Arena Polo am Schloss Wocklum – ein Erlebnisbericht

Schiedsrichter Michael gibt das Spiel mit einem lauten „Play“-Ruf frei. ▪

WOCKLUM ▪ Mit Polo hatte ich bis zum vergangenen Sonntag noch nie etwas am Hut. Apropos Hut – darüber machte ich mir bei der Kleiderauswahl als erstes Gedanken. Werde ich beim ArenaPolo auf Schloss Wocklum nur dann reingelassen, wenn ich ein überdimensional großes Wagenrad auf dem Kopf trage, wie man sie aus den einschlägigen Frauenzeitschriften kennt? Von Susanne Riedl

Nein, zu meiner Erleichterung entdeckte ich unter den Zuschauern nur ein paar Frauen mit Kopfbedeckung, und die hielt sich an das Normalmaß.

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Arena-Polo in Wocklum

Während ich die Besucher in ihrer sonntäglichen Gelassenheit beobachtete, wie sie sich ein schattiges Plätzchen mit guter Sicht auf das Spielfeld suchten, drang eine Lautsprecherstimme durch das Stimmengewirr – der Kommentator der Veranstaltung. Wie klischeehaft – er hatte doch tatsächlich einen leichten englischen Akzent. Auch wenn die Anfänge des Polos im antiken Persien liegen – zugegeben, das habe ich nachgelesen – so verbinde ich diesen Sport doch immer mit Großbritannien; Prinz Charles spielt es ja schließlich auch. Und als wäre das nicht schon Bestätigung genug gewesen, ritt das Team Warsteiner zur weltbekannten Filmtrailer-Hymne des Doppelnull-Agenten ihrer Majestät in die Arena ein. Die gegnerische Mannschaft, Team von Preußen, hatte sich dagegen für die Titelmelodie von „Mission Impossible“ entschieden. Nicht weniger imposant präsentierte sich das Trio unter lautstarkem Jubel den Zuschauern. Vielleicht wäre es aber dennoch besser beraten gewesen, sich für eine andere Einmarschmusik zu entscheiden, denn das Spiel wurde für sie zum „Unmöglichen Auftrag“ – 8:12 verloren die Preußener gegen die Warsteiner.

Dem Kommentator sei Dank – der Engländer erklärte zu Beginn des Spiels die ersten Regeln: Es gibt vier so genannte Chukkas zu je sechs Minuten. Nach jedem Chukka ertönt eine Glocke und es werden 30 Sekunden nachgespielt. Bei Gleichstand entscheidet das Golden Goal. Sollte nach dem fünften Chukka immer noch Gleichstand sein, werden die Tore vergrößert. Außerdem hat jeder Spieler, wie im Golf, ein Handicap. Die Summe dieser persönlichen Handicaps bildet das Gesamthandicap einer Mannschaft. Das Team mit dem geringeren Handicap erhält ein Tor Vorsprung.

So weit, so gut – aber irgendwie hörte um mich herum gar keiner zu. Anscheinend waren das alles Kenner. Schiedsrichter Michael gab das Spiel mit einem lauten „Play“-Ruf frei. Die sechs Reiter wetzten über den Platz, der Engländer kommentierte in bester Marcel-Reif-Manier, aber ich fing aus dem Lautsprecher nur Wortfetzen auf: „Backhand“, „Abschlag“, „Stoß nach vorne“, „Wegerecht“ – um mich herum konzentrierten sich nur sehr wenige auf das sportliche Ereignis auf dem Platz. Vielmehr waren die Besucher in Gespräche vertief oder mit dem Lunch beschäftig.

„Der Jürgen Klinsmann des Polos“, schnappte ich aus dem Lautsprecher auf – es stand bereits 4:1. Keines der Tore hatte ich mitbekommen. Ich brauchte einen anderen Sitzplatz. Näher am Geschehen und an einem Lautsprecher. Sogleich erfuhr ich auch, dass die Spieler ihre Pferde während des Spiels wechseln dürfen und dass sich zahlreiche Helfer um die Betreuung der Tiere kümmern. Polo sei für die Pferde sehr anstrengen, erklärte der Stadionsprecher. Auf die Frage, ob sie es mögen, meinte er: „Ich kann zwar keine Pferdesprache, aber sie mögen es.“ Eine etwas magere Erklärung...

Von meinem neuen Sitzplatz aus hatte ich dafür Schiedsrichter Michael hervorragend im Blick. „Center grey“ rief er, oder „15 blue“ – keine Ahnung, von was er da sprach. Beim Spielstand von 6:9 hatte ich endlich herausgefunden, dass mit „grey“ und „blue“ die Trikotfarben der Mannschaften gemeint waren, dass „Center“ Abschlag von der Mitte des Spielfeldes bedeutet und „15“ der „Elfmeter des Polos“ ist. Und nach dem 6:10 des „Jürgen Klinsmann des Polos“, der übrigens Bernd Hotz heißt und aus Schwaben kommt, war mir auch klar geworden, dass die Teams nach jedem Treffer ihre Spielrichtung wechseln.

Mein Fazit: Die Poloregeln sind für mich zwar immer noch etwas undurchsichtig, aber der Sport bleibt bis zum letzten Chukka spannend.

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