Balve Optimum: Wirtschaftsgespräch auf Schloss Wocklum

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Imposant war die Liste prominenter Vertreter der südwestfälischen Wirtschaft und zahlreicher Politiker beim Wirtschaftsgespräch am Rande des Balve Optimum.

Balve - Droht dem Wirtschaftsstandort Deutschland der Niedergang, oder sind Gesellschaft und Unternehmen gut aufgestellt für die Zukunft? Im Spannungsfeld dieser Frage gab es am Freitag sehr unterschiedliche Standpunkte beim Wirtschaftsgespräch im Rahmen des Balve-Optimum.

Gastgeberin Rosalie Freifrau von Landsberg-Velen begrüßte prominente Wirtschaftslenker und Politiker zwischen gemalten Ansichten von Venedig im prächtigen „Spiegelsaal“ von Schloss Wocklum. 

Auf dem Podium saßen sich die Unternehmerin Sevgi Ates und Paul Ziemiak (Vorsitzender der Jungen Union und Bundestagsmitglied) gegenüber. Moderieren sollte der Steuerberater, Dozent und Buchautor Prof. Dr. Jörg Ottersbach, der allerdings lieber Öl ins Diskussionsfeuer goss, als mäßigend und vermittelnd auf die Diskussion einzuwirken. 

Herausforderungen nicht mehr gewachsen? 

Sevgi Ates wünschte sich ein Land nach den Bedürfnissen von Unternehmen: Weniger gesetzliche und ordnungsrechtliche Vorgaben und Regeln, attraktivere Rahmenbedingungen für Fachkräfte, leistungsorientierte Schulen mit mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Schwerpunkten. Die Unternehmerin machte sich Sorgen: Weil Chinesen deutsche Technologieunternehmen kaufen, weil ausgebildete Fachkräfte abwandern, weil das deutsche Schul- und Bildungssystem den Herausforderungen angeblich nicht mehr gewachsen sei. 

Moderator Jörg Ottersbach sekundierte und klagte ebenfalls über das Bildungssystem und darüber hinaus über die angeblich sehr hohe Steuer- und Abgabenlast und die unzureichende Vermögensbildung der Deutschen. 

Die Leistungskraft der südwestfälischen Wirtschaft unterstrich Sevgi Ates mit einem Hubschrauber der Lüdenscheider Fahrzeugschmiede Siku.

Paul Ziemiak blieb zwischen den kleinen atmosphärischen Scharmützeln die Rolle des Politikers, der viele Interessen unter einen Hut bringen muss und nicht nur wirtschaftliche Interessen sehen kann. Er bekannte sich nachdrücklich zu einem geeinten Europa, das China, Russland und der arabischen Welt mit Stärke gegenüber treten kann. „Natürlich brauchen wir gemeinsame Standards und Rahmenbedingungen für den Export“, trat Paul Ziemiak einer undifferenzierten Deregulierungswut entgegen. Im Gegenteil hätte der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit den USA den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen die derzeitigen Probleme ersparen können, argumentierte er. Ziemiak wandte sich auch gegen vorschnelle Urteile, Schlagworte und Formeln: „In einer globalisierten Welt hängen die Probleme zusammen.“ 

Der Blick auf die chinesische Hochtechnologie-Einkaufstour in Deutschland machte die tiefe Verunsicherung deutlich, die mit der unübersichtlichen Weltlage einhergeht: Sevgi Ates machte sich Sorgen um den Abfluss technologischer Kompetenz aus Deutschland, die zu etwas werde, „was einem anderen Land zugute kommt“. Das war eine letztlich nationalistische Position: Denn warum sollten bald zwei Milliarden Menschen in China von technologischen Fortschritten ausgeschlossen bleiben, nur weil sie Chinesen und keine Deutschen sind? Die großen Probleme der Menschheit werden sich ohne internationale Zusammenarbeit nicht lösen lassen. 

Gegenseitigkeit der Technik-Zukäufe 

Eine Lanze für internationale Kooperation zum Nutzen aller Beteiligten brach Dr. Garnet Kasperk, Leiterin des Zentrums für Automobilwirtschaft an der RWTH Aachen: Die Besucherin verwies auf die Gegenseitigkeit der Technologie-Zukäufe zwischen China und Deutschland. Der auf dem Podium stark vertretenen Schwarzmalerei trat sie entschieden entgegen und betonte die Leistungskraft der deutschen Exportwirtschaft und der vorhandenen Ausbildungssysteme.

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