Balver Landfrauen nehmen an Projekt der Uni Bielefeld teil

+
Franziska Bergner (links) und Meike Glawe (rechts) haben das Sprachverhalten von Marianne Lösse (Zweite von links), Maresi Kleine (Mitte) und Elisabeth Schmoll untersucht. J

LANGENHOLTHAUSEN ▪ Seit etwa drei Jahrzehnten finden in allen Teilen Norddeutschlands grundlegende Sprachveränderungen statt. Ob an der Nordsee oder im Sauerland – Sprachwissenschaftlern bietet sich ein reiches Forschungsfeld. Teil des groß angelegten Projekts „Sprachvariation in Norddeutschland“ von sechs Universitäten sind auch vier Frauen aus Balve: Maresi Kleine, Marianne Lösse, Elisabeth Schmoll und Monika Schwartpaul.

Über den Stand des Forschungsprojekts berichteten Meike Glawe und Franziska Bergner, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Universität Bielefeld, gestern 20 Landfrauen im Haus Habbel. „Ich bin gespannt, was aus der Geschichte, die für uns vor drei Jahren begonnen hat, geworden ist“, leitete Adelheid Lösse, Vorsitzende der Landfrauen, ein.

Meike Glawe berichtete, dass mit der Untersuchung ein genaues Bild des heutigen Sprachspektrums zwischen hochdeutscher Standardsprache und niederdeutschem Dialekt gezeichnet werden soll. Sie und ihre Kollegen haben dazu die norddeutsche Sprachlandschaft in verschiedene Dialektgebiete eingeteilt. Balve fällt in den südlichsten Zipfel, in den südwestfälischen Raum. Aus jeder der 18 Regionen wurden zwei Ortschaften ausgewählt. Überall stellten sich vier Frauen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren, die am Ort geboren und aufgewachsen sind, zur Verfügung. Auch Kleine, Lösse, Schmoll und Schwartpaul lasen Texte vor, stellten sich einem Interview und nahmen ein Aufnahmegerät mit in den Kreis ihrer Familie. „In der ersten Phase des Projekts haben Sie aktiv mitgemacht“, unterstrich Meike Grawe.

Untermalt mit einigen Hörbeispielen präsentierten die Sprachforscherinnen die Ergebnisse. In Wörtern wie „Hamburg“ oder „Weg“ sei es zum Beispiel typisch das „g“ zum „ch“ zu machen. Allerdings sei es im hiesigen Raum unüblich, in Worten wie „gehen“ das „g“ zum „j“ zu machen. Das sei mehr in Ostdeutschland der Fall.

Franziska Bergner berichtete, dass die Balver Teilnehmerinnen Plattdeutsch verstehen, aber nicht sprechen. Die Experten sprechen von einer „passiven Niederdeutschkompetenz“. Weil die Balver an der Grenze zur südlichen Hälfte Deutschlands liegen, seien sie unsicher, ob ihr Heimatdialekt dem Niederdeutschen zuzuordnen sei. Außerdem: „Der Dialekt ist hier nicht im Alltag verankert“, so Bergner. Sie und ihre Kollegen kommen zu dem Schluss: „Balve ist ein dialektschwacher Ort.“

„Es ist interessant, was aus den Aufnahmen geworden ist“, sagte Marianne Lösse. „Es ist schön, Teil eines Projekts zu sein und Studenten mit seinem Wissen Hilfestellung geben zu können.“ Erst in einem Jahr wird das Projekt abgeschlossen sein. ▪ Annabell Niemand

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare