Afrikanische Schweinepest: „Existenzen stehen auf dem Spiel“

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Thomas Fabry züchtet Schweine auf seinem Hof in Langenholthausen.

Balve - Auf den ersten Blick ist die Welt für die heimischen Landwirte, die sich auf Schweinezucht spezialisiert haben, in Ordnung. Die Nachfrage nach Schnitzel, Kotelett und Wurst ist ungebrochen hoch. Und doch geht bei den Züchtern die Angst um, dass die seit 2014 in den baltischen Staaten und Polen registrierte Afrikanische Schweinepest bald die deutsche Grenze überschreiten könnte.

Unsere Zeitung hat mit Thomas Fabry (24) gesprochen, der in Langenholthausen seinen Hof mit Schweinezucht hat. Dazu ist Fabry im Landwirtschaftlichen Ortsverband Balve im Vorstand tätig, dazu im Kreisverband zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. 

Herr Fabry, wie ist die Situation aktuell, nachdem Sie uns im November einen ersten Überblick gegeben haben? 

Thomas Fabry: Die Afrikanische Schweinepest ist mittlerweile in Warschau angekommen. Man hat Angst, dass diese Krankheit plötzlich über Nacht Deutschland erreicht. Es ist zwar so, dass Wildschweine als Überträger der Schweinepest nicht innerhalb kurzer Zeit hunderte Kilometer zurücklegen können, aber ein Risiko ist auch der Fernlastverkehr, mit dem das Virus aus Osteuropa zu uns gelangen könnte. Zugleich können verseuchte Fleischwaren ins Land kommen, die achtlos weggeworfen oder im Müll entsorgt und dann von Wildschweinen gefressen werden. Diese mit der Afrikanische Schweinepest verseuchten Fleischwaren sind für den Menschen ungefährlich, das Wildschwein aber überträgt die Krankheit an die Hausschweine weiter. Diese erkranken und müssen getötet werden. Einen Impfstoff gegen die Seuche gibt es noch nicht. 

Welche Schutzmaßnahmen können Sie und ihre Kollegen treffen? 

Fabry: Wir stellen Zäune auf, die das Eindringen der Wildschweine in unseren Hof verhindern. Sonst hilft nur konsequentes Umziehen, das heißt: Nicht mit der Kleidung von der Straße oder aus dem Wald in den Stall. Die Wechselkleidung einschließlich Stiefel und Desinfektionsmittel liegt immer bereit. Mehr an Sicherheit geht nicht, und dennoch gibt es keinen 100-prozentigen Schutz. Zwar gibt es einige Versicherungen, die das Risiko einer Insolvenz abdecken, falls der eigene Bestand betroffen ist und getötet werden muss, doch sind diese nur begrenzt verfügbar. 

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung? 

Fabry: Die immer wieder auftretenden plötzlichen und großen Sprünge, die die Schweinepest in unsere Richtung unternimmt, machen mir große Sorgen. Es fällt schwer abzuschätzen, wie sich die Seuche in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird. Noch ist zwar keine Region in Deutschland betroffen, wenn aber der erste Fall auftritt, müssen alle regionalen Schweinebestände getötet werden. Dann stehen Existenzen auf dem Spiel und der Export an Schweinefleisch dürfte einbrechen.

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