Axt-Attacke ist Thema im Gerichtssaal

Balve/Neuenrade -  Quasi als Zaungäste hielten sich zwei Brüder (40 und 37 Jahre) aus Essen und Dortmund am 6. Januar 2016 auf dem Sportplatz des Schulzentrums in Balve und auf dem Gelände des Hagebaumarkts in Neuenrade auf. Denn tatsächlich wollten sie an beiden Orten zuvor von ihnen errichtete Zäune besichtigen.

Mit dabei hatten die Brüder einen Kleinunternehmer aus Hemer, mit dem sie bei der Errichtung dieser Zäune zusammengearbeitet hatten. Das heißt: Sie hatten sich über Schlampigkeiten bei der Buchführung und gegenseitigen Rechnungsstellung schon im November 2015 so zerstritten, dass beide Seiten behaupteten, von der anderen Partei noch fünfstellige Euro-Beträge zu bekommen.

Der Unternehmer aus Hemer begründete seine Zurückhaltung bei der Zahlung von ausstehenden Forderungen mit der schlampigen Ausführung von Arbeiten durch die Brüder. Diese beschlossen daraufhin, mit dem Geschäftspartner eine Besichtigungstour durch Balve und Neuenrade zu starten, um mit ihm vor Ort über die angeblichen Mängel zu sprechen.

Dabei sei man sich in wesentlichen Punkten einig geworden, und das sei es auch gewesen. „Die ganze Geschichte mit der Axt und dem Hauklotz ist frei erfunden“, sagte der Anwalt des älteren Bruders.

Axt? Hauklotz? Tatsächlich müssen sich die Brüder wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung verantworten. Denn laut Anklage gerieten die Ortstermine völlig aus dem Ruder, als der Ältere der Brüder im Zusammenhang mit der Besichtigung des Sportplatzes in Balve ein Metzgerbeil unter dem Fahrersitz hervorgeholt habe. Sein Bruder soll den rechten Arm des Geschäftspartners aus Hemer genommen und ihn auf einen hölzernen Hauklotz gelegt haben, der zwischen den beiden vorderen Sitzen platziert gewesen sein soll. Während der 40-Jährige das Beil über die Hand des Geschädigten gehalten habe, sollen die Brüder ihr Opfer zur Zahlung von 90 000 Euro aufgefordert haben.

Dass Hand und Finger letztlich doch dran blieben, ist glücklicherweise unstrittig. Doch der ältere Angeklagte beteuerte im Gerichtssaal, dass diese ganze Geschichte frei erfunden sei und verwies auf die von ihm angeblich zurecht erhobenen Forderungen, die auch Gegenstand eines Zivilverfahrens im Landgericht sind.

Dass die Richter auch dort ordentlich zu tun haben, deuten schon die sich immer wieder verändernden Summen an, die angeblich ausstehen: „Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, dass 40 000 Euro viel Geld sind – es war mein Geld, das mir zustand für Arbeiten, die ich geleistet habe“, versicherte der 40-Jährige. Er behauptete, dass das mutmaßliche Opfer der Axt-Attacke ihn schon im November 2015 tätlich angegriffen und verletzt habe.

Auf die 6. große Strafkammer kommt auf jeden Fall eine erhebliche Aufklärungsarbeit zu. Ab morgen sollen Zeugen vernommen werden.

Von Thomas Krumm

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