Balver und Märker schließen Friedensvertrag

Evert von Werminghus unterzeichnet den Friedensvertrag mit den Bewohnern der noch jungen Stadt Balve.

WOCKLUM ▪ Jetzt herrscht Frieden zwischen den Balvern und den Märkern. Einen entsprechenden Vertrag haben am Freitagmittag Evert von Werminghus und Balves Bürgermeister Albert Schüngel geschlossen. Der Friedensvertrag war Teil des Historischen Spiels an der Luisenhütte, das die Museen des Märkischen Kreises in dieser Woche Kindern angeboten hatten.

Vier Tage lang hatten sich die Junioren in das Jahr 1430 versetzt: Balve hatte gerade seine Stadtrechte erhalten und hätte seinen ersten eigenen Markt abhalten können – wären da nicht die ständigen Anfeindungen der Märker gewesen. Während eine Gruppe in die Rolle der kurkölnischen Balver schlüpfte, übernahm eine andere die der märkischen Aggressoren. Den entscheidenden Kampf gewannen die Balver. Doch zum Leben im Mittelalter gehörte nicht nur das Kämpfen. In Küche und Schmiede, Wirtshaus und Gießerei, beim Steinmetz und beim Lederer gingen sie auch ihrer Arbeit nach und stellten Waren für den Markt her. Dafür erhielten die Kinder natürlich auch Geld: sechs Pfennige, die am Freitag zum Abschluss auf dem Markt ausgegeben werden durften. Hier konnten die kleinen Handwerker also den anderen Zünften ihre Waren abkaufen – und wenn das Geld nicht mehr reichte, auch im Tauschhandel erwerben. So lernten sie ganz nebenbei den Zusammenhang von Arbeit und Konsum.

Hier gibt es Fotos von dem Historischen Spiel:

Historisches Spiel an der Luisenhütte 2010

Und nicht nur das vermittelten die zehn Betreuer und Helfer um Museumspädagogin Bernadette Lange den etwa 60 Kindern im Alter zwischen acht und 14 Jahren. Auch die historischen Hintergründe des Konfliktes zwischen Märkern und Kurkölnern haben die Mädchen und Jungen in dieser Woche verstanden. Davon ist Bernadette Lange jedenfalls überzeugt: „Manches war von uns gar nicht so vorgesehen und hat sich erst im Laufe der Woche hier entwickelt“, sagte sie und berichtete beispielsweise von der von den Märkern ersonnenen List, einen scheinbar Verletzten in die Stadt zu schmuggeln, um die Balver zu bestehlen.

Bei allem Bemühen um historische Authentizität – zu echten Handgreiflichkeiten ist es nicht gekommen. So wurde der Kampf zwischen den Gruppen nicht mit Schwertern, sondern mit Schwämmen geführt. Betreuer Markus Groening, der mit der Balver Bürgerwehr den Kampf mit Schwert und Schild übte: „Wir wollen den Kindern ja keine Gewalt vermitteln, sondern ihnen einen Einblick in das Mittelalter verschaffen.“ Das jedenfalls ist gelungen. Und dabei hat so manches Kind erfahren, dass das Leben vor 600 Jahren ganz schön gefährlich und beschwerlich war. ▪ vg

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