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Auf 300 Hektar: So gestaltet Bernward Lösse den Wald der Zukunft

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Von: Julius Kolossa

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Bernward Lösse bewirtschaftet mit seiner Familie in 14. Generation das Jungferngut Garbeck, zu dem rund 300 Hektar Wald gehören.
Bernward Lösse bewirtschaftet mit seiner Familie in 14. Generation das Jungferngut Garbeck, zu dem rund 300 Hektar Wald gehören. © Julius Kolossa

„Der Wald stirbt nicht.“ Das hat sich Bernward Lösse (64) aus Garbeck vorgenommen. Der studierte Diplom-Agraringenieur bewirtschaftet mit seiner Familie in der 14. Generation das Jungferngut Garbeck mit einer Waldfläche von rund 300 Hektar. Und diese gilt es zukunftsfähig zu gestalten, um als Waldbauer damit auch Erträge zu erzielen.

Garbeck ‒ Wie das gelingen soll, können Interessierte nun nachlesen. Denn Journalist Andreas Kersting, ein Schulfreund Lösses, hat darüber ein Buch geschrieben, das – natürlich – den Titel „Der Wald stirbt nicht“ trägt. Der genaue Inhalt ist selbst Lösse noch unbekannt, lesen konnte er das fertige Werk bislang nicht. „Erst bei der Lesung am Montag auf der Wilhelmshöhe in Menden werde ich dieses Buch zum ersten Mal in den Händen halten“, verriet er unserer Zeitung.

Dafür weiß er um die Gesprächsinhalte mit Andreas Kersting, der 2018 beim Wiedersehenstreffen des gemeinsamen Abitur-Jahrgangs des Heilig-Geist-Gymnasiums Menden großes Interesse am Waldspaziergang hatte, den Bernward Lösse damals in seinem Wald veranstaltete. Nach dem Treffen meldete sich Kersting, gebürtiger Mendener, der in Köln als Journalist die dortige Region betrachtet, deshalb bei Lösse, um nachzufragen, ob Interesse bestünde, sein Waldentwicklungskonzept als Buch veröffentlichen zu lassen. Dieses Interesse bestand: Mittlerweile ist das Buch fertig und gedruckt. „Der Wald stirbt nicht“ beschreibt den Orkan Kyrill, der im Januar 2007 im Märkischen Kreis wütete, und die Folgen sowie den damit einhergehenden Waldumbau. Mehr als 30 Baumarten werden beschrieben.

„Im Wald werden bei der zu erwartenden Trockenheit auf Dauer keine Buchen oder Fichten mehr wachsen, sondern vielmehr Eichen oder Zedern“, sagt Lösse. Der Diplom-Agraringenieur hat bereits seit 1979 die Pflanzung alternativer Baumarten in seinen Wäldern vorangetrieben, um zu sehen, wie zum Beispiel die Große Küstentanne, die Japanische Sicheltanne, der Gebirgs-Mammutbaum und auch der Küsten-Mammutbaum auf heimischem Boden gedeihen. „Ich experimentiere gerne“, sagt er. „Aber man hat schon damals gesehen, dass sich der Wald verändern wird.“ Und ja, die „Neuen“ machen sich.

Bernward Lösse: „Mehr als 120 verschiedene Baumarten wachsen bei mir. Sie tragen auf verschiedene Weise zur Vielfalt bei, so mit ihrer Laubfärbung oder aber als Nahrungsquelle für Bienen.“ seit mehr als 40 Jahren gehört die Waldarbeit zu seinem Leben. In dieser Zeit hat er festgestellt: „Der Wald braucht Zeit, Ruhe und Beständigkeit.“ Dabei dürfe der Mensch nicht untätig bleiben, denn: „Dass der Borkenkäfer sich jetzt so ausbreiten würde, war absehbar.“

Lösse erläutert, dass nach Sturm Friederike im Januar 2018 die umgestürzten Bäume nicht in ausreichender Anzahl aus dem Wald geholt worden seien und der Borkenkäfer so ideales Brutmaterial in dem Totholz vorgefunden habe. Die folgenden trockenen Sommer hätten ein Übriges dazu getan, dass die Borkenkäferpopulation ein vorher nie gekanntes Ausmaß erreichen konnte. Lösse ist überzeugt: „Hätte man das Totholz vorher abtransportiert, wäre all das nicht passiert.“ Doch aufgeben oder sich mit den Begebenheiten abfinden, will Bernward Lösse nicht. Er setzt weiter darauf, den Wald der Zukunft mit neuen Baumarten zu gestalten. Denn er glaubt: „Der Wald stirbt nicht.“

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