Alle leben wie in einer Familie

Nadine Binnberg leitet die Kinder- und Jugendwohngruppe in Beckum.

BECKUM ▪ Vielleicht ist Beckum nicht der Mittelpunkt der Welt, für manche Kinder aber der Ort, wo sie eine einigermaßen heile Welt erleben. In der Kinder- und Jugendwohngruppe Balve mitten im Dorf erfahren die Mädchen und Jungen einen geregelten Tagesablauf und dass immer jemand zu Hause ist, wenn sie aus der Schule kommen. Von Julius Kolossa

Nadine Binnberg, Pädagogische Leiterin des fünfköpfigen Teams, zu dem auch eine Anerkennungspraktikantin gehört, sagt: „Hier leben sie wie in einer Familie.“

Die acht Kinder zwischen neun und 17 Jahren gehen in umliegende Schulen und Berufskollegs, sind Mitglieder in Vereinen. Aus ganz Nordrhein-Westfalen kommen sie, nachdem sie aus den verschiedenen Gründen aus ihrem familiären Umfeld genommen wurden.

„Unser Haus ist vernetzt mit den Jugendämtern“, beschreibt Binnberg die Vermittlung. Mindestens zwei Jahre sind die Kinder in der Wohngruppe, integriert in eine Gemeinschaft mit Rechten und Pflichten. „Unser Ziel ist die schnellstmögliche Rückführung in ihre Familien“, erzählt Binnberg. Eine Rückkehr gelinge aber nur in den seltensten Fällen.

Deshalb bemühen sich alle, die Bewohner zu selbständigen Menschen zu erziehen, die spätestens mit 18 Jahren ausziehen müssen. Auch dann findet weiterhin eine Betreuung statt. „Auch heute haben wir noch Kontakt mit Ehemaligen, die sich gerne an die Zeit bei uns erinnern.“

Die Idee für eine solche Einrichtung hatten 1974 die Sozialpädagogen Rosita und Siegfried Schmidt, die zunächst in Blintrop ein Kinderhaus betrieben. Ein Jahr später kauften sie in Beckum eine alte Pension und machten daraus eine sozialpädagogische Lebensgemeinschaft, in der sie ihre eigenen und fremde Kinder zusammen erzogen. 2005 erfolgte die Umgestaltung in die Kinder- und Jugendwohngruppe. Vor einem Jahr gaben die Schmidts die Trägerschaft ab an die Gesellschaft für Jugendhilfe Plettenberg.

Auch nach dem Tod seiner Frau ist Siegfried Schmidt nach wie vor in Beckum tätig. Die Leitung hat in diesem Jahr Nadine Binnberg übernommen, nachdem sie schon zwei Jahre hier gearbeitet hat.

Sie und ihre Kollegen sind immer als Ansprechpartner für die Kinder da; gemeinsam unternehmen sie Ausflüge und fahren in den Urlaub. Zu Weihnachten ist es wieder Sache der Erwachsenen, den Weihnachtsbaum zu schmücken. Diesen bekommen die Kinder erst an Heiligabend das erste Mal zu sehen. „Schön sind die strahlenden Gesichter“, freut sich die Leiterin schon darauf. Ihr Wunsch für Weihnachten: „Ich wünsche mir, mehr Zeit für die einzelnen Kinder haben zu können.“

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