Planbau-Gesellschaft steht vor der Auflösung

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Alfons Rath, Geschäftsführer der Planbau GmbH & Co. KG, hat die Geschichte der Bauträgergesellschaft in einem dicken Buch festgehalten. Auch alte Fotos des damals noch maroden Drostenhauses sind darin zu sehen.

Balve - „Die Planbau hat mit dem Verkauf des Drostenhauses ihr Ziel erreicht“, erklärte Alfons Rath, Geschäftsführer der 1973 gegründeten Bauträgergesellschaft, unserer Zeitung. Matthias Camminady hatte das geschichtsträchtige Gebäude im August gekauft, sodass damit das entscheidende Kapitel von Planbau beendet werden konnte. Deshalb hat Christel Bathe als Planbau-Eigentümerin die Auflösung der Firma beim Amtsgericht in Arnsberg veranlasst.

Aber so ganz geht Planbau dann doch nicht, denn der bisherige Geschäftsführer Alfons Rath wurde von Christel Bathe damit beauftragt, die etwa 100 Wohnungen in Neuenrade und Balve weiterhin vom Büro am Mühlenweg aus zu verwalten.

Gegründet wurde das Unternehmen, weil vor 45 Jahren in Balve Grundstücke, Wohnungen und Häuser fehlten. Alfons Rath gewährte einen Blick in die Geschichte: „Damals gab es einen Balver, der eine Wohnung suchte und keine fand. Deshalb zog er nach Hachen.“

Rath, gelernter Grundstücks- und Wohnungswirt, gründete gemeinsam mit Architekt Helmut Hedt, dem Balver Sparkassen-Direktor Hubert Hahn und Horst Bathe, einem Fachmann für Versicherungen und Hypotheken, die Bauträgergesellschaft Planbau GmbH & Co. KG. Später kam auch „Joe“ Hering hinzu.

Aus Ackerland werden Baugrundstücke

Sie machten sich daran, Grundstücke aus Ackerland und Grünflächen zu erschließen und unbebaut oder mit einem Haus zu verkaufen. Nach dem Tod von Horst Bathe übernahm dessen Ehefrau Christel Bathe, Buchhalterin, die Nachfolge.

„Die Zahl 150 spielt in unserer Geschichte eine große Rolle“, betont Rath. „Denn 150 Wohnungen haben wir gebaut.“ Es wurde den Interessenten damals ein Rundum-Sorglos-Paket geschnürt mit Wohnungs- und Hausbörse sowie der Vermittlung von Landesdarlehen.

Die schäbigste Ecke von Balve

Und dann wurde am 7. Juli 1977 das Drostenhaus ins Sortiment mit aufgenommen. „Das war damals die schäbigste Ecke in Balve“, erinnerte sich Rath. Für 150.000 Mark kaufte Planbau das historische Gebäude, für das sogar schon eine Abbruchgenehmigung vorlag, von der Sparkasse.

Doch Planbau dachte vielmehr an Erhalt, und sorgte dafür, dass das Denkmalamt aus Münster die Sanierungen bewilligte. Nach acht Jahren waren sämtliche Arbeiten beendet und 1,11 Millionen Mark verbaut. Beim Tag der offenen Tür im November 1977 sahen sich 1000 Leute das Drostenhaus an. „Davon waren wir völlig überrascht“, blickt Alfons Rath zurück, der Mitte 1978 sein Büro im Drostenhaus bezog – mit Möbeln von Balves Ehrenbürger Theodor Pröpper als Leihgabe.

1978 war auch das Jahr, in dem der Drostenkeller ausgebaut wurde. Danach wurde das „Drostenzelt“ angeschafft, das bis in die 90-er Jahre für Konzerte auf dem Drostenplatz genutzt wurde.

Aldi nach Balve geholt

Aber Planbau machte auch möglich, dass Aldi nach Balve kam. 1983 eröffnete der Discounter seine Filiale am Stadtgraben. Als die 1994 an die Hönnetalstraße verlegt wurde, entstanden am alten Standort neue Wohnungen.

Es lief offensichtlich gut in all den Jahren, in denen für viele Menschen ein neues Zuhause geschaffen wurde, wobei Förderungen durch die Stadt Balve hätten hilfreich sein können. Das gilt auch für das Drostenhaus, für das sich die Stadt Balve seit etwa zwei Jahren zwar interessierte und deshalb ein Kaufangebot machte. Dieses Gebot, gibt Alfons Rath zu verstehen, blieb jedoch weit hinter dem des anderen Interessenten zurück.

Unterstützung der Stadt vermisst

Auch bei der Planung des Baugebietes Balve-Süd, so der Geschäftsführer, gab es Probleme: „Acht Jahre lang hielt uns die Kommune hin, die dann 1988 selbst Eigentümer des Baugebietes wurde.“

Die 45-jährige Erfolgsgeschichte findet nun ihren Abschluss. „Mit ihr verbinden sich wesentliche Entwicklungen in dieser Stadt“, stellte Alfons Rath in seiner Bilanz zufrieden fest. Die Firmengeschichte ist dokumentiert in einem großen, schweren Buch mit Ledereinband. „Alles für die Ewigkeit festgehalten“, sagte Alfons Rath und blättert die letzte Seite um.

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