"Fische haben keine Lobby"

Balver Fischer klagen wegen Fischsterbens: Verfahren zieht sich hin

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Etliche tote Fische holten die Fischer im Sommer 2015 aus dem Fluss.

Balve – Seit 2015 läuft die Klage der Balver Fischer: Sie glauben, dass das Klärwerk Neuenrade Schuld am Fischsterben hat. Doch im Verfahren ist kein Ende in Sicht.

„Fische haben keine Lobby!“ Wilfried Gerken hatte während der Jahreshauptversammlung der Fischereigenossenschaft Balve am Mittwoch keine anderen Worte für das, was sich seit dem Fischsterben im Sommer 2015 in der Hönne getan hat. Seinerzeit starben plötzlich im Verlauf der Hönne im Gewerbegebiet Braukhaussiepen viele Fische. 

Die Ursache dafür sehen die Fischereigenossen mit aktuell 110 Mitgliedern in der Kläranlage Neuenrade, aus der zu viele Stoffe ungefiltert ausgetreten seien. Mit diesem Vorwurf zog die Genossenschaft vor Gericht; behandelt wird das Verfahren am Landgericht Arnsberg. 

Pestizide gefunden

Geklagt wird gegen den Ruhrverband, der die Kläranlage in Neuenrade unterhält. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV), das nach dem Fischsterben von der Unteren Wasserbehörde des Märkischen Kreises für die Untersuchung eingeschaltet worden war, hatte 2015 Pestizide als Ursache ausgemacht, die Herkunft jedoch nicht genau bestimmen können. 

Peter Glasmacher, langjähriger Geschäftsführer der seit 1979 bestehenden Genossenschaft, berichtete in der Gaststätte Habbel über den Stand der Dinge. So seien bisher drei Gutachter tätig gewesen, und der Anwalt der Gegenseite habe sein Mandat niedergelegt. „Der Prozess verzögert sich deshalb immer wieder“, fasste Glasmacher zusammen. 

Fünf Vorfälle: Pächter gibt auf

Und weil sich nichts tut, hat Wilfried Gerken auch die Pacht dieses Teilstücks nach zehn Jahren nicht verlängert. Er berichtete über fünf Vorfälle von Fischsterben, die er in diesem Zeitraum verzeichnet habe. 

Die Fischereigenossenschaft vermutet auch hier die Kläranlage in Neuenrade als Verursacherin, kann bisher aber nichts beweisen. Streitwert liegt bei 30 000 Euro Nach dem größten Unfall vor rund dreieinhalb Jahren schlugen die Fischer dann den Rechtsweg ein, wobei sie ein selbstständiges Beweissicherungsverfahren beantragt haben. 

Streitwert 30.000 Euro

Der Streitwert wurde auf 30 000 Euro festgelegt: Zugrunde gelegt wurde dabei die jährliche Pacht in Höhe von 3000 Euro für zehn Jahre. Erst nach dieser Zeit soll sich der Fischbestand wieder erholt haben. Aktuell sieht es in der Hönne noch schlecht aus, weiß Genossenschaftsvorsitzender Heinrich Stüeken. „Eine Generation an Fischen fehlt.“ 

Die Genossen hoffen darauf, dass die Natur sich selbst erholt. Mehr sei im laufenden Verfahren nicht möglich zu tun. Der Ruhrverband wollte sich am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern, stellte aber eine Erklärung für die kommende Woche in Aussicht.

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