Kirche gewährt Blick hinter Verhandlungskulissen

Pfarrer Andreas Schulte hat im Namen des Kirchenvorstandes auch Kritik am Verhalten einiger Balver geübt.

BALVE ▪ Einen Blick hinter die Kulissen der Verhandlungen bezüglich der Rettung des St.-Marien-Hospitals gewährt Pfarrer Andreas Schulte jetzt im Namen des Kirchenvorstandes St. Blasius allen Interessierten. Im Rahmen der Gottesdienste am Wochenende haben die Seelsorger auf das Informationsblatt mit dem Titel „Unser St.-Marien-Hospital für Erstversorgung gerettet“ hingewiesen.

Es liegt in allen Kirchen des Pastoralverbundes aus. Die Geistlichen kündigten an: „Es ist ein Zeitdokument... Wie aber trotz aller Hindernisse in dieser Zeit eine für die Zukunft tragbare Lösung entwickelt werden konnte, das stellt unser ganz aktuelles Informationsblatt ausführlich dar.“In der besagten Veröffentlichung schreibt Pfarrer Schulte unter anderem:

„In seiner ursprünglichen Form war das St.-Marien-Hospital nicht zu retten. ,Not macht erfinderisch‘, sagt man. Und tatsächlich ist unter dem Druck der Ereignisse mit Hilfe vieler engagierter Köpfe eine deutliche Neuausrichtung in seiner Zweckbestimmung erfolgt. Es ist etwas ganz Neues entstanden, das als ,Balver Modell‘ in Fachkreisen sogar weit über unsere engere Heimat hinaus gehandelt wird...

Vor mir liegt eine Schrift. Sie enthält die ausführlich dokumentierten Beratungen und Beschlüsse, Verhandlungen und Entwicklungen, die seit etwa Anfang November des Vorjahres durch unseren Kirchenvorstand beziehungsweise auf seine Veranlassung hin und mit Unterstützung unseres Rendanten und des Balver Bürgermeisters erfolgten.“ Viele seien an dem Erfolg beteiligt gewesen – unner anderem die Familie Hertin – erklärt der Pfarrer und weist auf deren „erhebliches finanzielles Engagement“ hin.

Weiter schreibt der Leiter des Pastoralverbundes: „Beim Blick in die vor mir liegende Chronologie, erinnere ich mich lebhaft an die daraufhin erfolgten zahlreichen Verhandlungen und Beratungen, Besichtigungen und Besuche – natürlich auch im Generalvikariat in Paderborn – mit Vertretern unseres Kirchenvorstandes und Experten, die wir zu Rate gezogen hatten. Nur wenig davon drang nach außen. Zu groß war die Brisanz des Themas, nämlich – wenn schon ein Erhalt des Hauses mit seinen chirurgischen und internistischen Abteilungen nicht durchsetzbar war – dann doch eine angemessene Loslösung aus der damaligen Trägerschaft zu erreichen.“

Schulte: „Zudem aber galt es, möglichst nahtlos eine neue Aufgabenstellung für das Haus zum Wohle der Menschen zu entwickeln. Das aber kann nur auf einer wirtschaftlich soliden Grundlage gelingen – und dazu braucht man mindestens einen potenten und kooperationsbereiten Partner, wie wir ihn ja inzwischen gefunden hatten. Das alles dauerte seine Zeit, aber die hatten wir nicht. Der Druck von Seiten der ,veröffentlichten Meinung‘ in Printmedien wuchs, damit auch die Kritik am Kirchenvorstand wegen (scheinbar) mangelnder Aktivitäten.“

Die mehrere Monate andauernde „Klausurphase“, während der die Mitglieder des Kirchenvorstandes aus „diplomatischen Erwägungen“ heraus zum Stillschweigen verurteilt gewesen seien, hätten den Nährboden für Spekulationen und Fehldeutungen gebildet, klagt der Pfarrer. Er schreibt: „Es entstand Freiraum für aggressive Leserbriefe und provozierende Kommentare. Da lehnte sich manch einer sehr, sehr weit aus dem Fenster. Ich gebe gerne zu: Leicht war das nicht, weder für die Mitglieder des Kirchenvorstandes, noch für weitere beteiligte Personen, denen ich danke. Meinen Ärger will ich auf jene begrenzen, die sich einseitig beziehungsweise destruktiv geäußert haben, obwohl sie es besser hätten wissen können.“

Der Seelsorger wird noch konkreter: „,Da lässt der Pfarrer aber mal so richtig Dampf ab‘, könnte man meinen und sich fragen, ob diese Kritik berechtigt ist. Wer hat wann was getan für den Erhalt unseres St.-Marien-Hospitals? Wer hat der Versuchung nicht widerstehen können, sich mit fremden Federn zu schmücken? Wer hat diese Gelegenheit zur persönlichen Abrechnung mit der katholischen Kirche genutzt? Die Dokumentation über die Beratungen und wichtigen Beschlüsse, die zahlreichen Verhandlungen und erfolgreichen Entwicklungen werde ich unserem Pfarrarchiv übergeben. Möge die Schrift dort ruhen. Jedoch könnte sie – unter Berücksichtigung des Schutzes Beteiligter – aber auch Zeugnis geben, wenn es der Gerechtigkeit dient.“

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