Anette und Jürgen Meller öffnen ihren Garten im Rahmen der „Offenen Gärten“

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Eine Biene labt sich an einer der vielen Blumen im Garten der Familie meller.

Balve -  Leidenschaftliche Worte fand Vita Sackville-West, die amerikanische Schriftstellerin, für eine der schönsten Passionen: „Wie viel man doch lernt, wenn man fremde Gärten besucht. Ich brachte davon so viele Ideen heim, dass ich mir wie ein überschäumendes Sektglas vorkam“, schrieb sie einst.

Das Motto passte bestens zur Begrüßung der Besucher, die Anette und Jürgen Mellers Einladung im Rahmen der Aktion „Offene Gärten im Ruhrbogen“ folgten. 

Schon der Vorgarten ihres Hauses „Im Dörntken“ bot neben dem Motto eine solche Fülle an Blüten, dass sich der Gang in den Hauptgarten ernsthaft verzögerte. Dahlien leuchteten in sonnigen bis ungewöhnlichen Farben und Formen, und der Sonnenhut, der seinen botanischen Gattungsnamen „Echinacea“ dem griechischen Wort für den Seeigel verdankt, entfaltete seine magische Anziehungskraft auf die Bienen. 2014 hatten die Mellers zuletzt ihren Garten für die Aktion geöffnet, die sich bei den Besuchern großer Beliebtheit erfreut. Auch bei ihnen strömten immer neue Gäste und natürlich auch viele alte Bekannte in ein Kleinod, das die Familie seit 18 Jahren beackert. 

Das Ehepaar Meller an seinem Lieblingsplatz.

Der Vorbesitzer hatte ein etwas problematisches Terrain hinterlassen: Noch immer stoßen die Mellers zuweilen auf Überreste von Betonfundamenten, die ihr Vorgänger aus schwer nachvollziehbaren Gründen zur Gestaltung der Fläche eingesetzt hatte. Zu sehen ist von diesem etwas trostlosen Konzept nichts mehr: Alles blüht, wächst und gedeiht, dass es eine Freude ist. Doch der Garten bietet nicht nur viel für die Augen, sondern auch für den Gaumen: Einen Apfelbaum der Sorte Jakob Lebelt, Himbeeren, Brombeeren, Josta- und Stachelbeeren sowie Gemüsepflanzen bis hin zu Bohnen und Kürbissen. Eine Steinschnecke zeigt, wie der Gartenfreund aus einem Gewürzpflanzen-Beet ein attraktives Gestaltungselement zaubern kann. 

Durch ihre Ankündigung im Programmheft der offenen Gärten hatte Anette Meller sanften Druck auf ihre Mitstreiter zur Weiterentwicklung des Gartens ausgeübt. Das Ergebnis gab ihr Recht: Das versprochene Bächlein läuft seit kurzem munter den Gartenhang hinunter und verschwindet nicht in einem Teich, sondern versickert geheimnisvoll im Untergrund. Beim Anlegen des Wasserlaufs halfen Anette Mellers Bruder, praktischerweise ein Gartenbautechniker, und ein kleiner Bagger, denn die Topografie der einstigen Wiese war erheblich umzugestalten, viele Steine mussten verteilt werden. 

Das im Flyer versprochene Bächlein plätscherte durch den Garten.

Dort wo zukünftig noch eine Holzterrasse mit Blick auf das Bächlein entstehen soll, hatten die Mellers die Baustelle mit Waschzuber und Waschbrett ein bisschen aufgehübscht. Früher hat man an solchen Orten auch gewaschen. Die Installation passte zum Lieblingsplatz von Anette und Jürgen Meller – dem Grillplatz rund um eine zweckentfremdete Waschmaschinentrommel. Und so würdigten die Erwachsenen das munter fließende Bächlein, während Knaben durch den Garten tobten und Mädchen dessen Früchte probierten. Maßstäbe setzten die Mohnkuchen-Häppchen, mit denen Anette Meller die Besucher erfreute. 

Sie zeigte sich als wahre Enthusiastin des Konzepts der offenen Gärten: „Es müssen mehr Balver mitmachen!“, rief sie ihre Mitbürger zum Mitmachen im nächsten Jahr auf. Wer sich die Ruhe gegönnt hatte, das kleine Paradies gründlich auf sich wirken zu lassen, konnte schließlich ebenso wie Vita Sackville-West mit einem perlenden Sektglas voller Ideen in den eigenen Garten zurückkehren. Und vielleicht ist der eine oder andere im nächsten Jahr dann selber dabei.

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