Ausstellung gegen Kinderarbeit

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Zur Ausstellungseröffnung am Dienstagabend wurde fair gehandelter Wein angeboten.

Balve - 168 Millionen Kinder müssen arbeiten, die Hälfte davon unter schlimmen Bedingungen. Informationen darüber, und wie dem jeder Einzelne entgegenwirken kann, gibt es seit Dienstag in der Öffentlichen Bücherei.

Der Steuerungsgruppe FairTradeTown ist es gelungen, die seit März vergangenen Jahres tourende „Wanderausstellung gegen Kinderarbeit“ nach Balve zu holen. Schriftstellerin und FairTrade-Botschafterin Kathrin Heinrichs eröffnete die Ausstellung vor etwa 50 Teilnehmern.

„Ich habe nicht geahnt, dass mich bei der Vorbereitung auf dieses Thema mehrfach das nackte Grauen überkommen würde“, sagte sie. So habe sie über indische Kinder gelesen, die an ihren Knüpfstuhl gekettet werden, oder dass kindliche Tabak-pflücker über die Haut täglich 54 Milligramm Nikotin und damit den Gegenwert von 60 Zigaretten aufnehmen. „Ich habe mir beim Essen einer 49-Cent-Schokolade nicht vorgestellt, dass Kinder dafür in sengender Hitze stundenlang Zuckerrohr und Nüsse ernten anstatt zur Schule zu gehen“, berichtete Heinrichs. „Und um ehrlich zu sein, möchte ich mir gar nicht vorstellen, dass rund 400.000 deutsche Männer jährlich nach Thailand oder in ein anderes Entwicklungsland reisen, um sexuelle Abenteuer zu suchen – sehr häufig mit minderjährigen Mädchen oder Jungen.“

Doch wollte die gebürtige Langenholthausenerin keine Horrorgeschichten erzählen, sondern im weiteren Verlauf vielmehr einen sachlichen Blick auf das Thema Kinderarbeit werfen. Dies sei grundsätzlich ein Armutsproblem, denn je ärmer eine Familie sei, desto notwendiger sei es, dass Kinder zum Familieneinkommen beitragen müssen. Sie führte dafür zwei Kinderschicksale an und brachte die Lebensumstände aller arbeitenden Kinder auf den Punkt: „Kinder müssen arbeiten, weil sie billig arbeiten – und das, weil wir billig einkaufen wollen.“ Diese Zustände können verändert werden. Denn die FairTrade-Zertifizierung belege, dass ein Produkt nicht in ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt und dass die Produzenten der Ware anständig bezahlt würden.

„Die Ausstellung konfrontiert mit erschreckenden Formen der Kinderarbeit. Sie legt die große Diskrepanz offen zwischen uns, die wir unseren Sprösslingen die bestmögliche Förderung zukommen lassen, und den Familien in Kambodscha, Indien und Thailand. Wir wählen mit Sorgfalt die Schule für unsere Kinder aus, fahren sie zu diesem Sportverein und zu jenem Musikunterricht – in Kambodscha, Indien und Thailand arbeiten Kinder, um den nächsten Tag zu überstehen. Die Ausstellung berichtet aber auch von hoffnungsvollen Projekten und gibt Anstoß, wie jeder von uns Verantwortung wahrnehmen kann, denn eins sollte uns klar sein: Es ist immer was zu machen – es liegt an uns“, schloss Kathrin Heinrichs.

Diese Wanderausstellung wird von den Initiativen Weißes Friedensband, dem Kindermissionswerk Die Sternsinger, der Kindernothilfe, Misereor, dem Netzwerk Faire Metropole Ruhr, den Paten indischer Kinder, TransFair und Unicef gestaltet, und ist bis zum 30. Oktober in der Bücherei zu sehen. - Von Julius Kolossa

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