Heimatforscher Ahrens am Wachtloh unterwegs

Auf Schildern entlang des Weges waren verschiedene Themen festgehalten. - Foto: Kolossa

Balve -  „Wir tun aber im Jahr 2014 nichts anderes als um 1600“, leitete Heimatforscher Werner Ahrens jetzt die Meditation ab dem Kreuz am Wachtloh bis zur Hexenstele ein. Denn um 1600 sei es gewesen, als 300 Frauen und Männer aus dem damaligen Amtsbezirk Balve als Hexen und Zauberer verurteilt und hingerichtet wurden.

Den Weg zur Hinrichtungsstätte gingen jetzt 24 Frauen und Männer mit unter dem Motto: „Dieser Weg wird kein leichter sein“. Und dies bei dem denkbar größten Kontrast: bei bestem Urlaubswetter in der heutigen Zeit mit Meinungsfreiheit. An 14 Stationen, deren Schilder Werner Ahrens vor zehn Jahren wie den Kreuzweg Jesu gestaltet hat, wurde inne gehalten. Jeweils gab es kurze besinnliche Texte unter der Überschrift der Kreuzweg-Station. So lautete die Überschrift zur 1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt: „Wie oft verurteilen und verspotten wir einander, machen einander fertig. Viele zeigen auf das Schlechte der anderen, um selber besser dazustehen.“ Diese wenigen Worte reichten in Verbindung mit den stilisierten Schildern aus, sich eigene Gedanken zu machen. In sich versunken, ging jeder den Weg weiter bis auf den mit über 300 Metern gemessenen höchsten Punkt. Dort, wo sich, so Werner Ahrens, „Himmel und Erde berühren“, erinnerte die 2006 errichtete Hexenstele an das, was seinerzeit Menschen einander angetan haben. Bürger zeigten einander an – der Rat stimmte dem Urteil zu. Deshalb, weil jeder eine Mitschuld trug, war es schwierig, dieses Thema aufzuarbeiten, so Ahrens.

Parallelen zu heute ließen während der 1,5 Kilometer langen Strecke das Vergangene spürbar werden. „Wie schnell urteilen wir über andere! Wie schnell machen wir eine Person, die uns im Weg ist, zum Ärgernis! Dichten ihr etwas an – heute sagte man Mobbing dazu, es hört sich nicht so schlimm an.“

Diese Gedanken, am Wachtloh-Kreuz vorgetragen, gingen die ganze Zeit mit. An der Stele mahnte Werner Ahrens, diesen Kreislauf von Verleumdungen und Denunzierungen zu durchbrechen, und statt dessen Lebensmut und Freude zu geben. Viel Beifall gab es für den engagierten Balver am Ende dieser Meditationsreise, zu der abschließend das Pröpper-Lied: „Verklingender Tag“ gesungen wurde.

Von Julius Kolossa

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