Axt-Attacke: Freispruch für die Angeklagten

Balve/Neuenrade - Es blieb bis zuletzt spannend im Prozess gegen einen Geschäftsmann aus dem Ruhrgebiet und seinen Bruder, die einen Geschäftspartner aus Hemer am Schulzentrum Balve massiv bedroht haben sollten. Nun gab es ein Urteil.

Oberstaatsanwalt Bernd Maas beantragte mit einer durchaus nachvollziehbaren Argumentation drei Jahre für den Älteren der beiden Brüder – wegen Freiheitsberaubung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Ein Jahr und zehn Monate Haft beantragte er für den jüngeren Angeklagten wegen versuchter Nötigung. 

Doch aus Sicht der 6. großen Strafkammer blieben letztlich zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten in den Aussagen des Hauptbelastungszeugen: „Die Angeklagten werden freigesprochen“, verkündete die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt das Urteil. „Die Kammer hat sich nicht die Überzeugung bilden können, dass sich die Taten so wie angeklagt zugetragen haben.“ 

"Erhebliche Abweichungen"

Vorangegangen war ein Indizienprozess, in dem der Aussage des einzigen Zeugen jener verhängnisvollen Fahrt am 6. Januar 2016 von Hemer über Balve und Garbeck nach Neuenrade und zurück große Bedeutung zukam. 

Dessen Angaben über das Geschehen wiesen in den Vernehmungen durch die Polizei und vor Gericht allerdings „nicht nur kleine, sondern durchaus erhebliche Abweichungen“ auf. „Was sollte gezahlt werden? Wie sollte gezahlt werden?“ 

Oberstaatsanwalt Bernd Maas hatte argumentiert, dass der Zeuge bei allen Ungereimtheiten doch zumindest das Kerngeschehen konstant berichtet habe. Hand, Arm oder Finger seien mit dem Hinweis auf den vorhandenen Hauklotz und ein Fleischerbeil bedroht worden, um 90.000 Euro von dem Zeugen zu erpressen. 

Aber selbst bei der Schilderung dieses Kerngeschehens habe es über die Zeit hinweg große Abweichungen gegeben – wie jene, welche Größe der Klotz hatte, wo er sich während der Fahrt befunden habe und auf welchem von drei möglichen Plätzen einer der Angeklagten während der angeblichen Bedrohung gesessen habe.

"Intensiver Streit" 

Die Kammer ging davon aus, dass die Beteiligten während der Fahrt tatsächlich über geschäftliche Angelegenheiten gestritten und mehrere Baustellen angefahren hatten, um unter Einsatz einer Taschenlampe die Qualität der von den Angeklagten geleisteten Arbeit zu beurteilen. 

Die Richter konnten aber nicht ausschließen, dass sich der Hauptbelastungszeuge ausgehend von einem „intensiven Streit“ an jenem Morgen „in bestimmte Vorstellungen und Darstellungen hineingearbeitet hatte“. 

Brüder umarmen sich nach Urteil

Verteidiger Axel Nagler hatte in seinem Plädoyer bereits auf den großen zeitlichen Abstand zwischen der Aussetzung des Angeklagten in Hemer und seiner ersten Meldung bei seiner Frau hingewiesen. „Der Zeuge hat uns nicht erklärt, was er in dieser Zeit gemacht hat“, stellten nun auch die Richter fest. 

Die Brüder umarmten sich und ihre Anwälte nach dem Urteil. Die beiden auch bisher völlig unbescholtenen Männer können sich nun wieder dem widmen, was sie offenbar gar nicht so schlecht machen: Zäune bauen.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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