Musiker arbeiten im Tonstudio

Balver Lied: Neue Version soll im Juni fertig sein

Elo Badura (rechts) und Sven Paul nehmen das Balver Lied in einer neuen Version auf. Derzeit laufen die Arbeiten im Tonstudio. Sie sollen im Laufe des kommenden Monats abgeschlossen werden.
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Elo Badura (rechts) und Sven Paul nehmen das Balver Lied in einer neuen Version auf. Derzeit laufen die Arbeiten im Tonstudio. Sie sollen im Laufe des kommenden Monats abgeschlossen werden.

Corona lässt auch den größten Optimisten so manches Mal die leisen und dann auch dunklen Töne anschlagen. So ergeht es Musiker Elo Badura (62).

Badura tauschte vor 32 Jahren seine polnische Heimat gegen Deutschland ein. In Balve ist er seit 30 Jahren unter anderem mit „Elo‘s Musikstimmung & Klavierstimmung“ im Gewerbegebiet Glärbach tätig.

„Ich habe eigentlich seit Jahren eine positive Grundeinstellung in meinem Leben“, erzählt Elo Badura im Gespräch mit der Redaktion. „Doch manchmal kann auch ich mich nicht konzentrieren in dieser Corona-Pandemie, und frage mich: wie geht es weiter?“ Ihm fehlen die Einnahmen durch Auftritte bei Veranstaltungen – die beantragte und an ihn ausgezahlte Corona-Hilfe musste er zurückzahlen. „Ich muss mich mit meinem Unterricht durchboxen.“ Hierfür steht er 40 Schülern online zur Seite, denen er für ihr Verhalten sehr gute Noten gibt. „Sie sind zu Hause wesentlich konzentrierter.“

Musik als wirksames Medikament

Wenn er in seiner Musikschule in Balve sitzt oder aber in seiner Wohnung, und ihm fällt die Decke auf den Kopf, dann greift er zu einem wirksamen Medikament: Musik. „Am Schlagzeug, am Klavier oder an der Gitarre kann ich mich auspowern, und dann geht es mir besser.“

Elo Badura hält viel davon, mit Musik in der Corona-Pandemie durchzuhalten. Sein erstes Instrument, eine Gitarre, bekam er mit sieben Jahren. Schnell lernte er alle Tasten- und Saiteninstrumente und auch das Spielen auf dem Schlagzeug. „Wer braucht Noten?“, fragt er, wenn ihm eine Melodie einfällt, die er spontan spielt. Oder aber, wenn von ihm der Jimmy-Hendrix-Klassiker „Hey Joe“ auf der Gitarre erklingt. Die Töne setzt er in seinem Kopf zusammen, drückt sie dann auf seinem Instrument aus. Er ist Autodidakt, der sich sehr viel selbst beibringt, oder aber durch zuhören lernt. So in Polen, wo er als Gitarrist in der Rockband „REK“ (Abkürzung der Vornamen des Trios Richard, Elo und Kasmir) zum ersten Mal auftrat. Daraus wurde später „Universe“, die Band, die seiner Meinung nach führend in der polnischen Rockszene ist. Später spielte er mit Josef Skrzek, dem „Vater der polnischen Rockmusik“ zusammen.

Country-Auftritte mit „Buffalo Bernie and friends“

Als er sich 1989 in Deutschland eine neue Heimat suchte, wurde Badura auch musikalisch schnell fündig, und trat mit „Buffalo Bernie and friends“ in der Country-Szene auf, ist Mitglied in „Country Rose“ und der Beatband „Shape of Sound“.

Daneben hat sich Badura auch als Komponist einen Namen gemacht. 2016 schrieb er das Lied „Papst Franziskus“ für den Papst in Rom. Aus dem Vatikan wurde ihm dafür ein Dankesschreiben zugeschickt. Ebenfalls vor fünf Jahren entstand eine Hymne zur Unterstützung der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der EM in Frankreich. In der Balver Höhle nahm Badura mit seiner Band und mit Unterstützung des Männerchores 1874 Balve das passende Musikvideo auf.

Löw-Team verhinderte Liveauftritt

Sogar die Verantwortlichen des europäischen Fußballverbandes UEFA hätten die Hymne gehört und sich beeindruckt gezeigt. Badura sei deshalb ein Liveauftritt rund um ein Finale mit deutscher Beteiligung zugesagt worden. „Doch die Spieler waren zu schlecht“, blickt Badura zurück. Bekanntlich schied das Löw-Team gegen die Gastgeber nach einer 0:2-Niederlage aus.

Stattdessen reiste der Vollblutmusiker 2016 nach Kalifornien, wo er in mehreren Städten spielte. „Und dabei“, erinnert er sich, „hatte ich die Idee, das Balver Lied ganz neu zu inszenieren.“ Die erste Version auf einer auf einem Flohmarkt in Los Angeles gekauften Gitarre gefiel ihm so gut, dass er am Ball blieb. Es dauerte anschließend aber noch zwei Jahre, bis mit Sven Paul ein gleichgesinnter Musiker gefunden war, mit dem ab Februar 2019 die Idee nach und nach Gestalt annahm.

Marsch ertönt beim Einzug in die Höhle

Beide verpassen dem Balver Lied, das an jedem der drei Schützenfesttage beim Einzug in die Höhle gespielt wird, eine neue Version. Denn dieses Lied ist als Margarethenmarsch von Johann Gottfried Piefke (1815 in Schwerin bis 1884 in Frankfurt/Oder) bekannt. Die Badura/Paul-Version soll bedeutend rockiger daherkommen. „Es ist Mammut-Rock“, sagt Badura zu dem neuen, von ihnen kreierten Musikstil. Inzwischen wird das Balver Lied im Tonstudio von Kai und Ralf Deutschländer in Langenholthausen neu vertont. Im Juni soll alles eingesungen sein. „Ich bin seit 30 Jahren Balver, und dankbar, dass Ihr mich damals so gut aufgenommen habt – Ihr liegt mir am Herzen“, begründet Elo Badura sein Engagement.

Seine neueste Idee ist es, mit Instrumenten die Corona-Krise zu Gehör zu bringen. „Ich bin der Überzeugung, dass sich diese seit mehr als einem Jahr andauernde Problematik durchaus auch hören lassen kann.“ Denn er hat festgestellt, dass die Welt sich irgendwie langsamer drehe, alles eventuell sauberer werde, die Menschen an sich ruhiger und nachdenklicher seien. Dafür muss Elo Badura jetzt nur noch die richtigen Töne finden.

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