Archäologen finden in Garbeck Spuren einer Siedlung

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Verfärbungen im Boden sagen Archäologin Dr. Eva Cichy, dass hier einst Menschen lebten oder arbeiteten. ▪

GARBECK ▪ Im Sommer soll das Gewerbegebiet Braukessiepen erweitert werde. Die Bagger sind bereits angerollt. Aber nicht nur, um Baustraßen zu erschließen, sondern auch um Spuren menschlichen Lebens aus längst vergangenen Zeiten aufzuspüren. Von Annabell Niemand

Bereits Ende der 1980er Jahre, so berichtet Dr. Eva Cichy von der LWL-Archäologie für Westfalen, wurde nicht weit entfernt, etwa 500 Meter nordöstlich, eine kaiserzeitliche Siedlung gefunden. „Für Südwestfalen ist das ein sehr wichtiger Fundplatz.“ Damals sei Bleiverarbeitung für das 1. Jahrhundert nach Christus nachgewiesen worden.

Scherben auf Äckern im Braukessiepen, die dem Landschaftsverband gemeldet wurden, lieferten wichtige Anhaltspunkte, dass hier weitere Siedlungsplätze liegen könnten. „Das Gelände mit dem Hang, der sich leicht zur Hönne neigt, und mit sehr fruchtbaren Böden ist für eine Siedlungskammer gut geeignet.“ Jetzt, bevor die Fläche bebaut wird, müsse das Areal deshalb untersucht werden. „Das ist Geschichte, unsere Geschichte, die sonst zerstört wird.“

Die Archäologin berichtet, dass zunächst der Oberboden großflächig abgetragen werde, um zu gucken was darunter liegt. Verfärbungen im Boden geben Aufschluss über das Leben in grauer Vorzeit. Ende vergangenen Jahres wurden bereits Probeschürfungen gemacht. Und die Forscher wurden fündig: „Unter dem Oberboden sind Gruben und Eintiefungen zu erkennen. Man erkennt immer, wenn mal ein Loch gegraben wurde. Es gibt nichts Haltbareres als ein Loch.“

Alles, was passiert, wenn die Bagger Boden zur Seite geschaufelt haben, ist Handarbeit. Die Verfärbungen würden von Hand geputzt, dokumentiert, gezeichnet, fotografiert, beschrieben und in einem dreidimensionalen Plan erfasst. Überall dort, wo die Experten Verfärbungen wahrnehmen, graben sie Löcher. „Wir wollen wissen, wie das im Querschnitt aussieht“, berichtet Dr. Eva Cichy. Helle und dunkle Farbnuancen im rötlichen Boden verraten ihr mehr. „Wir haben hier mehrere Schlacke gefunden, die auf irgendeine Form von Metallverarbeitung hindeuten. Wie alt diese Funde sein können, wissen wir noch nicht.“ Das liege daran, dass bislang nichts gefunden wurde, das sich gut datieren lasse. Die Archäologin geht derzeit davon aus, dass die Fläche irgendwann zwischen der vorrömischen Eisenzeit und der Kaiserzeit bewohnt oder bewirtschaftet wurde. „Grob gesagt zwischen 700 vor Christus bis 300 nach Christus.“ Es gebe zwar Datierungsmethoden, die seien aber kostenintensiv: „Deshalb versuchen wir das über Funde hinzubekommen.“

Aber auch Größe und Form der Gruben liefern Hinweise. Ein Hausgrundriss mit eingetieften Pfosten ließe sich erkennen, eine Grube zur Abfallentsorgung oder eine Vorratsgrube für Getreide. Denkbar sei auch eine Art Keller, der für Wirtschaftstätigkeiten wie Weben, Spinnen oder die Gefäßproduktion mit Ton genutzt wurde, für die ein feuchtes Raumklima notwendig war.

Vor Ort sind acht Mitarbeiter der Firma Archaeonet mit den Ausgrabungen beschäftigt. Beauftragt wurde sie von der Stadt Balve. „Dazu sind wir laut Denkmalschutzgesetz verpflichtet“, sagt Bürgermeister Hubertus Mühling. Auch die Kosten hat deshalb die Stadt zu tragen. Da aber noch nicht klar sei, wie lange gegraben werde, sei auch die Höhe der Kosten noch offen.

Seit einer Woche wird das Feld nun von den Mitarbeitern analysiert. Wie lange es noch dauert, hänge von den Funden ab, so Cichy. Sechs Hektar groß ist die gesamte Fläche. Auch ob sie komplett genauestens unter die Lupe genommen wird, würden die Funde zeigen.

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