Gespräch mit CDU-Generalsekretär Ziemiak

Coronavirus in Balve: Gastronomen kritisieren Corona-Politik

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CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (rechts) tauschte sich in Eisborn mit heimischen Gastronomen über die Folgen der Corona-Krise aus.

Eisborn – Viele Gastronomen fühlen sich nach der langen Zwangsschließung ihrer Betriebe als große Verlierer der Corona-Krise.

Diese Unzufriedenheit bekam CDU-Bundesgeneralsekretär Paul Ziemiak deutlich zu spüren, als er sich am Dienstagabend bei einem Meinungsaustausch mit heimischen Gastronomen und Vertretern der Lebensmittelbranche im Hotel Zur Post in Eisborn viel Kritik anhören musste. 

„Auf lange Sicht bricht uns das Geschäft weg“, sagte Britta Spiekermann, Inhaberin der Eisborner Antoniushütte. „Wir leben von Stammgästen und vor allem von Familienfeiern und Firmenversammlungen.“ Doch bei Maximal zehn Personen an einem Tisch und unter Berücksichtigung der Abstands- und Hygieneregeln könne bei Geburtstagen keine Stimmung aufkommen. 

Coronavirus in Balve: Profitiert auch die heimische Region?

„Auch diese Krise werden wir bewältigen“, meinte „Zur Post“-Klaus Dornsiepen, schränkte allerdings auch direkt ein: „Diese Krise hat aber eine ganz andere Qualität als die vorherigen.“ Ziemiak wollte damit beruhigen, dass die heimische Gastronomie davon profitieren könne, wenn in den Ferien mehr Urlaub in Deutschland verbracht würde – doch anstelle von Zustimmung bekam der Politiker dafür nur Kritik. Britta Spiekermann: „Wir sind hier in Eisborn, und nicht am Starnberger See oder an der Nordsee.“ 

Die Gastronomin befand, dass die heimische Kulturlandschaft, zu der sie auch Hotels und Restaurants zählt, insgesamt zu gering als Wirtschaftsfaktor bewertet werde: „In Zukunft werden nur noch Systemgrastonomen und Kettenhotels von ausländischen Investoren die Kultur bestimmen.“ Ihre Branche sei zwar ein „Luxussegment“, sagte Spiekermann, und damit nicht systemrelevant. Dennoch sei sie Teil der heimischen Kulturszene. 

Kommission für den Märkischen Kreis

Der CDU-Generalsekretär versprach, diese Anregung mit nach Berlin zu nehmen, brachte als Möglichkeit aber auch eine Kommission für Tourismus und Gastronomie im Märkischen Kreis ins Spiel. 

„Die bisherigen Rahmenbedingungen sind für uns ungünstig“, sagte Carl Grote, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei, der auf Umsatzverluste in den City-Cafés hinwies. Mathias Jedowski von der Landmetzgerei Jedowski wies für seinen Familienbetrieb darauf hin, dass Partyservice und Gastronomiebelieferung deutlich zurückgegangen sei. „Dafür läuft unser Thekengeschäft besser.“ Ziemiak verwies in diesem Zusammenhang auf die Senkung der Mehrwertsteuer zum 1. Juli: „Wir wollen einen Impuls setzen, dass schnell etwas passiert.“ 

Eigeninitiative ist gefragt

Viel macht Britta Spiekermann von möglichen weiteren Lockerungen ab Mitte Juni abhängig. Dann endet auch die weltweite Reisewarnung der Bundesregierung. Sie betonte die Widersprüchlichkeit, von Seiten der Politik nur viele Worte zu hören, wenn es um die Unterstützung der Wirtschaft vor Ort gehe, andererseits aber bald tausende Menschen nach Mallorca fliegen zu lassen. „Der Tourismus hier wird von der Politik mit Füßen getreten“, stellte Spiekermann fest. 

Sie müsse nun ganz viel Eigeninitiative investieren, um ihr Haus wieder attraktiv zu machen. Unter anderem Alpaka-Wanderungen und Bike-Touren sollen demnächst zum Angebot gehören. „Nur wenn wir uns in den Betrieben selbst kümmern, passiert etwas.“ Abhilfe zu schaffen versprachen die anwesenden CDU-Ratsmitglieder Alexander Schulte und Hubert Sauer sowie der CDU-Landtagsabgeordnete Marco Voge. Sie wollen den Märkischen Kreis als Wirtschafts- und Erholungsregion mit guten Hotels und Restaurants attraktiver machen. Wie dies geschehen soll, sagten die Politiker allerdings nicht.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker. 

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