Förster schlagt Alarm

Diese Stadt im MK hat den Kampf gegen den Borkenkäfer verloren

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Der heimische Wald ist durch den Borkenkäferbefall schwer geschädigt. Bei der Neuaufforstung gilt es nun auf andere Baumarten als die Fichte zu setzen.

Balve – „Wir haben gegen den Borkenkäfer gekämpft – und diesen Kampf verloren." Revierförster Richard Nikodem hatte keine guten Nachrichten für die Mitglieder des Ausschusses Umwelt, Planung, Bau, denen er seinen Jahresbericht über die forstwirtschaftlichen Maßnahmen in den Balver Wäldern präsentierte.

Die Situation habe sich zuletzt weiter zugespitzt. „2018 war das Rekordjahr mit den wärmsten Temperaturen, die bisher gemessen wurden, 2019 lag nur knapp dahinter“, sagte Nikodem. 

Trotz der äußerst ergiebigen Regenfälle im Februar sei der Waldboden nur bis etwa einen Meter Tiefe ausreichend durchfeuchtet. Dies sei ein echtes Problem, so der Revierförster. Denn die Hauptholzart Fichte könne aufgrund des Wassermangels kein Harz produzieren, mit dem der Borkenkäfer abgewehrt werde. 

Vier Millionen Käfer auf einem Hektar Wald

„Aber auf einem Hektar Wald überwintern vier Millionen Käfer“, schilderte Nikodem den aktuell dramatischen Zustand. Sobald die Temperaturen weiter ansteigen, werden diese Tiere aktiv: „Eine Fichte wird von bis zu 15 000 Käfern befallen.“ 

Zudem wird auch das Corona-Virus zu einem immer größeren Problem für die heimische Forstwirtschaft, denn die Holzexporte nach China und Korea, wo das Virus derzeit am schlimmsten wütet, seinen derzeit unmöglich. Richard Nikodem erklärte: „Container werden an den Häfen nicht mehr ausgeladen, dementsprechend auch keine leeren Container mehr zurückgeschickt.“ 

"Todesurteil" für die Forstwirtschaft

85 Prozent des heimischen Käferholzes sei bisher dorthin exportiert worden. Weil dies nun nicht mehr funktioniere, spricht der Förster von „einem wirtschaftlichen Todesurteil“. Finanzielle Hilfe werde den betroffenen Waldbauern in Form von Fördergeldern des Landes gewährt. 70 000 Euro seien im vergangenen Jahr ausgezahlt worden, für die ersten Monate in diesem Jahr habe man bereits 100 000 Euro beantragt. Der Waldexperte sagt: „2020 steht ganz im Zeichen des Käfers.“ 

Um den heimischen Wald nach der Borkenkäfer-Katastrophe zukunftssicherer aufzustellen, gehe es nun um eine buntere Durchmischung mit verschiedenen robusteren Baumarten. Es gelte, viele Arten auszuprobieren, um zu sehen, welche Bäume demnächst in Balve angepflanzt werden sollen. Denn eine Neuaufforstung sei zwingend erforderlich, liegen doch noch mehr als genügend Fichtensamen im Boden, die sich auf Brachflächen sonst wieder von alleine ausbreiten.

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