Balver geht nach sexuellem Missbrauch ins Gefängnis

BALVE/HAGEN ▪ Nach sieben Verhandlungstagen hat die Vorsitzende Richterin des Landgerichts Hagen am Dienstag das Urteil im Prozess gegen den 47-jährigen Balver verkündet: Vier Jahre und drei Monate Haft.

Nach Überzeugung der Kammer hatte sich der Mann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und zweifachen schweren sexuellen Missbrauchs strafbar gemacht. Für das Gericht stand fest, dass sich der Angeklagte als Fußballtrainer zwischen dem 31. August und dem 21. Dezember 2006 einem damals 13-jährigen Jungen mehrfach auf sexuelle Weise genähert hatte.

Nachdem sich die beiden 2003 kennen gelernt hatten, war der Balver mehr und mehr „fester Bestandteil im Leben des Jungen geworden. Er war Vaterersatz und Helfer”, so die Kammer in ihrer Urteilsbegründung. In der Familie des heute 17-Jährigen Jugendlichen war es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen durch den Vater gekommen. „Im Angeklagten fand der Junge das, was ihm zuhause fehlte. Er war für ihn eine echte Vertrauensperson”, so die Staatsanwaltschaft, die vier Jahre Haft gefordert hatte.

Bis Mitte 2006, so die Ansicht des Gerichts sei das Verhältnis des Jungen zum Angeklagten durchweg positiv gewesen. „Dann veränderte sich die Beziehung jedoch. Jetzt regten sich sexuelle Gedanken im Angeklagten“, so die Vorsitzende Richterin. Trotz der Vorkommnisse war die Beziehung jedoch bis zuletzt bestehen geblieben. „Festgestellt werden kann, dass der Kontakt bis Anfang dieses Jahres durchweg bestanden hat.” Die Erklärung dafür sei ein durch den Balver geschaffenes Abhängigkeitsverhältnis. „Der Junge hatte viele Vorteile durch den Angeklagten. Ihm hat es gefallen, die Chauffeurdienste des Angeklagten in Anspruch zu nehmen” , so die Staatsanwaltschaft. Und: „Ohne die Taten wäre der Angeklagte ein perfekter Vater gewesen.” Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Kammer stellten übereinstimmend fest: „Der Angeklagte wird durch die Aussage des Jungen überführt. Die ist glaubhaft.”

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Schilderungen des Jungen sind glaubhaft

Genau das bezweifelte hingegen der Verteidiger des Balvers, Rechtsanwalt Albrecht Hammermann: „Ich sehe Fehler im Gutachten”, zweifelte er die Expertise an, die bestätigt hatte, dass die Aussagen des Jungen unter anderem durch detailreiche Schilderungen glaubhaft seien. Nach Ansicht des Verteidigers hatte der 17-Jährige jedoch keine komplette und flüssige Darstellung der einzelnen Abläufe wiedergeben können. Stattdessen habe er nur stockend erzählt. Auch zweifelte er die Art der Vernehmung des Jungen an. Am Ende forderte er einen Freispruch für seinen Mandanten. Ob er gegen das letztlich verkündete Urteil vorgehen wird, ist noch offen. ▪ jape

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