wie im normalen Leben: Mit manchen Menschen kommt man sehr gut klar, mit anderen nicht ganz so gut. 

Was hat Sie an Ihrer neuen Aufgabe bisher besonders begeistert?

Voge: Als Abgeordneter befasst man sich mit einer unglaublichen Themenvielfalt und hat die Möglichkeit, in vielen Bereichen hinter die Kulissen zu schauen. Beispielsweise beim 24-Stunden-Dienst bei der Polizei oder dem Rettungsdienst. Außerdem habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, das ist eine große Bereicherung. Ich bin schon oft auf Probleme angesprochen worden. Hier kann man in den meisten Fällen unbürokratisch Lösungen erarbeiten. Das ist besonders befriedigend.

Also macht Ihnen die Arbeit Spaß?

Voge: Spaß ist das falsche Wort. Sie macht mir Freude. Und ich übe das Amt mit Demut aus, denn ich bin direkt gewählt. Ich darf diese Arbeit machen, mich für die Menschen einsetzen und ihnen eine Stimme geben – egal wie groß oder klein das Problem in den Augen anderer ist. 

Sie sitzen nicht nur im Landtag, sondern auch im Rat der Stadt Balve, im Kreistag und sind Ortsvorsteher von Mellen. Vor der Wahl haben Sie erklärt, alle Mandate weiterhin ausüben zu wollen. Ist es dabei geblieben?

Voge: Auf jeden Fall. Bisher konnte ich alle Ratssitzungen besuchen und fast alle Fraktionssitzungen in Balve. In diesem Jahr werde ich eine Ratssitzung verpassen, da zeitgleich in Düsseldorf Sitzungswoche ist. Ich habe den Wählerauftrag, bis 2020 im Rat mitzuarbeiten, und das ist schließlich mit einer Verpflichtung verbunden. Die Kreistagssitzungen sind kein Problem, sie sind seltener als die Ratssitzungen. Und was das Amt des Ortsvorstehers in Mellen angeht – das werde ich weiterhin gerne ausüben.

Sie sind verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Bleibt bei all diesen Verpflichtungen Zeit für die Familie?

Voge: Ja, allerdings hat sich unser gemeinsames Zeitfenster verschoben. Wir frühstücken fast jeden Tag zusammen. Wenn ich hier im Wahlkreis bin und zwischen den Terminen eine kleine Lücke habe, nutze ich diese Zeit auch mit meiner Familie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.