BM-Kandidat Hubertus Mühling im Gespräch

Den Volkringhausener Hubertus Mühling haben die Balver bereits zwei Mal ins Bürgermeisteramt gewählt.

Balve -  Er möchte gerne das weiterführen, was er mit Unterstützung des Rates in den vergangenen Jahren „schon gut auf den Weg bringen konnte“: Christdemokrat Hubertus Mühling kandidiert am Sonntag erneut für das Bürgermeisteramt. Der 48-jährige Volkringhausener wurde 2004 erstmals mit großer Mehrheit ins Amt gewählt. 2009 konnte er noch mehr Wähler überzeugen und erreichte ein Traumergebnis: 76,3 Prozent der Hönnestädter gaben dem ehemaligen Leiter der Stadtwerke Balve ihre Stimme.

„Ich mache diesen Beruf einfach gerne. Gestalten macht mir großen Spaß“, sagt Mühling. Zumal die finanzielle Situation jetzt besser sei als in den ersten Jahren seiner Amtszeit. „Auch wenn es noch nicht rosig ist, sind wir besser aufgestellt als manche Kommune in der Nachbarschaft“, erklärt der CDU-Politiker, der seine Karriere 1996 als Bauingenieur im Balver Rathaus begann. Mühling, ursprünglich Diplom-Ingenieur im Bereich Kommunal- und Umwelttechnik, stieg 1999 zum Werkleiter der Stadtwerke auf, bevor ihn die Christdemokraten für das höchste Amt in der Stadt nominierten.

Dass es Balve heute besser gehe als einigen Nachbarstädten, führt Mühling auf die strenge Ausgabendisziplin zurück. „Wir hier in Balve sparen seit Jahr und Tag“, betont er, dass aus Sicht der Verwaltung alles getan worden sei, um den Haushalt zu sanieren. Steuern und Ausgaben seien erhöht worden, die Stadt habe Nutzungsgebühren für die Sportstätten eingeführt und in der Verwaltung werde kontinuierlich Personalabbau betrieben. „Wir sind am Ende der Fahnenstange angekommen und können auch die Bürger nicht weiter belasten.“ Konterkariert würden die Bemühungen immer wieder durch die Soziallasten. „Besonders die Kreisumlage steigt exorbitant und gleichzeitig werden die Schlüsselzuweisungen im ländlichen Bereich immer weiter ausgedünnt“, kritisiert der 48-Jährige.

Ende der Fahnenstange erreicht

Doch obwohl die Stadt finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, ist Mühling überzeugt, dass es sich lohnt, in die Hönnestadt zu ziehen. „Wir bieten hier ein intaktes, ländliches Lebensumfeld“, sagt er und schwärmt von hoher sozialer Kompetenz der Menschen untereinander, einem regen Vereinsleben, Miteinander und Gegenseitigkeit: „Diese Werte werden auf dem Land gelebt und nicht in der Stadt.“ Zudem seien – in landschaftlich wunderbarer Umgebung – genügend Arbeitsplätze vorhanden: „Balve liegt in Südwestfalen. Wir sind die Industrieregion Nummer drei in der Bundesrepublik.“

Trotz dieser Qualitäten gibt Mühling sich aber nicht der Illusion hin, dass die Hönnestadt vom demographischen Wandel verschont bleibt: „Wir werden immer weniger und älter.“ Aus seiner Sicht gilt es deshalb, vier Schwerpunkte zu setzen: „Wir müssen die öffentliche Infrastruktur so gestalten, dass sie barrierefreier wird.“ Das werde im Rahmen von Baumaßnahmen schon jetzt umgesetzt, sagt Mühling und weist auf sein Hauptanliegen hin: „Die soziale Infrastruktur, die heute schon gut vorhanden ist, muss vernetzt, besser koordiniert und kombiniert werden.“ Wichtig sei auch, Wohnformen für Senioren zu schaffen. Allerdings regele sich das zum größten Teil schon durch private Investoren. Das vierte Stichwort seiner Demographieliste ist die Mobilität. „Der Bürgerbusfahrplan muss ausgeweitet werden. Es gilt, die Nah-Mobilität auszubauen“, erläutert der Christdemokrat.

Auch in diesem Zusammenhang freut er sich über das große Interesse der Bürger, deren „qualitativ und quantitativ sehr gute Mitarbeit“ am Dorfentwicklungskonzept. Aufgabe der Stadt sei es nun, „in Steine zu investieren“, sagt Mühling, und nennt Beispiele: den Dorfpark Eisborn, die Dorfmitte Volkringhausen, die Ortsmitte Balve. „Wir müssen die Dörfchen und die Innenstadt mal wieder aufpeppen.“ Es sei wichtig, dass sich die Menschen in ihrem eigenen Umfeld wohlfühlen. „Das führt im Gegenzug auch dazu, dass Gäste kommen.“ Kritikern, die daran zweifeln, dass solche Maßnahmen finanziert werden können, tritt Mühling ohne Scheu entgegen: „Es handelt sich bei diesen Dingen um investive Maßnahmen und in diesem Bereich sind wir finanziell in Balve gut aufgestellt.“

„Stadt muss in Steine investieren“

Den „Steinen“ stellt der Kommunalpolitiker die soziale Infrastruktur gegenüber. Diese müsse aber im jeweiligen Ortsteil selbst von innen heraus wachsen und könne politisch nur unterstützt werden. So wünschten sich beispielsweise viele Einwohner ein Mehrgenerationenhaus. „Das beschreibt aus meiner Sicht die Sehnsucht der Menschen nach den alten Strukturen, dem Zusammenleben von Alt und Jung und der Tatsache, dass dort, wo Kinder sind, immer Leben herrscht“, erklärt Mühling – selbst Vater einer 18-jährigen Tochter, eines 16- und eines sechs-jährigen Sohnes. Auch deshalb seien Grundschulschließungen mit vielen Emotionen verbunden, glaubt er – und verspricht: „Wir wollen die drei verbliebenen Grundschulstandorte Balve, Garbeck und Beckum erhalten.“

Grundschulstandorte erhalten

Weniger optimistisch sieht er die Zukunft der Balver Hauptschule. Die Frage, ob es möglich sei, die Schule über einen längeren Zeitraum zu erhalten, beantwortet Mühling mit einem „ganz klaren Nein“. Die Schulform sei systematisch in Deutschland schlecht geredet worden. „Balve ist einer der letzten Standorte und wir sind froh, dass wir die Schule über eine Ausnahmegenehmigung noch ein Jahr weiter betreiben können.“ Mit der Qualität habe das natürlich nichts zu tun: An der Balver Hauptschule bleibe kein Kind auf der Strecke, die Ganztagsbetreuung sei ausgezeichnet. Nun könne nur noch das Image der Hauptschule verbessert werden.

Noch vor den Ferien sei diesbezüglich ein Gespräch mit der Schulleitung geplant, daran solle auch die Leitung der Realschule teilnehmen. „Diese Schule leidet ebenfalls durch die Konkurrenz anderer Schulformen und dem Wunsch der Eltern, dass irgendwo in der Bezeichnung das Wort ,gymnasial’ vorkommen muss“, stellt Hubertus Mühling fest. Deshalb könne es jetzt nur darum gehen, die positiven Elemente und die viele guten Projekte, die die Realschule zu bieten habe, besser nach vorne zu stellen.

Das ist in Balve in anderer Beziehung schon längst gelungen: Touristen kommen regelmäßig in die Hönnestadt – und sie sollen sich wohlfühlen und wiederkommen. „Was das angeht, sind wir schon gut aufgestellt. Für die Sauerlandtouristik ist Balve der Brückenkopf in den Märkischen Kreis“, hebt Mühling die Bedeutung seiner Stadt hervor. Für den Wandertourismus sei bereits einiges getan worden: Standards des Sauerlandtourismus würden in Balve angesetzt und im Rathaus sei ein „Wanderbeauftragter“ ernannt worden. „Und wir haben eine der besten Wanderkarten im Märkischen Kreis.“ Unter anderem möchte Mühling dafür sorgen, dass die Neubeschilderung der Wanderwege in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben wird.

Auch im Bereich des Fahrradtourismus will der Bürgermeisterkandidat noch einiges bewegen – und mitunter „dicke Bretter bohren“. Eine wesentliche Rolle spielt dabei aus seiner Sicht der Lückenschluss des Hönnetalradweges: „Die Hönne bildet die Spange zwischen Lenne und Ruhr. Der Radweg würde zu einem immensen Imagegewinn und zu Synergien führen“, ist Hubertus Mühling überzeugt. Ebenso wichtig sei auch die Verbindung von Langenholthausen nach Amecke, also zur Sorpe. Auch diesbezüglich müsse die Stadt Balve unbedingt am Ball bleiben: „In diesem Jahr werden wir erneut ein Teilstück planen.“ In der zweiten Stufe solle dann auch eine Radwegeverbindung von Mellen zur Sorpe geschaffen werden, kündigt der Kommunalpolitiker für die Zukunft an.

Grundsätzlich müsse sich Balve in Punkto Tourismus aber nicht neu erfinden. „Wir haben einige Alleinstellungsmerkmale. Zum Beispiel die Balver Höhle, das Optimum oder die Luisenhütte“, lobt Mühling „seine Stadt“. Dennoch könne die Hönnestadt noch besser vermarktet werden. „Schließlich haben wir noch weitere Sehenswürdigkeiten, wie die Blasiuskirche, oder unsere Höhlen“, sagt der Volkringhausener mit Blick auf das Regionale-Projekt Höhlenland Südwestfalen.

Positiv sieht er auch die Entwicklung des Gesundheitscampus, dessen Ankerpunkt das medizinische Versorgungszentrum sei. „Mein Traum wäre, dass es uns gelingt, einen Chirurgen ins Haus zu bekommen, der auch mal kleine Wunden nähen könnte. So wie es früher in der Notaufnahme des Krankenhauses der Fall war“, wünscht sich Mühling und erinnert in diesem Zusammenhang an die geplante Anschaffung eines Röntgengerätes. Dieses würde sowohl dem bereits praktizierenden Orthopäden als auch einem Chirurgen die Arbeit wesentlich erleichtern.

Zuerst Schulden tilgen

Apropos Wunsch: Die Frage, was er mit fünf Millionen Euro in der Stadt Balve machen würde, beantwortet Hubertus Mühling wie aus der Pistole geschossen: „Ich würde Schulden abzahlen. Fünf Millionen passen sehr gut, denn unsere Kassenkredite belaufen sich auf rund 4,8 Millionen Euro.“ Nur wenn die Kassenkredite, die im Gegensatz zu den Langfristkrediten sehr belastend seien, zurückgezahlt würden, erhalte die Stadt die Freiheit zurück, im Alltag wieder mehr Geld ausgeben zu können. „Dagegen sind Schulden mitunter eine erdrückende Last“, stellt der Christdemokrat fest.

Von Carla Witt

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