Widerstand angekündigt

Autobahn und Steinbrüche: Dorf von drei Seiten eingekesselt

Noch herrscht Ruhe in Eisborn. Hier der Blick aus Richtung Asbeck. Das könnte sich jedoch ändern, wenn der A46-Lückenschluss kommt und die Steinbruch-Erweiterungspläne umgesetzt werden.
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Noch herrscht Ruhe in Eisborn. Hier der Blick aus Richtung Asbeck. Das könnte sich jedoch ändern, wenn der A46-Lückenschluss kommt und die Steinbruch-Erweiterungspläne umgesetzt werden.

Schock für ein Dorf im nördlichen Märkischen Kreis: Das Örtchen soll beim geplanten Lückenschluss der Autobahn 46 zwischen Arnsberg und Hemer mit einer Trassenführung praktisch vor der Haustür leben. Dieser Streckenverlauf ist das Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) für das Projekt Lückenschluss, die jüngst veröffentlicht wurde.

Eisborn ‒ „Diese Studie treibt den Eisbornern weitere Sorgenfalten ins Gesicht“, sagten Ortsvorsteherin Pia Spiekermann und Ratsmitglied Jens Timmermann (beide CDU) im Gespräch mit der Redaktion. Seit fast 50 Jahren werden verschiedene Szenarien für eine Weiterführung des 19 Kilometer langen Teilstücks der A 46 immer wieder ent- und genauso regelmäßig auch verworfen. „Nach wie vor befindet sich dieses Projekt im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes“, sagte Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg, auf Anfrage.

Der Entwurf, der jetzt auf dem Tisch liegt, ist ganz und gar nicht im Sinne der Eisborner. Pia Spiekermann: „Aus den neuesten Planungen geht nun hervor, dass der Untersuchungsraum für die mögliche Trassenführung des A46-Lückenschlusses zwischen dem bisherigen Autobahnende in Hemer und der A 46 in Neheim bis an den Rand von Eisborn erweitert wurde.“ Diese Pläne machen für sie und Jens Timmermann aufgrund der Topografie rund um Eisborn überhaupt keinen Sinn, da hier mit vielen Brücken oder Tunneln gearbeitet werden müsse, was auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht plausibel erklärbar sei.

Zudem kämpfen die Eisborner sowieso schon seit einiger Zeit um den Erhalt des Kalkbuchenwaldes im Beil sowie der Biotope im Schlammteich westlich des Ortes, da diese Bereiche als Naherholungsgebiet genutzt werden und zuletzt durch die geplante Steinbrucherweiterung des Unternehmens Lhoist gefährdet waren. Für diese Bereiche ist eine Umwandlung in ein Naturschutzgebiet geplant. Nun wurde der Untersuchungsraum für die mögliche Autobahn um einen großen Teil dieser Bereiche erweitert.

Unter der Zukunftswerkstatt Mobilität habe ich mir so etwas wie eine Vernetzung mit Radwegen vorgestellt, und nicht eine Autobahn direkt vor der Haustür.

Jens Timmermann, CDU-Ratsherr

Ratsmitglied Jens Timmermann ist enttäuscht: „Unter der ,Zukunftswerkstatt Mobilität’ habe ich mir so etwas wie eine Vernetzung mit Radwegen vorgestellt, und nicht eine Autobahn direkt vor der Haustür.“ Die „Zukunftswerkstatt Mobilität“ ist ein seit August 2020 laufendes Projekt der Städte Balve und Menden, in dem sich die Einwohner äußern sollen, wie sie in Zukunft mobil bleiben wollen (wir berichteten). Zum Auftakt sagte damals Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU): „Es werden Wünsche und Vorstellungen der Bürger ermitteln, um danach feststellen zu können, was mit dem Öffentlichen Personennahverkehr, dem Bürgerbus, Taxi aber vielleicht auch Car-Sharing bedient werden kann.“

Von einer Trassenführung als Autobahnzubringer konnte damals noch keine Rede sein. Der Landesbetrieb Straßen.NRW ist für die Planung dieser Maßnahme zuständig. Aktuell befände sich das Verfahren noch in der Vorplanung, wird auf der Internetseite mitgeteilt. „Zu den Untersuchungen im Rahmen der Vorplanung zählen eine Umweltverträglichkeitsstudie, eine Verkehrsuntersuchung, und ein straßenplanerischer Variantenentwurf“, ist dort zu lesen.

Gegen den Weiterbau der Trasse positioniert sich die „Gruppeninitiative gegen die Autobahn 46“ (GiGA46). „Das komplette Mendener Stadtgebiet liegt inzwischen im Untersuchungsraum der Umweltverträglichkeitsstudie für die geplante A 46“, fassen es die GiGA46-Sprecher Stefan Neuhaus und Lothar Kemmerzell unter www.giga46.de zusammen. „Erstmals sind damit auch Ostsümmern, Platte-Heide, Halingen, Bösperde und Schwitten betroffen. Gleichzeitig werde eine Trasse im südlichen Bereich zwischen Lendringsen und Neheim so gut wie ausgeschlossen. Einzig eine Anbindung an die B 229 in Hüsten sei hier noch denkbar. Davon seien auch die Mendener Ortsteile Hüingsen, Oberrödinghausen, Bösperde und Asbeck betroffen. Das gehe aus aktuellen Unterlagen hervor, die der GigA46 vorliegen.

„Mit einer möglichen Trassenführung des A46-Lückenschlusses im Norden von Eisborn, wäre das Dorf von drei Seiten eingekesselt.

Pia Spiekermann, Eisborns Ortsvorsteherin

„Eine vorgenommene Grobuntersuchung kommt zum Ergebnis, dass ein Ausbau der bestehenden L 537 zwischen Lendringsen und Neheim mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erheblichen Beeinträchtigungen des Europäischen Schutzgebietes ,Luerwald und Bieberbach’ und damit zur Unzulässigkeit des Vorhabens führen wird“, heißt es seitens der Initiative weiterhin. Eine Trasse der A 46/B 7n könne es demnach nur im äußersten Süden des Untersuchungsraums geben und an die vorhandene B 229 in Hüsten anschließen.

Sollte es so kommen, wären auch Bereiche um Hüingsen, Oberrödinghausen, Asbeck und Eisborn betroffen. Auch das soll im Rahmen der Umweltverträglichkeitsstudie vertiefend untersucht werden.

Eisborns Ortsvorsteherin Pia Spiekermann wird die weitere Entwicklung genau beobachten. „Mit einer möglichen Trassenführung des Lückenschlusses im Norden von Eisborn, wäre das Dorf von drei Seiten eingekesselt. Dagegen werden wir uns wehren“, verspricht sie. Mit der Einkesselung von drei Seiten meint Spiekermann von Asbeck aus die vorgesehene neue Trassenführung der Autobahn, von der Horst aus die Steinbrucherweiterung von Lhoist und von Retringen aus die seit dem vergangenen Jahr ins Spiel gebrachte Steinbrucherweiterung von Calcit (wir berichteten).

Dieses Unternehmen liegt auf Holzener Gebiet (Stadt Arnsberg) und gehört zum benachbarten Hochsauerlandkreis. „Ein im vergangenen Jahr deswegen angesetzter Behördentermin vor Ort ist wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden“, teilte Arnsbergs Pressesprecher Frank Albrecht der Redaktion auf Anfrage zur geplanten Erweiterung mit.

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