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Anwohner verärgert: Land unter in der neuen Garbecker Dorfmitte

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Von: Julius Kolossa

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Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr fassen, sodass das Wasser auf die Märkische Straße und von dort in mehrere Gebäude lief.
Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr fassen, sodass das Wasser auf die Märkische Straße und von dort in mehrere Gebäude lief. © Busche

Land unter war nach den heftigen Regenfällen in der vergangenen Woche im Bereich der neu gestalteten Dorfmitte in Garbeck. Anwohner hatten dies bereits im Vorfeld befürchtet und schon im April den aus ihrer Sicht mangelnden Hochwasserschutz kritisiert. Entsprechend verärgert sind die Garbecker jetzt.

„Die Dorfmitte in Garbeck hat ihre Feuerprobe nicht bestanden“, sagt Gundhild Busche, die an der Märkischen Straße wohnt, im Gespräch mit der Redaktion. Unter anderem ihre Familie hatte Wasser im Keller. Glücklicherweise hatten sich die Busches nach dem Jahrhundert-Unwetter im Juli 2021 eine Pumpe angeschafft, die nun zum Einsatz kam. „Sonst wären wir abgesoffen“, schimpft Busche.

Die Ursache steht für sie fest: „Das Wasser wurde aus den Kanaleinläufen gedrückt – sonst wurde das Wasser immer in den Garbach umgeleitet. Jetzt konnte der Kanal alleine das viele Wasser nicht schlucken.“ Busche hat in dieser Sache bereits einen Beschwerdebrief an Bürgermeister Hubertus Mühling (CDU) geschrieben, der der Redaktion in Kopie vorliegt. „Die Märkische Straße ist jetzt wesentlich höher als vor dem Ausbau und das Gefälle der Straße neigt sich zu den Wohngebäuden. Es sind offensichtlich auch weniger Einläufe für Regenwasser vorhanden und diese führen auch nur noch in den Kanal und nicht mehr in den Garbach“, kritisiert Busche in dem Brief.

Busche: „Es sprudelte aus allen Gullydeckeln“

Bei den Starkregenfällen am 16. und 20. Mai sei zu sehen gewesen, dass die Ableitung des Regenwassers nicht funktioniert. „Obwohl der Starkregen nur gut zehn Minuten angehalten hat, konnte der Kanal das Wasser nicht fassen. Es sprudelte aus allen Gullydeckeln“, schreibt Busche weiter. Vor dem Ausbau der Straße seien Einläufe vorhanden gewesen, die auf der einen Seite der Fahrbahn das Regenwasser in den Kanal leiteten, aber auch mindestens drei Einläufe hätten dafür gesorgt, dass auf der anderen Seite der Fahrbahn das Regenwasser in den Garbach fließen konnte.

Die Märkische Straße verwandelte sich zeitweise in einen Bach.
Die Märkische Straße verwandelte sich zeitweise in einen Bach. © Busche

Auch die Nachbarn der Busches waren betroffen. „Bei einem Nachbarn drückte das Dreckwasser aus der Duschtasse und der Toilette hoch und lief in die Wohnung. Bei einem anderen Nachbarn überflutete das Wasser das Grundstück“, sagt Busche. „Dabei zeigte unser Regenmesser im Garten an, dass jeweils etwa 25 Liter pro Quadratmeter gefallen war – solche Schäden gab es vorher bei diesen Niederschlagsmengen nicht“, sagt Busche – und berichtet von einem sehr unguten Gefühl, welches sich in Garbeck ausbreite: „Jetzt müssen wir nach jeder Wolke schauen und immer damit rechnen, dass uns beim nächsten Regen der Keller wieder vollläuft.“

Liegt es an der Mischwasserkanalisation?

Für Bürgermeister Hubertus Mühling haben die Probleme an der Märkischen Straße nichts mit der laufenden Baumaßnahme zu tun. Auf Nachfrage der Redaktion sagt er: „Wir gehen davon aus, dass diese Schäden mit der Mischwasserkanalisation zusammenhängen. Denn das Wasser aus den drei Straßeneinläufen im Bereich der Elsa-Brandström-Straße, im Bereich der Schützenhalle und im Bereich der Kirche darf nicht mehr in den Garbach geleitet werden.“ Die Untere Wasserbehörde des Märkischen Kreises habe für den jetzt freigelegten Garbach eine solche Einleitererlaubnis nicht mehr erteilt. Der Niederschlag müsse nun ausschließlich in den Mischwasserkanal geleitet werden. „Das Problem jetzt ist aber, dass das Wasser bräunlich aus den Kanaldeckeln gequollen ist“, so Mühling.

Hiermit habe sich auch Familie Friedrszik, der das Haus Syré gehört, bereits an die Stadt gewandt. Mühling: „Und dies hängt nicht mit der Neubaumaßnahme zusammen, denn an dieser Stelle wurde die Dorfmitte nicht umgestaltet.“ Um Abhilfe zu schaffen, hat der Bürgermeister mit Verstärkung aus dem städtischen Bauamt bereits Gespräche mit dem für die Dorfmitte zuständigen Planungsbüro und Ortsvorsteher Christoph Haarmann (CDU) geführt. Letzterer war auch selbst betroffen, denn die Wassermassen aus der Elsa-Brandström-Straße flossen in sein Elternhaus an der Märkischen Straße.

Wohl Geröll und Schotter in den Kanälen

Mühling: „Wir gehen davon aus, dass sich Teile des Kanalnetzes durch Geröll und Schotter zugesetzt haben.“ Auslöser sei wahrscheinlich das Juli-Hochwasser 2021. Dieser Missstand war offenbar über viele Monate niemandem aufgefallen. „In Garbeck soll jetzt das Kanalnetz an dieser Stelle gespült werden, um zu zeigen, ob sich unsere Vermutungen bewahrheiten.“ Diese Maßnahme solle möglichst noch in dieser Woche durchgeführt werden. Dies sei jedoch abhängig davon, wann ein Fachunternehmen freie Kapazitäten hat.

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