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Superfund im Steinbruch: Überreste eines Iguanodons im MK gefunden

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Von: Julius Kolossa

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Die Überreste eine Iguanodons, hier ein Modell aus dem Dino-Park Münchehagen, das von kleinen Raubsauriern angegriffen wird, wurden jetzt in Balve entdeckt.
Die Überreste eines Iguanodons, hier ein Modell aus dem Dino-Park Münchehagen, das von kleinen Raubsauriern angegriffen wird, wurden jetzt in Balve entdeckt. © Dino-Park Münchehagen

Der Blick auf den Arbeitsplatz von Dr. Achim Schwermann und seinem Team ist grandios. Sie sehen Millionen Jahre alte Gesteinsschichten im Steinbruch auf Balver Stadtgebiet, in dem seit 2002 geforscht und in dem 2020 eine weltweit neue Nagetierart zu Ehren des Fundorts in Balve mit „Cheruscodon balvensis“ benannt wurde.

Balve - Auch die diesjährige Grabungssaison beginnt vielversprechend: Dr. Schwermann, wissenschaftlicher Leiter dieser Ausgrabungsstätte für urzeitliche Fossilienfunde, hat am Mittwoch ein Stück vom Schwanzwirbel eines Iguanodon entdeckt. „Und dies in unserer neu einzurichtenden Grabungsstelle“, ist er mehr als zufrieden mit dem neuen Standort, der vor etwa 130 Millionen Jahre eine Höhle war.

Dass hier Iguanodons gelebt haben, ist an sich keine Seltenheit. „Wir haben schon mehrmals etwas von diesen etwa zehn Meter langen Pflanzenfressern gefunden.“ So auch einen Zahn. So kann es weitergehen – so wird es weitergehen mit der Suche und dem Finden. „In jeder Saison finden wir etwa 150 sofort zuzuordnende Fossilien. Dazu kommen noch hunderte von Kleinstfunden.“ Hierbei kommen die fleißigen ehrenamtlichen Helfer zum Einsatz. Ihnen wird es nicht zu eintönig, Schicht und Schicht von Erde abzukratzen, bis sie auf etwas stoßen, dass ein kleines Knochenstück von einem Saurier, einem Krokodil oder einer Schildkröte sein könnte. Sie müssen diese groben Fundstücke mit viel Wasser genau untersuchen, auch das macht ihnen viel Spaß. Dr. Schwermann hat mit Gerome Gores einen technischen Grabungsleiter an seiner Seite, der ihn in diesen Dingen unterstützt.

Die Grabungshelfer sind geschult und kommen aus Münster, Menden, Rhede und Arnsberg-Müschede. Sie verbringen hier ihre Ferien oder machen Praktika für ihr Studium. Hannah aus Müschede verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen, denn die Studentin der Geowissenschaften hat eine kurze Anreise und kann mitarbeiten an diesem Projekt. „Es ist spannend und reich an Informationen.“

Lisa, Rebecca, Esther und Mark hocken freiwillig und ehrenamtlich im Dreck und graben kleinste Brocken aus, in denen sich jahrmillionenalte Fossilien befinden können.
Lisa, Rebecca, Esther und Mark hocken freiwillig und ehrenamtlich im Dreck und graben kleinste Brocken aus, in denen sich jahrmillionenalte Fossilien befinden können. © Kolossa, Julius

„Uns stehen insgesamt 50 Helfer in dieser Saison zur Verfügung“, stellt Dr. Schwermann dar, wie groß das gesamte Team ist. „Jährlich gibt es neue Anfragen, denn diese Grabungsstelle ist in Fachkreisen bekannt wegen ihrer außergewöhnlichen Vielfalt in Europa.“

Dass hierbei auch der Eigentümer unterstützt, dass Unternehmen Lhoist, das auch den Steinbruch im Hönnetal betreibt und diesen erweitern will (wir berichteten), ist neu. „Wir kamen miteinander ins Gespräch über neue Grabungsstellen, und an die von mir bezeichneten Standorte kamen dann von Lhoist einige Bagger zum Einsatz, um uns den Weg zu bereiten.“ Auch die Absicherung einer Stelle mit Regen- und Sonnenschutz stellte Lhoist zur Verfügung. All dies erleichtere das Arbeiten. Mühselig bleibe es trotzdem, wenn die getrockneten Ablagerungen gewässert durch drei Siebe laufen, um bei diesem Schlämmvorgang kleinste Fossilien zu finden.

Die Helfer nehmen es mit Humor. So soll es auch sein, wenn Mitte Juli zwei Helfer aus Balve dazustoßen. Beckums Ortsvorsteher Georg Wortmann hatte im inzwischen zweiten Jahr einen Aufruf im Dorf gestartet, sich ehrenamtlich im Steinbruch am Schlämmen zu beteiligen. Damit ist die Beteiligung geringer als im vergangenen Jahr, als etwa zehn Helfer teilnahmen. Doch Wortmann setzt darauf, dass der Bekanntheitsgrad dieser Aktion steigt, sodass im nächsten Jahr wieder mit mehr Teilnehmern gerechnet werden könnte. Dr. Schwermann: „Bisher wurden hier fünf Säugetierarten und eine Salamanderart für die Wissenschaft entdeckt.“

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